Bakterielle Arthritis

Eine <b>Bakterielle Arthritis</b> ist eine Gelenkentzündung (<a href="/rol/a-z/a/arthritis/">Arthritis</a>), die durch eine Infektion des Gelenks mit Bakterien hervorgerufen wird.

Bei der bakteriellen Arthritis findet man durch eine Gelenkpunktion mit Synovia-Analyse die Bakterien unmittelbar im Gelenk, z.B. in einem Ausstrichpräparat mit entsprechenden Färbungsmethoden zum Nachweis von Bakterien (u.a. Grampräparat) oder durch Anzüchtung auf speziellen Nährböden in einem Brutschrank. Eine bakterielle Arthritis ist eine gefährliche Erkrankung. Je nach Keim kann sie innerhalb von kürzester Zeit zu ganz erheblichen Schäden im Gelenk führen. Dies gilt vor allem für eine Infektion mit Staphylokokkus aureus. Außerdem kann es zu einer Aussaat der Erreger in die Blutbahn und eine lebensgefährliche Allgemeininfektion kommen ("Blutvergiftung" oder medizinisch korrekt Sepsis).

Entscheidend für die Prognose einer bakteriellen Arthritis sind aus unserer Sicht folgende Faktoren:

1. Der zugrundeliegende Erreger.

Es gibt Erreger wie die bereits genannten Staphylokken (Untergruppe aureus), die sehr rasch zu irreparablen Schäden führen. Andere Erreger haben eher einen schleichenden Verlauf, dazu gehört beispielsweise eine andere Staphylokokkenart (staphylokokkus epidermidis). Auch Streptokokken sind in der Regel im Gelenk nicht ganz so aggressiv wie Staphylokokkus aureus.

2. Die schnelle Diagnose.

Bei einer bakteriellen Arthritis ist für den Ausgang der Erkrankung und die Frage einer vollständigen Ausheilung die schnellstmögliche Diagnose und sofortige Therapie von absolut entscheidender Bedeutung. Mit jedem Tag, an dem die Diagnose noch nicht gestellt ist, richten die Bakterien im Gelenk Schäden an, die nie mehr vollständig repariert werden können. Außerdem wächst mit jedem Tag der unbehandelten Infektion das Risiko einer Streuung der Erreger in andere Körperregionen und damit das Risiko einer lebensbedrohlichen Erkrankung.

3. Die richtige Therapie.

Dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Unbestritten ist, daß eine ausreichend hochdosierte Therapie mit dem richtigen Antibiotikum notwendig ist. Dies beinhaltet, wenn es irgend möglich ist, die Therapie auf der Grundlage eines sogenannten Antibiogramms, d.h. einer Anzüchtung der Erreger in einer Kultur und Austestung, welches Antibiotikum für diesen Erreger das optimale Medikament ist. Dabei darf nicht auf das Vorliegen des Antibiogramms gewartet werden. Man beginnt mit der Therapie, die nach den Ergebnissen der Synovia-Analyse und dem klinischen Bild am ehesten einen Erfolg erwarten läßt und modifiziert die Behandlung gegebenenfalls, wenn das Ergebnis des Antibiogramms vorliegt.

In der Vergangenheit ging man bei der Behandlung der bakteriellen Arthritis in der Regel so vor, daß man zunächst mit Medikamenten (Antibiotika) behandelte und darunter den Verlauf beobachtete. Trat innerhalb eines gewissen Zeitraums, der unterschiedlich betrachtet wurde und von 2-3 Tagen bis zu einer oder zwei Wochen reichte, kein Therapieerfolg ein, entschied man sich zu einer operativen Behandlung. Die eigene Erfahrung mit der Therapie bakterieller Arthritiden und die Auswertung von Literaturdaten spricht aber dafür, daß zumindest bei einigen Keimen wie beispielsweise Staphylokokkus aureus ein primär operatives Vorgehen besser ist, d.h. daß der Patient mit einer bakteriellen Arthritis so rasch wie möglich operiert wird. Bei einer optimalen Zusammenarbeit zwischen beispielsweise dem internistischen Rheumatologen und dem Operateur ist eine Operation noch am Tage der Diagnosestellung möglich. Dabei ist die Operation der Wahl eine sogenannten Synovialektomie (auch Synovektomie genannt). Dabei wird die Gelenkinnenhaut operativ entfernt, in der die Keime sitzen. Je nach Einzelfall kann diese auch arthroskopisch (Arthroskopie) erfolgen. Meistens wird allerdings eine sogenannte offene Synovialektomie notwendig. Bei der Operation wird das Gelenk außerdem sorgfältig gereinigt, um den Erregern so wenig Nahrung wie möglich zu bieten. Abschließend werden sogenannte Antibiotika-Ketten in das Gelenk eingebracht, die die antibiotische Behandlung mit Tabletten oder Infusionen durch die zusätzliche örtliche Wirkung unterstützen.

Dieses primär operative Behandlungskonzept der bakteriellen Arthritis ist allerdings nicht allgemein anerkannt und wird auch nicht überall so durchgeführt.

Aus unserer Sicht überholt sind chirurgische Behandlungen einer bakteriellen Arthritis durch sogenannte Saug-Spül-Drainagen oder ähnliches, bei der das Gelenk dauernd mit Spüllösungen gespült wird. Durch die dauerhaft im Gelenk liegenden Schläuche besteht die Gefahr, daß zusätzliche Erreger in das Gelenk gelangen und die Infektion zusätzlich verkomplizieren.

Die bakterielle Arthritis ist von der sogenannten infektreaktiven Arthritis zu unterscheiden. Bei der infektreaktiven Arthritis kommt es auch zu einer Infektion, allerdings außerhalb des Gelenks. Nach einem freien Intervall von etwa einer Woche bis drei Wochen tritt dann die Arthritis auf. Bei dieser Arthritis sind zwar z.T. Erregerbestandteile im Gelenk nachweisbar, lebende Erreger lassen sich jedoch nicht anzüchten. Die infektreaktive Arthritis ist damit wahrscheinlich eine fehlerhafte Antwort des Immunsystems in der Auseinandersetzung mit der primär außerhalb des Gelenks erfolgten Infektion.

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