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Fragen und Antworten

Eine Frage von Susanne A.:

Da eine Herzrhythmusstörung der schnellen Art und ein zu korrigierender Gerinnungsfaktor in dieser Woche ermittelt wurden, befürchte ich durch anhaltende Einnahme von Prednisolon 5mg eine ungünstige Beeinträchtigung der vorgenannten Symptome. Eine rezeptierte Einnahme von Marcumar zur Verbesserung der Gerinnung wird meiner Meinung nach, so gelesen, durch Cortison beeinträchtigt. Können Sie mir ein Rheumamittel ohne Kortison empfehlen?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 8.08.2003:

Bei der medikamentösen Therapie rheumatischer Erkrankungen werden traditionell 4 bzw. in jüngster Zeit 5 Hauptgruppen von Medikamenten unterschieden:

 

· Schmerzmittel ("Analgetika")

 

· Cortisonfreie Entzündungshemmer („nicht-steroidale Antirheumatika“, NSAR)

 

· Cortison (“Steroide”, “Corticosteroide”)

 

· Langwirksame Antirheumatika (früher so genannte „Basismedikamente“

 

oder „Bsistherapeutika“, „Basistherapien“)

 

· Krankheitskontrollierende Medikamente

 

Die verschiedenen Medikamentengruppen haben unterschiedliche Wirkungen und damit auch unterschiedliche therapeutische Zielsetzungen. Ihre Anwendung erfolgt deshalb oft auch gleichzeitig, z.B. gibt man häufig neben langwirksamen Antirheumatika zusätzlich noch cortisonfreie Entzündungshemmer und/oder Cortison. Moderne Konzepte der Rheumabehandlung zeichnen sich dadurch aus, dass verschiedene Methoden miteinander kombiniert werden. Der Erfolg der Behandlung hängt wesentlich davon ab, für die unterschiedlichen Krankheitsbilder und Krankheitssituationen die jeweils richtige Behandlungskombination zusammenzustellen. Für jeden einzelnen Patienten muss seine individuelle Therapie quasi "maßgeschneidert" zugeschnitten werden.

 

Detaillierte Informationen zur Wirkung und zum Einsatzgebiet der einzelnen Medikamentengruppen findet man auf der TIZ-Homepage unter der Rubrik „Therapie“.

 

Bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis ist eine krankheitsmodifizierende Wirkung, d.h. eine wirksame Beeinflussung des Krankheitsverlaufs und ein positiver Einfluß im Hinblick auf die möglichen Folgen der Erkrankung, nur für Medikamente aus der Gruppe der langwirksamen Antirheumatika und ganz neu aus der Gruppe der krankheitskontrollierenden Substanzen belegt (engl. DMARD´s = disease modifying antirheumatic drugs, krankheitsmodifizierende Medikamente; engl. DCARD´s = disease controlling antirheumatic drugs).

 

Die Substanzklasse der krankheitskontrollierenden Medikamente Medikamentenklasse wurde eingeführt, nachdem in klinischen Studien gezeigt werden konnte, daß es unter einer wirksamen Therapie mit den neuen biotechnologisch hergestellten Medikamenten (“biologicals”) gelingt, die Krankheitsaktivität bei der rheumatoiden Arthritis vollständig „einzufrieren“ und den weiteren Progress der Erkrankung, auch im Hinblick auf die röntgenologisch zu dokumentierende Zerstörung der Gelenke und des gelenknahen Knochens, vollständig zu hemmen. Die erste Substanz, die von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) als DCARD für die Therapie der rheumatoiden Arthritis zugelassen wurde, war der TNF-alpha-Blocker Etanercept (Enbrel).

 

Bei einer aktiven rheumatoiden Arthritis ist eine alleinige Therapie mit Cortison nicht ausreichend und auch nicht mehr zeitgemäß. Sie wird nur noch ein extremen Ausnahmefällen durchgeführt, wenn alle Substanzen aus der Gruppe der DMARD’s bzw. DCARD’s nicht eingesetzt werden können.

 

Eine Beeinflussung der Marcumartherapie durch Cortison ist – nicht zuletzt auch in Abhängigkeit von der Cortisondosis – möglich, aber kein Problem, da dies ja bei der Einstellung auf die richtige Marcumardosis berücksichtigt wird.

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