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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ingrid B.:

Mein 18 jähriger Sohn hat die juvenile chronische Polyarthritis seit seinem 11. Lebensjahr und hatte es schon sehr heftig. Er hat seit ca. einem Jahr Schwellungen im rechten Handgelenk, die sich trotz 15 mg MTX, 200mg Sandimmun Optoral und 10 mg Decortin H nicht gebessert haben, sondern nun ist auch noch zu einer Verschiebung im Handgelenk gekommen. Jetzt hat uns der Rheumatologe eine Radiosynoviorthese vorgeschlagen. Ist die chemische Synoviorthese besser? Ist eine dieser Behandlungen in so jungen Jahren schon notwendig?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.04.2002:

Wir dürfen und können aus der Ferne keine individuellen Behandlungsempfehlungen geben.

Grundsätzlich kann man allerdings sagen, dass man früher bei der Radiosynoviorthese bei jungen Menschen sehr zurückhaltend war, dass sich diese Auffassung in den letzten Jahren aber deutlich geändert hat.

Ich persönlich bin kein großer Freund der chemischen Synoviorthese, da mit den Verödungsmitteln nicht so selektiv gearbeitet wird wie bei der Radiosynoviorthese und eben auch andere Strukturen als die Gelenkinnenhaut geschädigt werden können. Ausserdem tut eine chemische Synoviorthese nach dem, was mir Patienten davon berichtet haben, sehr weh.

Allerdings sind eine Reihe von Patienten, die ich kenne, sehr von der chemischen Synoviorthese überzeugt und lassen auch in Abständen Wiederholungseingriffe machen. Insofern scheint die Methode nicht ganz schlecht zu sein.

Wenn sich die Frage bei meinem eigenen Sohn oder bei mir selbst stellen würde, würde ich bei der angesprochenen Alternative immer und ohne auch nur eine Sekunde zu zögern die Radiosynoviorthese vorziehen und sie gleichzeitig nur dort machen lassen, wo eine sehr umfangreiche Erfahrung mit dieser Methode besteht.

Eine andere Problematik sollte unter einem anderen Aspekt auch noch angesprochen werden. Sie betrifft die sogenannte ulnare Shift und / oder andere Achsabweichungen im Handgelenk. Um im Einzelfall dazu was sagen zu können, braucht es den genauen Befund. Denken sollte man aber in solchen Situationen immer an Ergotherapie und Gelenkschutz, weiterhin an einen rheumachirurgischen Eingriff. Das hört sich so unkommentiert gar nicht gut an. Wenn aber eine Handgelenksarthritis bei jungen Menschen mit Achsabweichungen einhergeht, ist manchmal ein frühzeitiger, von einem erfahrenen, handchirurgisch ausgewiesenem Rheumaorthopäden indizierter und durchgeführter Eingriff auch im Hinblick auf Vorbeugung eine segensreiche Maßnahme.

 

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