Wien - Rheumatoide Arthritis (rA) gilt als häufigste entzündliche Erkrankung des rheumatischen Formenkreises. Rund 62.500 Österreicher sind derzeit davon betroffen. Dennoch wird der Krankheit in der Bevölkerung noch immer ein zu geringer Stellenwert eingeräumt. Der "Tag des Rheumakranken", der heuer am 12. Juni stattfand, ist eine wichtige Initiative für mehr Aufklärung und Verständnis für die Erkrankung in der Öffentlichkeit. Laut Erstem sterreichischem Patientenbericht Rheumatoide Arthritis 2009 wünschen sich 48 Prozent der efragten Patienten mehr Akzeptanz und Respekt von ihren Mitmenschen.

Pressekonferenz zur Vorstellung des Österreichischen Patientenberichts von li. nach re. Dr. Günther Wawrovsky, Mag. Dr. Johannes Hohenauer, Mag. Hanns Kratzer, Präsident der ÖGR Prim. Dr. Burkhard Leeb, Präsidentin der ÖRL Daniela Loisl, Dr. Walter Pöltner Foto: Fotocredit Thomas Preiss
Rheumatoide Arthritis als systemische Autoimmunerkrankung verläuft individuell unterschiedlich, bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen jedoch fortschreitend und chronisch. Unbehandelt mündet sie häufig in einer funktionellen Behinderung und einer ausgeprägten Gelenkszerstörung. Alltägliche Bewegungen wie Zähneputzen, Schuhe binden, ein Butterbrot streichen, die Haustüre hinter sich zusperren oder zur Arbeit gehen, fallen zunehmend schwerer. Dies beeinflusst nicht nur das soziale, sondern auch das berufliche Leben der Patienten gravierend und vermindert folglich ihre Lebensqualität. So berichten 59 Prozent der Befragten, dass es ihnen mit der Erkrankung eher gut geht, während sich das Leben für rund 24 Prozent der befragten Patienten beschwerlich gestaltet. Selbst für einfachste Tätigkeiten muss fremde Hilfe, sei es von Familienmitgliedern oder externen sozialen Diensten, in Anspruch genommen werden. Unbehandelt schreitet die rheumatoide Arthritis meist sehr schnell voran und kann zu irreparablen Spätfolgen führen. "Ohne adäquate Therapie leiden die Patienten an starken Schmerzen und etablieren im Krankheitsverlauf schwere Gelenksdestruktionen, die bis zur Invalidität führen", streicht Univ.-Prof. DDr. Manfred Herold die Gefahren der rheumatoiden Arthritis hervor.
Oft vergeht kostbare Zeit, bis Patienten die richtige Diagnose erhalten
Starke und chronische Schmerzen sind das Hauptsymptom der rheumatoiden Arthritis. Schmerzen sind jedoch ein allgemeines Symptom bei Beschwerden des Bewegungsapparates, was wiederum die Diagnose erschwert. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen des Ersten Österreichischen Patientenberichts wider. So dauert es rund zwei Jahre vom ersten Symptom bis zum Beginn einer adäquaten Therapie. Dabei kommt den Allgemeinmedizinern bei der Interpretation der Erstsymptome der rheumatoiden Arthritis eine wesentliche Bedeutung zu. Sie sind für viele Patienten die erste Ansprechstelle und in weiterer Folge die wichtigste Informationsquelle. Die Diagnose selbst wird größtenteils durch einen Facharzt gestellt. "Ärzte für Allgemeinmedizin sind die primäre Beratungsstelle bei Erstsymptomen der rheumatoiden Arthritis. Wir spielen in der Erkennung und Auslegung der Symptome eine entscheidende Rolle. Ausbildungen für Allgemeinmediziner müssen intensiviert werden, damit sie lernen, die Erstsymptome richtig zu diagnostizieren", betont Dr. Erwin Rebhandl die zentrale Stellung der Allgemeinmediziner. Dies deutet weiter auf
den Wunsch der befragten Patienten hin, dass der Hausarzt gut informiert sein und eng mit Fachärzten kooperieren sollte, um eine optimale Therapie zu gewährleisten. Die gute Zusammenarbeit zwischen Facharzt und Allgemeinmediziner ist im Sinne des Patienten essentiell.
Vom Krankenstand in die Berufsunfähigkeit
Innerhalb der EU sind entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie die rheumatoide Arthritis, schon jetzt Ursache Nummer eins für Frühpensionierungen, Invaliditätsrenten und Arbeitsplatzverluste. Bereits in den ersten Jahren der Erkrankung kommt es zu einschneidenden sozialen Veränderungen wie eingeschränkte Mobilität, einer meist damit verbundenen Veränderung des beruflichen Status und folglich Einkommensverlusten. Innerhalb von 6,5 Jahren sind bis zu 40 Prozent der Patienten nicht mehr fähig ihren Beruf weiter auszuüben. Das bestätigen auch die Ergebnisse des Patientenberichts. Rund 14 Prozent der Befragten geben an, durch die Erkrankung ihren Arbeitsplatz verloren zu haben und weitere 24 Prozent sind aufgrund ihrer Erkrankung in Frühpension. Umso wichtiger ist in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis ein früher Therapiebeginn mit geeigneten Medikamenten. "Gerade bei einer Erkrankung mit so großen individuellen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen sollten alle neuen Erkenntnisse, medizinisch-wissenschaftliche und pharma-ökonomische, frühzeitig Eingang in die Therapieplanung finden. Rheumatoide Arthritis ist zwar nicht heilbar, aber bei frühzeitiger Diagnose und raschem Therapiebeginn innerhalb des "Window of Opportunity" in den ersten drei Monaten nach Krankheitsbeginn gut behandelbar", hebt Prim. Dr. Burkhard Leeb, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation, die weitreichende Bedeutung eines rechtzeitigen Therapiebeginns hervor. Bei der Behandlung werden anfänglich in der Regel eine Schmerztherapie und eine immunmodulierende Basistherapie eingesetzt. Spricht der Patient nicht auf diese Basistherapie an, sollte bereits in Erwägung gezogen werden, auf ein Biologikum umzusteigen. Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die im Autoimmunsystem dort ansetzen, wo die Krankheit entsteht. In der Bevölkerung gilt rheumatoide Arthritis noch immer als eine Krankheit des Alters. Vergessen bleibt dabei, dass auch sehr viele Kinder und Jugendliche davon betroffen sind. "Schmerzen und Entzündungen kann man heute mithilfe geeigneter Therapien gut in den Griff bekommen. Mit Ergo- und Physiotherapie, Basistherapeutika sowie dem Einsatz moderner Medikamente kann die Situation der Betroffenen erheblich verbessert und deren Lebensqualität signifikant erhöht werden", erklärt Dr. Robin Rumler, Geschäftsführer von Pfizer Austria. "In den vergangenen Jahren hat es dahingehend viele revolutionäre Entwicklungen gegeben", befürwortet Daniela Loisl von der Österreichischen Rheumaliga die Verwendung von Biologika. Dennoch zeigen die Ergebnisse des Patienten-berichtes, dass es im Einsatz von individuell passenden und wirksamen Therapien Handlungsbedarf gibt, denn immer noch vergeht zuviel Zeit, bis die Patienten eine optimale Behandlung mit entsprechenden Medikamenten erhalten.
Krankheit wird nach wie vor verharmlost
In unserer Gesellschaft ist rheumatoide Arthritis nach wie vor eine Krankheit, die vorwiegend ältere Leute betrifft. Deswegen wird auch kein unmittelbarer Handlungsbedarf gesehen. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch von Patienten wird die rheumatoide Arthritis oft verharmlost und nicht als Gefahr ernst genommen. So ist es 48 Prozent der Betroffenen ein Anliegen, dass der Krankheit in der Öffentlichkeit ein höherer Stellenwert beigemessen und den Patienten mehr Respekt und Toleranz entgegengebracht wird. Weiters ist es für
die Befragten wichtig, von Vertretern öffentlicher Einrichtungen wie beispielsweise Amtsärzten, Chefärzten oder Sozialämtern mehr Verständnis für ihre Erkrankung zu erfahren.
Die Initiative Österreichischer Patientenbericht
PERI Consulting initiierte das neuartige Projekt "Österreichischer Patientenbericht" im Jahr 2005. Ziel ist es, den österreichischen Patienten eine Stimme zu verleihen, mit der sie ihre subjektiv erlebten Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf ihr Leiden äußern können. Durch anonymisierte Patientenumfragen zu verschiedenen chronischen Erkrankungen, die bundesweit durchgeführt werden, sollen die Anliegen von Patienten eruiert, Optimierungspotenziale im österreichischen Gesundheitssystem erhoben und die Ergebnisse den zentralen Akteuren und Entscheidungsträgern des Gesundheitswesens übermittelt werden. Speziell chronisch kranke Patienten haben oft ein genaues Bild davon, wie sie mit ihrer Krankheit leben und umgehen wollen und was sie sich von einem solidarischen Gesundheitssystem
erwarten. "Uns von PERI Consulting ist es wichtig, den Patienten die Möglichkeit zu geben, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Anliegen auszudrücken und diese als Grundlage dafür zu nehmen, Impulse zur Verbesserung des österreichischen Gesundheitssystems zu setzen", so Mag. Hanns Kratzer, Geschäftsführer von PERI Consulting über dieses Projekt. Weitere Informationen zu den Zielen und Ergebnissen des Patientenberichts finden Sie auf der Homepage
www.patientenbericht.at.
