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Fragen und Antworten

Eine Frage von Carmen:

Ich bin 32 Jahre alt und nehme seit ca. 1,5 Jahren MTX und ARAVA und möcht bzw. habe diese Medikamente bereits abgesetzt, weil ich schwanger werden will. Leider habe ich seit dem Absetzen wieder starke Schmerzen und immer wieder Rheuma-Schübe. Kann mir jemand Informationen über den Gesundheitszustand während der Schwangerschaft und danach geben? Die Ärzte raten mir vom Kinderkriegen ab.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.07.2001:

Wenn man Arava genommen hat und schwanger werden will, muß unbedingt sichergestellt sein, daß sich kein Wirkstoff mehr im Körper befindet, sonst kann es zu schweren Schäden / Mißbildungen bei dem Kind kommen. Der sogenannte wirksame Metabolit von Arava (ein Stoffwechselprodukt) kann z.T. noch bis zu 2 Jahren im Körper bleiben. Deshalb muß solange mit einer Schwangerschaft gewartet werden, wenn man nicht eine sogenannte Auswaschprozedur durchführt. Dies geschieht entweder mit einem Medikament ("Cholestyramin") oder mit Kohle nach einer bestimmten Vorschrift. Nach erfolgreicher Durchführung dieser Auswaschprozedur muß Blut an den Hersteller von Arava (Aventis) geschickt werden, der (kostenlos) prüft, ob sich noch Reste des wirksamen Metaboliten nachweisen lassen oder ob Arava vollständig aus dem Körper entfernt wurde. (Wirkspiegelbestimmung Arava). Dieser Test wird zur Sicherheit anschließend noch ein zweites Mal durchgeführt. Wenn beide Teste sagen, daß Arava nicht mehr im Körper ist, bestehen hinsichtlich einer anstehenden Schwangerschaft keine Bedenken.

Ansprechpartner bei Aventis sind Dr. Prechtel (Tel. 069 / 305 - 84 109) oder Dr. Kapfer (Tel. 069 / 305 - 80 749). Die Kosten betragen 800,- pro Untersuchung und werden bei Schwangerschaft bzw. Schwangerschaftswunsch von Aventis übernommen.

Mit Methotrexat darf man ebenfalls nicht schwanger werden. Der Sicherheitsabstand zur letzten Einnahme ist hier allerdings kürzer. Die Empfehlungen betragen 3 bis 6 Monate. Was auf keine Fall verkehrt ist, ist die Einnahme von Folsäure oder Folinsäure (Gegenmittel gegen Mtx). Ein ausreichendes Folsäuredepot im Körper ist ohnehin für eine anstehende Schwangerschaft gut.

Zur Frage einer Schwangerschaft und rheumatischen Erkrankungen haben wir einiges in Rheuma von A-Z unter den entsprechenden Stichworten geschrieben. Die Situation ist für z.B. chronische Polyarthritis, Bechterew oder Lupus (SLE) sehr unterschiedlich. Sehr viele Patienten mit einer chronischen Polyarthritis berichten, daß es ihnen während der Schwangerschaft sehr viel besser geht. Bei Lupus kann es im Verlauf der Schwangerschaft zu Problemen kommen. Eine sehr engmaschige fachrheumatologische Betreuung ist deshalb bei Lupus besonders wichtig. Bechterew-Patienten geht es während der Schwangerschaft häufig auch besser; mit zunehmender Schwangerschaft bereiten aber gerade bei Bechterew zunehmende Rückenschmerzen oft doch ziemlich starke Probleme.

Es gibt Medikamente, die während der Schwangerschaft gegeben werden dürfen (z.B. Cortison in kleinen Dosen). Dies muß im Einzelfall durch den behandelnden Rheumatologen entschieden werden.

 

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