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Fragen und Antworten

Eine Frage von Sabine G.:

Bei mir wurden Antikörper gegen Chlamydia pneumoniae nachgewiesen. Gibt es jetzt schon mehr Informationen für eine klinische Relevanz bei Rheumapatienten? Ich habe eine schwere chronische Polyartritis.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.09.2001:

Ihre Frage ist extrem schwierig zu beantworten. Die sogenannte "Durchseuchungsrate" mit Chlamydia pneumoniae ist in Deutschland wohl relativ hoch (ganz genaue Zahlen sind mir nicht bekannt), d.h. viele Menschen haben in der Vergangenheit eine Infektion mit Chlamydia pneumoniae durchgemacht und in der Folge Antikörper. Diese Antikörper sind dann in der Regel sogenannte IgG-Antikörper. IgM-Antikörper gelten üblicherweise als sehr starker Hinweis auf eine frische, behandlungsbedürftige Infektion, um nicht zu sagen sogar als ein Beweis dafür. IgA-Antikörper sprechen für eine Erregerpersistenz, d.h. dafür, daß möglicherweise noch Chlamydien im Körper sind, die auch u.U. noch einer antibiotischen Behandlung bedürfen. Diese Frage ist derzeit allerdings sehr umstritten.

Chlamydien sind Erreger, die eine sogenannte infektreaktive Arthritis hervorrufen können. Bekannt ist dieses für Chlamydia trachomatis. Wahrscheinlich ist auch Chlamydia pneumoniae dazu in der Lage. Ich selber habe auf Grund von einigen eigenen Fallbeobachtungen den Eindruck, daß Chlamydia pneumoniae auch ein großes Spektrum von anderen Immunreaktionen / Autoimmunreaktionen / entzündlich-rheumatischen und/oder immunologischen Systemerkrankungen auslösen kann. Wir wissen im Augenblick allerdings noch zu wenig über Chlamydia pneumoniae und sind deshalb derzeit noch nicht in der Lage, das komplette Spektrum der möglicherweise durch Chlamydia pneumoniae angestoßenen / hervorgerufenen Erkrankungen zu verstehen.

Wenn erst im Verlauf einer chronischen Polyarthritis Antikörper gegen Chlamydia pneumoniae nachgewiesen werden, die vorher nicht vorhanden waren, spricht dieses für eine Infektionskomplikation, die nur mittelbar etwas mit der chronischen Polyarthritis zu tun hat (z.B. als Folge der veränderten, schwächeren Immunabwehr im Zusammenhang mit der chronischen Polyarthritis oder einer geschwächten Immunabwehr in der Folge der medikamentösen Therapie z.B. mit Cortison oder sogenannten Immunsuppressiva. Eine ursächliche Bedeutung im Hinblick auf die chronische Polyarthritis besteht dann mit Sicherheit nicht.

 

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