Ernüchternde Bilanz für individuelle Gesundheitsleistungen

Durch die Inanspruchnahme von so genannten individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, erhoffen sich viele Patienten einen Nutzen für ihre Gesundheit. Dafür greifen sie auch gern in die Tasche, denn diese Leistungen werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Eine neue Untersuchung zeigt: Die meisten IGeL haben keinen Nutzen für den Patienten.

(Mittwoch, 22.02.2017, Julia Nix)
Kategorie: Gesundheitssystem

Foto: Julia Nix, rheuma-online

Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS), nimmt die verschiedenen Leistungen genau unter die Lupe. Das Resümee der Wissenschaftler nach fünf Jahren ist ernüchternd. So fällt die Schaden-Nutzen-Bilanz vieler Leistungen oft eher negativ aus. Denn: Auch Früherkennung kann schaden. Dies ist der Fall, wenn beispielsweise Schäden durch Übertherapien zu befürchten sind.

Lediglich drei IGeL werden mit tendenziell positiv bewertet; keine IGeL erhält die Bewertung positiv. Vier IGeL wie Sport-Check oder Atteste werden nicht bewertet, sondern nur beschrieben. Zwei IGeL-Bewertungen werden zurzeit aktualisiert. 17 IGeL erhalten die Bewertung tendenziell negativ – das heißt der zu erwartende Schaden ist höher als der Nutzen. Bei 15 weiteren Bewertungen kommt das Wissenschaftlerteam zum Schluss, dass die Schaden-Nutzen-Bilanz mit unklar zu bewerten ist. Auch ergänzende Früherkennungsuntersuchungen wie Ultraschall, Lungen-Check, EKG und andere sind von dieser negativen Bilanz betroffen.

"Auch wenn Früherkennungsuntersuchungen meist sehr positiv von Patienten und Ärzten gesehen werden – sie sind nicht per se nützlich. Sie können schaden – durch Übertherapien, Überdiagnosen, Belastung durch Tests oder auch dadurch, dass sie dem Patienten eine falsche Sicherheit vorgaukeln", erläutert Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs "Evidenzbasierte Medizin" beim MDS. Zahlreiche Früherkennungsuntersuchungen, die oftmals als zusätzliche IGeL beim Check-up 35 verkauft werden, müssten daher kritisch betrachtet werden. Der Check-up 35 ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, bei der Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine ärztliche Gesundheitsuntersuchung haben. "Bei den Früherkennungsuntersuchungen, die als IGeL angeboten werden, ist ein Markt entstanden, der zunehmend größer und uneinheitlicher wird. Aufgrund der vielen Kombinationsmöglichkeiten wird es für Patienten immer schwieriger, den Nutzen einzuschätzen und abzuwägen, ob eine zusätzliche Leistung tatsächlich sinnvoll ist", sagt Dr. Eikermann.

Weitere Informationen unter www.igel-monitor.de

Mit Pressematerial des MDS

Copyright © 1997-2019 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.