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Fragen und Antworten

Eine Frage von Thomas F.:

Ich weiß, eigentlich bin ich auf Ihrer Seite nicht so ganz richtig, aber ich weiß nun auch nicht mehr wie weiter.

Beim Mtx-Stöbern bin ich zu rheuma-online gekommen.

Also:

Ich habe seit über 30 Jahren eine Colitis ulcerosa (Ich bin jetzt 36). Das ISG ist auch entzündet. Seit ca. einem Jahr läßt sich die CU nicht mehr im Griff halten. Ich muß jetzt als Grunddosis mindestens 10 mg Cortison nehmen. Vor drei Monaten habe ich das Azathioprin probiert, das aber auch in einem zweiten Versuch (dann auch schon bei 15mg) zu einem Anstieg der Leberwerte geführt hat. Nun ist mein Doc am Ende und sagt: Darm raus oder MTX. Tja und nun?? Man liest und hört so viel von den z.T. gravierenden Nebenwirkungen des MTX.

Ich nehme täglich als Dauerdosis: 200 mg Celebrex, 25 mg Amineurin gegen die Schmerzen des ISG und der Gelenke. Darüber hinaus Buscopan-Dragees (20mg Butylscopolaminiumbromid) und Azulfidine RA (2000 mg Sulfasalazin) gegen die Colitis ulcerosa.

Kann man MTX trotzdem (beginnend 10mg i.m.) geben????

Bevor der Anstieg der Leberwerte begann, ging es mir bei Gabe des Azathioprin so gut wie noch nie.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.01.1970:

So ganz falsch sind Sie bei rheuma-online gar nicht, denn mit der Sakroileitis (Entzündung des ISG) und der Gelenkbeteiligung liegt ja offensichtlich neben der Colitis ulcerosa auch eine sogenannte enteropathische Spondarthritis vor, also eine Beteiligung der Wirbelsäule und / oder der Gelenke bei einer entzündlichen Darmerkrankung.

Methotrexat (Mtx) ist eine oftmals sehr gut wirkende krankheitsmodifizierende Therapie bei enteropathischen Spondarthritiden, speziell auch in der Kombination mit Sulfasalazin. Allerdings muß man bei dieser Kombination speziell bei einer Colitis auf eine gute Folsäuresubstitution achten (siehe zur Frage Mtx und Folsäure u.a. auch: www.rheuma-online.de/fua/.

Bei den niedrigen Dosierungen, wie sie in der Rheumatologie und klinischen Immunologie verwendet werden, d.h. wöchentliche Dosierungen um 15 mg, wird Mtx normalerweise gut vertragen. In unserem Posting finden sich dazu eine ganze Reihe von Beiträgen von erfahrenen Mtx-Anwenderinnen und Anwendern (u.a.: rheuma-online.de/phorum/list.php.

Eine Problematik, die sich bei Patienten mit enteropathischer Spondarthritis immer wieder stellt, ist die Frage der Therapie mit „normalen“ Rheumamitteln, d.h. cortisonfreien Entzündungshemmern („nicht-steroidale Antirheumatika“, NSAR). Bei einigen dieser Medikamente kann es – in seltenen Fällen – bereits ohne das Vorliegen entzündlichen Darmerkrankung als unerwünschte Nebenwirkung zum Auftreten einer Colitis ulcerosa kommen. Deshalb sind die Rheumatologen außerordentlich zurückhaltend beim Einsatz dieser Medikamente bei Patienten mit Colitis. Bei den neuen Coxiben (z.B. Celecoxib = Celebrex oder Rofecoxib = Vioxx), d.h. einer speziellen Gruppe von NSAR, bei der spezifisch das Entzündungsenzym Cyclooxygenase 2 (COX-2) gehemmt wird, habe ich das Auftreten einer Colitis als Nebenwirkung noch nicht gesehen, auch sind mir dazu keine Mitteilungen aus der Literatur geläufig. Nichtsdestotrotz sollte man bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität der Colitis immer im Auge behalten, ob ein solcher Schub entweder durch die Gabe eines NSAR einschließlich eines Coxibs ausgelöst wurde oder unterhalten wird.

07-12-2002

Keywords: Enteropathische Spondarthritis * Colitis ulcerosa * Methotrexat * Lantarel * NSAR

 

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