Aktuelle Daten zu Abatacept zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis (RA) bei Patienten mit einer frühen, erosiven Erkrankung

Auf dem

18. Jahreskongress der European League Against Rheumatism (EULAR) in

Madrid wurden neue Daten zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis mit Abatacept

(Orencia) vorgestellt.

(Dienstag, 15.08.2017, Pressemitteilung Bristol-Myers Squibb)
Kategorie: Abatacept

Darunter war auch eine Post-hoc-Analyse der 2-Jahresdaten aus der AMPLE-Studie, die das Therapieansprechen von Patienten mit prognostisch ungünstigen Faktoren untersuchte. Laut dieser Analysescheinen seropositive Patienten mit früher, erosiver RA (mit Antikörpern gegenzyklisch citrullinierte Peptide (ACPA) oder den Rheumafaktor (RF) sowie einerkurzen Krankheitsdauer und bestehenden Gelenkschädigungen) besonders von der Behandlung mit dem T-Zell-Costimulationsmodulator Abatacept im Vergleich zum Tumornekrosefaktor(TNF)-Inhibitor Adalimumab zu profitieren.1 Ein ähnlicher Trend zeigte sich auch in einer Datenerhebung, die auf einer Analyse elektronisch erfasster Behandlungsdaten basiert. In dieser retrospektiven Erhebung wurden Daten von Patienten mit RA und prognostisch ungünstigen Faktoren ausgewertet, die mit Abatacept oder einem TNF-Inhibitor therapiert wurden. Dabei zeigten seropositive Patienten (ACPA/RF) mit RA und Erosionen in der mit Abatacept behandelten Gruppe eine verstärkte Abnahme der Krankheitsaktivität.2

Die Head-to-Head-Studie AMPLE (Abatacept versus adaliMumab comParison inbioLogic-naïvE rheumatoid arthritis subjects with background methotrexate) zeigte bei Biologika-naiven Patienten eine vergleichbare Wirksamkeit von Abatacept plus Methotrexat (MTX) und Adalimumab plus MTX, sowohl bezogen auf den primären Endpunkt nach 12 Monaten (Nicht-Unterlegenheit für ACR20) als auch nach 24 Monaten.3,4 In einer neuen, auf dem EULAR 2017 präsentierten Post-hoc-Analyse dieser Studie wurde nun das Ansprechen von Abatacept im Vergleich zu Adalimumab in Abhängigkeit von prognostisch ungünstigen Faktoren bei Patienten mit einer frühen, erosiven RA untersucht. Bei einfach ACPA+ oder RF+ Patienten mit einer kurzen Krankheitsdauer (≤ 6 Monate) und bestehenden Gelenkschädigungen (> 1 Erosion) (Kohorte 1) wurde über die Studiendauer von 24 Monaten eine numerisch größere Reduktion der Krankheitsaktivität für Abatacept im Vergleich zu Adalimumab beobachtet (DAS28 (CRP)* -2,18 vs. -1,56 nach 26 Wochen, -2,58 vs. -1,68 nach 52 Wochen und -2,50 vs. -2,0 nach 104 Wochen). Im Gegensatz dazu wurden keine Unterschiede zwischen Abatacept und Adalimumab bei Patienten festgestellt, bei denen mindestens ein prognostisch ungünstiger Faktor (Krankheitsdauer ≤ 6 Monate, ACPA+ oder RF+, > 1 Erosion) fehlte (Kohorte 2).1 Aufgrund der relativ geringen Patientenzahlen in den Behandlungsgruppen (Kohorte 1: n = 83; Kohorte 2: n = 563) sind jedoch weitere präspezifizierte, randomisierte Studien erforderlich, um Unterschiede zwischen Biologika mit verschiedenen Wirkmechanismen bei Patienten mit früher, progressiver RA nachzuweisen.**

Gestützt werden diese Ergebnisse durch die Analyse von Real-World-Daten, die auf einer retrospektiven Erhebung elektronisch erfasster Behandlungsdaten von über 6.500 US-amerikanischen Patienten mit RA basiert (JointMan Database®).2 Der im Rahmen der Studie bewertete primäre Endpunkt bestand in der durchschnittlichen Änderung des Clinical Disease Activity Index (CDAI) gegenüber Baseline nach 6 Monaten. Mit Abatacept behandelte, ACPA/RF seropositive Patienten (ACPA+ oder RF+ oder beides) mit Erosionen sprachen im Vergleich zu allen anderen mit Abatacept therapierten Patienten geringfügig besser auf die Behandlung an (CDAI -9,7 vs. -7,5). Auch bei der Follow-up-Analyse zeigte sich, dass mit Abatacept behandelte Patienten mit prognostisch ungünstigen Faktoren häufiger eine geringe Krankheitsaktivität (Low Disease Activity, LDA) oder Remission erreichten als Patienten ohne prognostisch ungünstige Faktoren (34 % im Vergleich zu 25 %). Für seropositive Patienten mit Erosionen, die einen TNF-Inhibitor erhalten hatten, wurde ein ähnlicher Trend nicht beobachtet (LDA 45 % im Vergleich zu 42 %).2 

Prognostisch ungünstige Faktoren bei RA-Patienten sind mit einer erhöhten Funktionseinschränkung und Mortalität assoziiert.5,6 Die Ergebnisse der beiden auf dem EULAR 2017 präsentierten Analysen weisen darauf hin, dass besonders Patienten mit früher, prognostisch ungünstiger RA von Abatacept profitieren können.

* Disease Activity Score 28 (C-reaktives Protein)

** Limitationen:

  • Es handelt sich um eine Post-hoc-Analyse, d. h. die Patienten wurden nicht prospektiv für die Aufnahme in diese Kohorten ausgewählt.
  • Die Anzahl der Patienten in Kohorte 1 war deutlich geringer als in Kohorte 2 (83 vs. 563 Patienten).
  • In Kohorte 1 hatten mehr Patienten, die mit Adalimumab behandelt wurden, einen Baseline DAS28 (CRP) ≥ 5,1 und eine niedrigere mittlere MTX-Dosis, was möglicherweise das Ansprechen auf die Behandlung beeinflusst hat.

Weitere Analysen, die von Bristol-Myers Squibb auf dem EULAR 2017 vorgestellt wurden:

  • Eine Post-hoc-Analyse von Phase-III-Daten der AGREE-Studie (Abatacept study to Gauge Remission and joint damage progression in MTX-naïve patients with Early Erosive RA), in deren Rahmen die Wirksamkeit von Abatacept in Kombination mit MTX gegenüber MTX allein auf die Serokonversion von RA-Patienten – vom ACPA/RF seropositiven zum seronegativen Status – untersucht wurde und wie diese Serokonversion mit dem klinischen Ansprechen zusammenhängt.
  • Eine Post-hoc-Analyse von Phase-IIIb-Daten der AVERT-Studie (Assessing Very Early Rheumatoid Arthritis Treatment), in welcher untersucht wurde, wie groß der Anteil der Patienten war, die nach 12 Monaten eine Remission erreicht hatten in Abhängigkeit von dem zu Studienbeginn durch RI(Magnetic Resonance Imaging)-detektierten Entzündungsstatus und der Behandlungsgruppe.8

Referenzen

  1. Fleischmann R, Weinblatt M, Ahmad H, et al. Efficacy of abatacept versus adalimumab in patients with seropositive, erosive early RA: analysis of a randomized controlled clinical trial (AMPLE). Annual European Congress of Rheumatology der European Leauge Against Rheumatism (EULAR) 2017. Abstract SAT0041.
  2. Alemao E, Knapp K, Anupindi VR, et al. Treatment effects of abatacept and anti-TNF in patients with RA with poor prognostic factors: data from community rheumatology clinics. Annual European Congress of Rheumatology der European Leauge Against Rheumatism (EULAR) 2017. Abstract FRI0232.
  3. Weinblatt ME, Schiff M, Valente R, et al. Head-to-head comparison of subcutaneous abatacept versus adalimumab for rheumatoid arthritis: findings of a phase IIIb, multinational, prospective, randomized study. Arthritis Rheum 2013;65(1):28–38.
  4. Schiff M, Weinblatt ME, Valente R, et al. Head-to-head comparison of subcutaneous abatacept versus adalimumab for rheumatoid arthritis: two-year efficacy and safety findings from AMPLE trial. Ann Rheum Dis 2014;73(1):86–94.
  5. Humphreys JH, van Nies JA, Chipping J, et al. Rheumatoid factor and anti-citrullinated protein antibody positivity, but not level, are associated with increased mortality in patients with rheumatoid arthritis: results from two large independent cohorts. Arthritis Res Ther 2014;16(6):483.
  6. Quinn MA, Gough AK, Green MJ, et al. Anti-CCP antibodies measured at disease onset help identify seronegative rheumatoid arthritis and predict radiological and functional outcome. Rheumatology 2006;45(4):478–80.
  7. Jansen D, Emery P, Smolen J, et al. Association between conversation to ACPA/RF serenegative status and clinical outcomes following treatment with abatacept in combination with methotrexate compared with methtrexate alone in patients with early rheumatoid arthritis and poor prognostic indicator. Annual European Congress of Rheumatology der European Leauge Against Rheumatism (EULAR) 2017. Abstract FRI0219.
  8. Ahmad H, Baker J, Østergaard M, et al. Evaluation of the impact of baseline levels of MRIdetected inflammation of treatment response in early, seropositive, MTX-naïve RA: data from AVERT trial. Annual European Congress of Rheumatology der European Leauge Against Rheumatism (EULAR) 2017. Abstract OP0284.
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