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Fragen und Antworten

Eine Frage von Theodor S.:

Meine Mutter (75 Jahre alt) wird seit ca. 10 Jahren mit konventionellen Mitteln gegen entzündliches Rheuma behandelt. Trotz großer Bemühungen des behandelnden Hausarztes schränkt die Krankheit ihre Mobilität - sehr schmerzhaft - immer weiter ein. Ein Krankheitsbild, welches Ihnen sicherlich aus vielen Fällen bekannt ist. In der Stiftung Warentest las ich nun über die "Neue Epoche" der TNF-Blocker und habe deshalb die einfache Frage, an wen ich mich wenden kann, um vielleicht auch meine Mutter mit neuen Mitteln behandeln zu lassen ?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 5.12.2002:

Für den Einsatz der neuen TNF-alpha-Blocker gibt es einige Voraussetzungen, die beachtet werden müssen. Dazu gehört bei Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zunächst die Diagnose einer chronischen Polyarthritis / rheumatoiden Arthritis oder, bei Kindern, einer juvenilen idiopathischen Arthritis, da die TNF-alpha-Blocker in Deutschland für andere Indikationen wie M. Bechterew oder Psoriasis noch nicht offiziell zugelassen sind. Bei den zuletzt genannten Krankheitsbildern ist in mehreren klinischen Studien bereits der Wirksamkeitsnachweis überzeugend erbracht. In den USA ist Etanercept (Enbrel) auch schon für die Therapie der Psoriasisarthritis zugelassen. Für Infliximab (Remicade) läuft gegenwärtig das Zulassungsverfahren für den M. Bechterew auch bei der EMEA, d.h. der europäischen Zulassungsbehörde. Insofern ist der Einsatz von beiden Substanzen in begründeten Fällen auch bei diesen Erkrankungen möglich, muß aber entsprechend besonders begründet sein.

 

Außerdem sollten TNF-alpha-Blocker nur bei Patienten eingesetzt werden, bei denen die Therapie mit anderen krankheitsmodifizierenden Substanzen nicht ausreichend wirksam war. Dabei sollte in der Regel vor dem Einsatz von TNF-Blockern Methotrexat in ausreichend hoher Dosis (mindestens 15 mg pro Woche) und über einen ausreichend langen Zeitraum (mindestens 3 Monate) gegeben worden sein.

 

Die Entscheidung für den Einsatz von TNF-alpha-Blockern (die „Indikationsstellung“) sollte von Ärzten getroffen werden, die über eine ausreichende Erfahrung in der Anwendung solcher Substanzen verfügen. Dies sind in der Regel internistische Rheumatologen.

 

In der Summe bedeutet dies, dass sich Ihre Mutter bei einem internistischen Rheumatologen vorstellen sollte, falls sie sich nicht bereits bei einem solchen in Behandlung befindet. Im Falle einer laufenden rheumatologischen Mitbehandlung sollte ihr Rheumatologe daraufhin angesprochen werden, ob die neuen Behandlungsmöglichkeiten bei Ihrer Mutter als therapeutische Option in Frage kommen.

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