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Fragen und Antworten

Eine Frage von Christiane:

Bei mir wurde eine chronische Polyarthritis diagnostiziert. Im Blut war aber kein Rheumafaktor nachweisbar. Habe ich überhaupt eine chronische Polyarthritis?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.06.2001:

Bei etwa 50% der Patienten mit chronischer Polyarthritis ist im Blut kein Rheumafaktor nachweisbar. Die Erkrankung heißt dann "seronegative" (im Blut = Serum kein Rheumafaktor nachweisbar) chronische Polyarthritis im Unterschied zur "seropositiven" chronischen Polyarthritis, bei der im Blut der Rheumafaktor nachweisbar ist. Wahrscheinlich handelt es sich bei der seronegativen und der seropositiven chronischen Polyarthritis nicht um dasselbe Krankheitsbild. Dies ist heute jedoch noch nicht ausreichend geklärt. Viele Patienten mit einer seronegativen chronischen Polyarthritis haben leichtere Krankheitsverläufe als Patienten mit einer seropositiven chronischen Polyarthritis. Dabei bestehen Unterschiede im Verlauf vor allem zu Patienten mit einer seropositiven chronischen Polyarthritis, bei denen im Blut sehr hohe Rheumafaktorwerte gemessen werden (z.B. 1000 ..und höher). Andererseits gibt es auch bei der seronegativen chronischen Polyarthritis sehr ungünstige Entwicklungen, so daß auch hier frühzeitig konsequent behandelt werden sollte.

Da der Rheumafaktor nur eine einzige rheumatische Erkrankung genauer definiert, nämlich die seropositive chronische Polyarthritis, und da er zugleich auch bei ganz anderen, nicht-rheumatischen Erkrankungen auftreten kann (sogenannte "falsch-positive Rheumafaktor-Befunde), ist seine Bezeichnung ziemlich unsinnig. Die Bezeichnung stammt allerdings aus früheren Zeiten, als man die rheumatischen Erkrankungen noch nicht gut diagnostizieren und klassifizieren konnte. Für die Diagnose einer rheumatischen Erkrankung ist der Rheumafaktor keinesfalls geeignet, er dient lediglich zur genaueren Unterscheidung der zwei Unterformen der chronischen Polyarthritis.

 

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