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Fragen und Antworten

Eine Frage von Niels:

Ich werde wegen einer Psoriasis-Arthritis mit Sulfasalazin als langwirksamem Antirheumatikum behandelt. Nun habe ich seit ca. 3 Monaten starke Schmerzen im Brustbein-Rippenansatz mit Ausstrahlung über die Rippen bis zur BWS.

 

Innerhalb dieser 3 Monate habe ich vom Arzt im Abstand von jeweils ca. 4 Wochen insgesamt 3 Injektionen des Cortisonpräparates Triamhexal direkt an das Brustbein bekommen. Es hat aber bisher nicht geholfen. Meine Funktionalität ist sehr stark eingeschränkt, ich bin im Bereich Prävention /Rehabilitation als Selbständiger tätig und muss körperlich fit sein dies ist aber z.Zt. nicht möglich.

 

Meine Fragen lauten daher:

 

1. Wie kann mir medizinisch geholfen werden?

 

2. Ist es ratsam, Sport zu treiben, oder ist es besser, Ruhe in das betroffene Areal zu bringen?

 

3. Ist eine Behandlung mit Wärme oder mit Kälte besser?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 6.03.2004:

1. Wie kann mir medizinisch geholfen werden?

 

Sulfasalazin wirkt bei der Psoriasis-Arthritis oft ganz gut auf die peripheren Gelenke, d.h. z.B. Fingergelenke oder Zehengelenke. Dagegen ist die Wirksamkeit im Bereich der sogenannten stammnahen Gelenke und im Bereich von Sehnenansätzen oft nicht sehr gut oder sogar fehlend.

 

Örtliche Injektionen von Cortison sind in solchen Fällen manchmal wirksam, häufig jedoch aber auch nicht.

 

Aus der Ferne können, wollen und dürfen wir für Ihr spezielles Problem keine individuellen Hinweise oder Empfehlungen zur Diagnose oder Therapie geben.

 

Allgemein kann man jedoch sagen, daß in einer vergleichbaren Situation grundsätzlich zusätzlich zur laufenden langwirksamen, krankheitsmodifizierenden Therapie, in Ihrem Fall mit Sulfasalazin, cortisonfreie Entzündungshemmer eingesetzt werden sollten.

 

Kommt es darunter auch bei einer maximal verträglichen Dosierung nicht zu einem therapeutischen Ansprechen, sollte zunächst in einem weiteren Schritt ein Wechsel auf einen anderen cortisonfreien Entzündungshemmer erfolgen.

 

Wirkt dieser ebenfalls nicht oder nicht ausreichend, ist nach den internationalen Empfehlungen für die Therapie seronegativer Spondarthritiden, worunter die Psoriasis-Arthritis bei dem von Ihnen geschilderten Gelenkbefallsmuster fällt, eine Therapie mit TNF-alpha-Blockern indiziert.

 

2. Ist es ratsam, Sport zu treiben, oder ist es besser, Ruhe in das betroffene Areal zu bringen?

 

In der akuten Entzündungsphase sollte das betroffene Areal nicht überlastet werden. Andererseits ist eine völlige Ruhigstellung auch ungünstig, da ein entzündlicher Schmerz oft unter Bewegung geringer wird und außerdem unter einer völligen Ruhigstellung die Gefahr einer Gelenkversteifung besteht.

 

Bei den Gelenken im Bereich des Brustbein-Rippenübergangs (Sternocostalgelenke) ist eine Überlastung durch sportliche Aktivitäten kaum möglich, wenn man von wenigen Ausnahmen wie Boxsport oder anderen Kampfsportarten etc einmal absieht.

 

Wichtig ist eine intensive Atemgymnastik, um einer Einsteifung der Region entgegenzuwirken. Da man bei Ausdauersportarten automatisch intensiver atmet, sind solche grundsätzlich empfehlenswert.

 

Unabhängig davon ist bei einer Beteiligung der Sternocostalgelenke in jedem Fall eine regelmäßige und intensive, gezielte Atemgymnastik notwendig.

 

 

3. Ist eine Behandlung mit Wärme oder mit Kälte besser?

 

In der akuten Entzündungsphase ist Kälte in der Regel günstiger, da sie der Entzündung entgegenwirkt. Allerdings muß die Kälteeinwirkung ausreichend lange sein, da eine zu kurze Wirkdauer von nur wenigen Minuten nur zu einer verstärkten Durchblutung und damit zu einer Verstärkung der Entzündung führt. Die tiefer liegenden Thermosensoren, d.h. Wärme -/ Kältefühler sprechen erst nach längerer Kälteeinwirkunkung an und regeln dann die Durchblutung zurück. Dadurch setzt dann ein entzündungshemmender Effekt ein. Außerdem ist die örtliche Kälteanwendung auch schmerzlindernd.

 

Paradoxerweise wird allerdings oft auch in der akuten Entzündungsphase Wärmeeinwirkung als angenehm empfunden. Diesem kurzzeitigen symptomatischen Effekt der Wärme steht aber die mittelfristig und langfristig eher ungünstige Auswirkung auf die Entzündung gegenüber.

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