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Fragen und Antworten

Eine Frage von Maja:

Aufgrund einer diagnostizierten Arthritis Psoriatica wurde vor ungefaehr 6 Wochen meine Behandlung mit Sulfasalazin um die Behandlung mit Methotrexat erweitert. Ich weiss nun, dass die Verabreichung dieses Medikamentes entweder in Form von Tabletten oder als Spritzen moeglich ist. Bezueglich letzterer Variante moechte ich gerne in Erfahrung bringen, welche Aspekte einer vom Patienten selbst verabreichten woechentlichen Spritze (s.c.) entgegenstehen und ob diesbezueglich bereits Erfahrungswerte bzw. Forschungsergebnisse vorliegen.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.07.2001:

Wenn man Methotrexatin Form von Tabletten gibt, wird es von den einzelnen Patienten sehr unterschiedlich resorbiert, d.h. in den Körper aufgenommen. Man ist deshalb bei dieser Verabreichungsform nicht sicher, ob ein genügend hoher Wirkspiegel im Blut erzielt wird. Fängt man bei einer Mtx-Therapie mit der Tablettenform an und stellt nach einigen Wochen fest, daß es nicht ausreichend wirkt, muß man auf die "parenterale" Form umsteigen, d.h. auf eine Verabreichungsform "am Magen vorbei" (parenteral von para = griech. an, vorbei; enter = lat. Magen, Darm). Parenterale Verabreichungsformen sind die intravenöse Gabe (i.v., Spritze in die Vene), die intramuskuläre Gabe (i.m., Spritze in den Gesäßmuskel) oder die subcutane Gabe (s.c., Spritze unter die Haut). Bei allen drei Formen stellt sich die Frage der unterschiedlichen Medikamentenaufnahme durch den Magen-Darm-Trakt nicht, d.h. man ist sicher, daß soviel Methotrexat im Körper ankommt, wieviel auch ankommen soll. Generell gilt die grobe Regel, daß Mtx bei parenteraler Gabe etwa ein Drittel stärker wirkt als bei der Tablettengabe. Ein weiterer Vorteil der parenteralen Gabe liegt darin, daß es von vielen Patienten besser vertragen wird als die Tabletten.

Die übliche Form der parenteralen Gabe von Mtx ist die intravenöse Gabe. Der Nachteil dieser Verabreichungsform ist die erhebliche Abhängigkeit des Patienten vom Arzt, da man dazu in der Regel einmal pro Woche in die Praxis muß. Deshalb wären andere Verabreichungsformen, bei denen der Patient nicht auf den wöchentlichen Arztbesuch angewiesen ist, angenehmer, abgesehen davon, daß bei Patienten mit schlechten Venen die intravenöse Gabe nicht nur für den Patienten, sondern auch für den Arzt eine Qual ist. Am attraktivsten ist bei den Alternativen die subcutane Gabe, da sich der Patient dabei das Methotrexat selber unter die Haut spritzen kann (ähnlich wie sich ein Zuckerkranker auch selber die Insulinspritzen gibt).

Unseres Wissens gibt es keine Studie, die die intravenöse Gabe von Mtx mit der subkutanen Gabe oder der intramuskulären Gabe vergleicht. Wir selber führen in letzter Zeit wegen des oben genannten Vorteils immer häufiger die s.c.-Gabe durch. Unsere Erfahrungen damit sind sehr gut und die Patienten sind sehr zufrieden. Die Patienten lernen bei uns in der Praxis die Selbstinjektion und spritzen sich dann das Methotrexat einmal in der Woche selber. Natürlich bleiben die regelmäßigen notwendigen Kontrolluntersuchungen im Rahmen des Therapiemonitorings und Sicherheitsprogramms für Mtx.

Sowohl aus theoretischen Überlegungen als auf Grund der eigenen praktischen Erfahrung dürfte die subcutane Gabe von Methotrexat in der Wirksamkeit ähnlich gut sein wie die intravenöse Gabe. Die Verträglichkeit ist ebenfalls vergleichbar gut.

 

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