Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Frank:

Ich will die Diagnose cP einfach nicht glauben, es fing an mit einem

Carpaltunnelsyndrom, wobei mein Rheumatologe sagt, der Auslöser wäre eine Verdickung der Kapsel am Handgelenk durch cP. Ich nehme nun seit 2 Monaten Resochin und habe Spritzen ins Handgelenk bekommen. Das Carpaltunnelsyndrom wird mittlerweile immer weniger, nun habe ich zusätzlich schon länger Probleme im Vorfußbereich, insbesondere wenn ich Treppen barfuß hinuntergehe, eine Art Druckschmerz, der bis in die Waden zieht (ein wenig so, als wenn man schlechte Durchblutung hätte). Meine Blutwerte geben keine Hinweise und von den 7 Diagnosepunkten finde ich maximal 2 zutreffend.

 

Meine Fragen:

 

1. Ist die Diagnose chronische Polyarthritis / rheumatoide Arthritis richtig ?

2. Wenn ja, sollte ich meinem Doc vorschlagen, mit TNF-Blockern zu behandelm ?

3. Wie gut ist Resochin gegen cP?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 13.12.2003:

Aus der Ferne können, wollen und dürfen wir keine individuellen Hinweise oder Empfehlungen zur Diagnose oder Therapie geben.

 

Grundsätzlich kann man sagen, daß heute der sehr frühe Einsatz von TNF-alpha-Blockern bei der chronischen Polyarthritis diskutiert wird.

 

Die Ergebnisse der US-amerikanischen ERA-Studie (Etanercept in early rheumatoid arthritis) zeigen eine Überlegenheit von Etanercept gegenüber Methotrexat bei der frühen RA. Allerdings stehen dem frühen Einsatz von Etanercept Kostenargumente entgegen, so daß TNF-alpha-Blocker standardmäßig gegenwärtig erst dann zu Einsatz kommen, wenn mindestens ein konventionelles langwirksames Antirheumatikum unzureichend gewirkt hat (so die internationalen Empfehlungen) bzw. wenn zwei konventionelle DMARDs nicht zum Erfolg geführt haben (dies sind die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, die allerdings nicht von allen Rheumatologen mitgetragen werden, da sie mehr von Kostengesichtspunkten als von medizinischen Gesichtspunkten geleitet sind).

 

Standardmäßig sollte vor dem Einsatz von TNF-alpha-Blockern eine ausreichend lange und ausreichend hoch dosierte Therapie mit Methotrexat erfolgt sein, so daß bei gesicherter Diagnose einer chronischen Polyarthritis dieses Medikament zur Anwendung kommen sollte, wenn die Erkrankung hochaktiv ist und keine Gründe dagegen sprechen.

 

Resochin ist ein langwirksames Antirheumatikum, daß bei einer Reihe von Patienten gerade bei früher rheumatoider Arthritis sehr gut wirksam ist. Allerdings gibt es keine Studien, die zeigen, daß Resochin ein Fortschreiten der entzündlichen Veränderungen am Knochen hemmt (die sogenannte Röntgenprogression). Wenn es bislang nicht zu sogenannten erosiven Veränderungen im Röntgenbild gekommen ist und die Erkrankung nicht hochaktiv ist, ist aus meiner Sicht je nach Lage der Dinge und individuellem Befund bei einer beginnenden chronischen Polyarthritis eine Therapie mit Resochin gerechtfertigt und wird von mir auch bei einem Teil der Patienten durchgeführt. Allerdings ist es notwendig, die Therapie zu intensivieren, wenn es nach 3 Monaten unter einer Therapie mit Resochin nicht zu einem ausreichenden Ansprechen gekommen ist. Hier kann die standardisierte Messung der Krankheitsaktivität mit dem Krankheitsaktivitäts-Score DAS (disease activity score) eine Hilfestellung bieten (siehe dazu auch das OMORA-Programm in rheuma-online, www.rheuma-online.de).

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.