In allen placebo-kontrollierten Studien war die häufigste Nebenwirkung von Kineret eine Hautreaktion im Bereich der Injektionsstelle. Hautreaktionen wurden in den placebo-kontrollierten klinischen Studien bei bis zu 71% der Patienten beobachtet (allerdings auch bei bis zu 28% der Patienten, die lediglich Placebo erhielten). Bei der überwiegenden Zahl der Patienten waren die Reaktionen mild bis mäßig stark ausgeprägt. Sie äußerten sich als Rötungen, kleine Einblutungen und oberflächliche Entzündungen und gingen teilweise mit Juckreiz und / oder Schmerzen einher.
Bei den Hautreaktionen handelt es sich zum Teil um kleinflächige, zum Teil auch um großflächige Rötungen, die unterschiedlich intensiv ausgeprägt sind. Bei einigen Patienten kommt es auch zu erheblichen Schwellungen. Nach einer Injektion reagieren "alte" Injektionsstellen häufig mit, d.h. es kommt zum Auftreten von Rötungen und Entzündungen an Stellen, an denen die Tage vorher die Injektion verabreicht wurde. Dieses Phänomen wird auch als "Recall-Phänomen" bezeichnet.
Beispiele für typische Hautreaktionen unter einer Therapie mit Anakinra zeigen die Abbildungen von Injektionsstellen im Bereich des Unterbauches oder auf dem Oberschenkel.
Die Ursache dieser Hautreaktionen ist derzeit noch nicht genau geklärt. Möglicherweise handelt es sich um eine Art allergischer Reaktion ("pseudoallergische" Reaktion) auf den Trägerstoff, in dem die Substanz gelöst ist. Dafür spricht, dass die Reaktionen mit der Gabe eines Antihistaminikums (s.u.) unterdrückt werden können.
Meistens muss gegen die Hautreaktionen nichts unternommen werden. Bei stärkeren Reaktionen helfen oft schon örtliche Maßnahmen, z.B. Kühlen, u.U. auch Auftragen von Salben, die Cortison oder ein sogenanntes Antihistaminikum enthalten (Antihistaminika sind Medikamente, die man gegen Entzündungen einsetzt, die durch den körpereigenen Stoff Histamin vermittelt werden, der u.a. auch eine Rolle bei anderen allergischen Reaktionen wie Heuschnupfen oder allergischer Bindehautentzündung spielt). Manchmal ist auch der Einsatz eines Antihistaminikums in Tablettenform sinnvoll. Je nach Lage der Dinge und in Absprache mit dem behandelnden Arzt muss bei heftigeren Injektionsreaktionen u.U. die Therapie auch für einige Tage ausgesetzt werden. Normalerweise zwingen die Hautreaktionen nicht zu einem endgültigen Abbruch der Therapie. In den klinischen Studien war dies nur bei 7% der Patienten der Fall.
Bleibende Schäden am Ort der Injektionsreaktionen sind nicht zu erwarten. Zumindest sind aus allen bisherigen Studien keine entsprechenden Langzeitfolgen bekannt.
Wichtig ist, dass die beschriebenen Hautreaktionen kein Warnhinweis für schwere, "allergische" Allgemeinreaktionen oder schwere Überempfindlichkeitsreaktionen sind (sogenannte anaphylaktische Reaktionen, die durch schwere Herz-Kreislauf-Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock gekennzeichnet sind und die unter einer Therapie mit Kineret nur extrem selten auftreten).
Injektionsreaktionen treten unter Anakinra treten üblicherweise innerhalb der ersten 4 Wochen auf, in der Regel zwischen dem 10. und 12. Tag nach Therapiebeginn (im Median am 11. Tag). Sie dauern normalerweise für 14 bis maximal 28 Tage an und verschwinden anschließend. Das Auftreten von Hautreaktionen nach Ablauf des ersten Monats war in den klinischen Studien extrem selten. Patienten, die im ersten Monat keine Injektionsreaktionen entwickeln, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe der weiteren Therapie ebenfalls keine solchen Reaktionen erfahren.
Autor: Priv. Doz. Dr. med H. E. Langer
Stand: 21.11.2006

