Oft ist es sinnvoll, bei rheumatischen Erkrankungen zwischen Krankheitsbereitschaft (Anlage, "Disposition"), und aktuellem Auslöser eines Symptoms oder einer Erkrankung zu unterscheiden.
Beispielsweise kann ein Patient wegen einer ererbten Störung im Stoffwechsel zu einer Gicht neigen. Wenn er damit allerdings "vernünftig" lebt, muß er unter Umständen nie an einer Gicht erkranken. Andererseits kann er bei entsprechenden Eß- und Trinkgewohnheiten über Jahre hinweg einen zu hohen Harnsäurespiegel im Blut haben und als Folge im Laufe der Jahre Harnsäurekristalle in den Gelenken ablagern. Der erste Gichtanfall kann dann aber ganz unterschiedliche Auslöser haben: Ein besonders üppiges Gelage, aber auch eine fieberhafte Erkrankung, eine Fastenkur (!), ein heftiger Stoß gegen das Gelenk, ein Sturz auf das Gelenk und vieles andere mehr.
Wenn der erste Gichtanfall nun beispielsweise durch einen Sturz auf das Gelenk ausgelöst wird, könnte man dies für die Ursache der Gelenkschwellung und der heftigen Gelenkschmerzen halten. Es ist einleuchtend, daß man den Gichtanfall nicht gut in den Griff bekommt, wenn man nicht die eigentliche Ursache (die jahrelange hohe Harnsäure im Blut und die Ablagerung von Harnsäurekristallen im Gelenk) herausfindet und entsprechend behandelt.
Umgekehrt gibt es bei vielen rheumatischen Erkrankungen akute Verschlechterungen (z.B. Schübe), bei denen die eigentliche Krankheitsursache keine Rolle spielt und die man am besten verstehen kann, wenn man den auslösenden Faktoren auf die Spur kommt.
Beispielsweise führt bei einer Arthrose eine starke Überlastung zu einer Entzündung und einer akuten Verschlechterung. In diesem Fall ist die Ursache der Erkrankung unbedeutend. Man weiß, daß eine Arthrose vorliegt und meistens auch, welche Ursache sie hat.
Für die Zukunft kann ich aber oft solche akuten Verschlechterungen vermeiden, wenn ich die Überlastung als Auslöser erkannt habe und versuche, das Gelenk nur bis knapp an diese Überlastungsgrenze heran zu beanspruchen. Ähnliches gilt beispielsweise für die Auslösung von Schüben bei einer chronischen Polyarthritis durch starke psychische oder soziale Belastungssituationen.
Autor: Priv. Doz. Dr. med H.E. Langer
Stand: 21.11.2006

