Da es sich bei den Zytokinen und auch bei den Rezeptorantagonisten um Eiweißstoffe handelt, können sie leider nicht als Tabletten gegeben werden, da die Wirksubstanz von der Magensäure zerstört würde. Kineret wird deshalb wird als Spritze verabreicht (sogenannte Subcutan-Injektion oder s.c.-Injektion; s.c. = subcutan = unter die Haut). Nach der Spritze wird Anakinra gut aus dem Unterhautfettgewebe in den Blutkreislauf resorbiert und gelangt von dort an seinen Wirkort, z.B. in den entzündeten Gelenken. Dort hält die Wirkung für einige Stunden an und klingt dann langsam ab. Als sogenannte terminale Halbwertszeit werden 4-6 Stunden angegeben.
Da die Wirkung von Anakinra nach der subkutanen Injektion im Laufe von 24 Stunden nachläßt, muß die Injektion täglich wiederholt werden. Die Injektion sollte dabei jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit gegeben werden.
Die kurze Wirkdauer von Anakinra ist im Hinblick auf das tägliche Spritzen unpraktisch, hat aber den erheblichen Vorteil, dass die Substanz damit sehr gut steuerbar ist. Eine Kumulation tritt nicht auf. Im Rahmen der Studien wurde bei den Patienten mit rheumatoider Arthritis über den Beobachtungszeitraum von 24 Wochen mit täglichen subkutanen Injektionen keine unerwartete Akkumulation von Anakinra beobachtet.
Üblicherweise erfolgt die subkutane Injektion in Absprache mit dem behandelnden Arzt und nach entsprechender Einweisung als Selbstinjektion durch die Patienten selbst. Die genaue Technik ist weiter unten beschrieben (Praktische Tips zur Injektionstechnik, Abbildungsserie zur Technik der subkutanen Injektion). Da Kineret als Fertigspritze zur Verfügung steht, sind spezielle Zubereitungen der Substanz nicht notwendig. Die Selbstinjektion ist üblicherweise problemlos und sicher (vergleiche zur Thematik der subcutanen Selbstinjektion auch die in den rheuma-news von April referierte Studie zur Sicherheit von Selbstinjektionen von Gold und Methotrexat durch die Patienten).
Ob man sich die Spritze lieber in die Bauchhaut oder in den Oberschenkel gibt, ist individuell unterschiedlich. Im Hinblick auf die Wirksamkeit und die Verträglichkeit sind beide Injektionsstellen gleichwertig. Sinnvoll ist es, die Injektionsstellen täglich zu wechseln, z.B. von rechts nach links.
Autor: Priv. Doz. Dr. med H. E. Langer
Stand: 21.11.2006

