Wer kann sich darunter etwas vorstellen? Was sind „Probleme“ eines Rheumatikers? Probleme, die ein gesunder Mensch nicht hat? Um Ihnen dies anschaulicher darzustellen, erlaube ich mir, Ihnen ein paar persönliche Erlebnisse zu schildern.
Parkticket mit Schwierigkeiten:
An einem frühen Vormittag hatte ich eine Nachuntersuchung von einer Operation in der Landesnervenklinik Linz. Eigentlich für mich als Autofahrerin kein Problem die Klinik zu erreichen. Außerdem war
es mir aufgrund meines Behindertenausweises möglich, mein Auto direkt vor dem Eingang der Klinik zu parken. Die Zufahrt war aber mit einem Schranken gesperrt. Auch nicht weiter tragisch, denn ich musste an der Ticketsäule nur ein Kärtchen ziehen, damit sich der Schranken öffnet und am Info-Schalter ein Gratisticket zum Ausfahren abholen. Leichter gesagt als getan. Da ich schon öfter mit solch Ticketsäulen in Parkhäusern konfrontiert war, wusste ich aus Erfahrung, dass ich so knapp wie möglich an diese Säule heranfahren musste, um auf einen Knopf drücken zu können, der dann die Ticketausgabe veranlasste. Nun, auch dies war ohne Schwierigkeiten zu meistern. Nur hatte ich eines nicht bedacht. Ich hatte es mit einem sehr hartnäckigen Ticketcomputer zu tun. Das Ticket zeigte er mir ohne Probleme, aber er wollte es sich
nicht so einfach nehmen lassen. Hinter mir schon eine Autoschlange ... Es gelang mir nicht und nicht das Ticket aus der Öffnung herauszuziehen.
Was tun? Die Autotür konnte ich nicht öffnen - ich stand ja ganz dicht an der Säule. Zurückfahren war auch nicht möglich, da hinter mir schon viele Autos standen. Nach vor ging es schon gar nicht, denn der Schranken blieb natürlich geschlossen. Das durfte doch nicht wahr sein! Ich zog und zerrte so gut es ging und das Ticket begann schon langsam einzureißen. Ich durfte es aber nicht zerreißen, denn dann ging der Schranken auch nicht auf und der Apparat war erst recht blockiert. Mit der Zeit begann ich weiter zu „zerren“, vor Aufregung zu schwitzen und natürlich auch mit mir selbst zu schimpfen. Dann kam endlich ein rettender Engel! Die Dame, die im Auto hinter mir wartete, hatte wohl meine Schwierigkeiten mitbekommen und war ausgestiegen und zu mir nach vorne gekommen. Sie fragte mich ganz freundlich, ob sie mir helfen könne und ich war ihr unsagbar dankbar, dass sie mir dieses störrische kleine Papierding aus dem Automaten herauszog ...
„ideale“ Türöffner:
Mit Sicherheit kennen Sie diese dicken runden Knaufe, die bei vielen öffentlichen Gebäuden, vor allem bei Toiletteneingängen, als Türöffner dienen. Gerade die Betroffenen, die mit den Händen große Probleme haben, werden jetzt schon wissen was ich meine. So lange man den Knauf drehen und die Türe nach innen drücken muss, geht das Öffnen der Tür noch einigermaßen. Was aber, wenn man wieder zurückgehen möchte? Die Finger um den oft relativen großen kugelförmigen Knauf legen, mit Händen die den Knauf gerade noch umfassen und in denen man krankheitsbedingt keine Kraft mehr hat, fest zugreifen und die oft sehr schweren Türen, mit aller Anstrengung nach innen zu ziehen. Hört sich ja ganz einfach an, oder? Kurioserweise habe ich solche Türgriffe schon in Reha-Zentren und Krankenhäusern vorgefunden, wo man doch meinen sollte, dass bei der Planung dieser Gebäude und deren Einrichtung auch auf uns Rheumapatienten Rücksicht genommen wird. Der Alltag zeigt, dass dem nicht so ist.
Der Einkauf für den Singlehaushalt“:
Einkaufen. Eine Tätigkeit, die ein allein stehender Patient anders bewältigen muss als ein Betroffener, der einen Partner hat oder anderweitige Hilfe in Anspruch nehmen kann. Es beginnt bei ganz „einfachen“ Sachen des alltäglichen Gebrauchs, z.B. Mineralwasser
in Flaschen. Wie soll ein Rheumatiker diese öffnen? Bevor er diese aufbekommt, wird er bei voller Flasche eher verdursten. Konservendosen? Wenn diese nicht schon eine Öffnungsvorrichtung wie Ösen haben und ein Dosenöffner von Notwendigkeit ist, dann muss dieser ein elektrischer sein, da mit Kraftaufwand allein von einem Rheumatiker dies unmöglich. zu schaffen ist. Gurken- oder Marmeladegläser würde ich von vornherein im Geschäft lassen, da diese alleine unmöglich zu öffnen sind. Außer, Sie verwenden bestimmte Hilfsmittel, die bei einem Bandagisten zu erhalten sind (darüber wurde in der letzten Ausgabe ausführlich berichtet).
Am Besten aber ist es, wenn man einfach schon mit gewissen Überlegungen einkauft. Was hat es für einen Sinn, sich etwas ganz Besonderes oder Leckeres zu gönnen, wenn sich zu Hause herausstellt, dass Sie das Besondere gar nicht genießen, sondern das Objekt nur betrachten können, da es unmöglich ist, die wunderbare Verpackung zu öffnen. Dies alles sind nur ein paar kleine Beispiele für „unsere“ Probleme im Alltag.
Mit Sicherheit haben auch Sie sich schon sehr oft über solche Dinge geärgert. Vielleicht möchten Sie uns dies mitteilen? Oder vielleicht haben Sie anregende Tipps, wie man sich das Leben im Haushalt erleichtern kann? Teilen Sie uns dies doch mit! Wir würden uns sehr freuen, wenn wir auch einmal Ihren persönlichen Erfahrungsbericht in „Aktiv mit Rheuma“ drucken und andere Leser sich damit identifizieren könnten.
Daniela Loisl
Stand: 18.03.2008

