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Fragen und Antworten

Eine Frage von Gudrun W.:

Ich habe schon in meiner Jugend Wirbelsäulen-Beschwerden gehabt. Da ich Leistungssport (Langstrecke) getrieben habe, wurde alles auf zu wenig Muskeln geschoben. Ich trainierte also noch härter. Nur während der Schwangerschaft und ca. 2 Jahre danach (2 Kinder) hatte ich Ruhe. Vor vier Jahren, als meine Orthopädin der Ursache meines chronisch entzündlichen Knies nachging, wurde die Diagnose M. Bechterew gestellt. Seit 20 Jahren habe ich eine Schuppenflechte. Doch niemand kam bisher auf die Diagnose Psoriasis-Arthritis. Meine Rheumatologin erwähnte dies Mitte des Jahres zum ersten Mal, weil meine Hände immer mehr weh tun und meine Bechterewschen Schmerzen nicht therapierbar sind. MTX habe ich letztendlich wegen der Nebenwirkungen abgelehnt, andere Antirheumatica kommen wegen Austherapiertsein nicht mehr in Frage. Warum ist ausgerechnet diese Erkrankung so schwer erkennbar und behandelbar? Und warum sind Gutachter vom Versorgungsamt so schlecht informiert? Nach ihrer Meinung habe ich mir die Schmerzen selbst gebastelt, alle WS-Veränderungen, das Zuwachsen des Iliosacralgelenkes, die Verringerung meiner Atembreite, und alle anderen Beschwerden wie Morgensteifigkeit, nächtliches Wachwerden, weil ich Bewegung brauche, wird auf meinen Leistungssport geschoben. Und da ich lieber arbeiten gehe, als wegen Schmerzen das Bett hüte, glaubt mir eh keiner. Ich bin deshalb nicht "krank", weil ich mich nicht "krank schreiben lasse". So ein Stuß. Ich brauche Bewegung, und die habe ich auf Arbeit. Die Gutachter vom Versorgungsamt hängen also alles an der Krankschreibung auf. Und warum werde ich immer steifer? Na prima: wenn alle Leistungssportler solche Probleme bekommen, sollte der Leistungssport doch verboten werden. Die Kassen würden enorm an Behandlungskosten sparen. Das ist keineswegs ironisch gemeint, sondern meine ehrliche Meinung. Ich wäre froh, wenn ich bald eine Antwort erhalten könnte.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.01.1970:

Die Psoriasisarthritis gehört in der Rheumatologie mit zu den Erkrankungen, die am häufigsten überhaupt nicht oder erst sehr spät im Krankheitsverlauf diagnostiziert werden. Ursachen dafür gibt es viele. Sehr oft sind sie darin zu suchen, dass die Patienten überhaupt nicht oder erst sehr spät zu einem qualifizierten internistischen Rheumatologen überwiesen werden. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Psoriasisarthritis nicht selten völlig normale Befunde bei den Blutuntersuchungen aufweist, obwohl eine hohe Krankheitsaktivität besteht. Dies wissen selbst einige internistische Rheumatologen nicht, und damit kommt es dann zu einer völligen Unterschätzung der Erkrankung und der Beschwerden des Patienten. In der Folge natürlich auch zu einer unzureichenden, da zu wenig „aggressiven“, oder wenn man es moderater ausdrücken will, zu wenig intensiven Behandlung.

Methotrexat (Mtx, z.B. Lantarel) ist im übrigen ein excellentes Medikament zur langwirksamen antirheumatischen Therapie speziell der Psoriasisarthritis und wird gemeinhin für gefährlicher gehalten, als diese Substanz es ist. Ich empfehle dazu ein intensives Studium der entsprechenden Postings im Erfahrungsaustausch von rheuma-online (http://rheuma-online.de/phorum/) und die unmittelbare Kontaktaufnahme mit erfahrenen Mtx-Anwendern im Rheuma-Chat (http://rheuma-online.de/chat/). Eine Alternative ist Leflunomid (Arava), für das in gut durchgeführten, soliden klinischen Studien ebenfalls eine Wirksamkeit bei der Psoriasisarthritis belegt ist.

Wenn die „traditonellen“, konventionellen langwirksamen Antirheumatika nicht ausreichend wirken oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden können, steht als ganz neue therapeutische Option die Therapie mit den „biologischen“, d.h. biotechnologisch hergestellten Substanzen aus der Gruppe der TNF-Blocker zur Verfügung. Dazu verweise ich für weitere, sehr ausführliche Informationen auf das neue TNF-alpha-Informations-Zentrum (TIZ) von rheuma-online, wo man auch sehr umfangreiches schriftliches Informationsmaterial anfordern kann (http://www.tiz-info.de). Als erstes Medikament aus dieser Substanzklasse wurde kurz vor Weihnachten das Präparat Etanercept (Handelsname Enbrel) in Deutschland und Europa für die Therapie der Psoriasisarthritis offiziell von der europäischen Zulassungsbehörde EMEA zugelassen und steht damit auch bei uns für die Behandlung der schweren Psoriasisarthritis, bei der andere Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht eingesetzt werden konnten, zur Verfügung.

18.01.2003

Keywords: Psoriasisarthritis * PsoA * langwirksame antirheumatische Therapie * LWAR * DMARDs * Methotrexat * Lantarel * TNF-alpha-Blocker * Etanercept

 

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