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Fragen und Antworten

Eine Frage von U. N.:

Nachdem ich nun wegen meiner chronischen Polyarthritis seit gut zwei Jahren mit Enbrel behandelt werde und auch damit sehr zufrieden bin (erhöhte Beweglichkeit, weniger Schmerzen, mehr Kraft, weniger Entzündungen), komme in nun langsam an den Punkt, wo mir die ständig wiederkehrenden Infekte in den Atemwegen sehr zu schaffen machen.

In einem Rhythmus von ca. 2 Wochen bin ich so erkältet und geschwächt, daß ich nicht mehr arbeiten gehen kann, ich "erhole" mich dann in 7 - 10 Tagen, arbeite 7-10 Tage und bin dann wieder krank. Dieser Rhythmus begleitet mich nun seit den letzten fünf Monaten, und mein Rheumatologe weiß nun auch keinen Rat - bei Enbrel "ist das halt so!".

 

Ich bin müde, abgespannt und natürlich möchte ich diesen Teufelskreis durchbrechen, aber dabei nicht die gute Wirkungen vom Enbrel missen.

 

Nun hat mir meine Hausärztin eine Eigenbluttherapie angeboten, die das Immunsystem stimulieren soll. Sie hat sehr gute Erfahrungen damit gemacht, besonders bei Patienten, die chronische Schmerzen bzw. Atemwegsinfekte haben.

 

Meine Frage: Was gibt es für Erfahrungen im Zusammenspiel von Enbrel, Polyarthritis und Eigenbluttherapie?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 24.04.2003:

Mir selber sind systematische Untersuchungen zur Eigenbluttherapie bei Patienten mit chronischer Polyarthritis / rheumatoider Arthritis nicht bekannt. Selber rate ich meinen Patienten davon ab, da unter einer theoretischen Perspektive anzunehmen ist, dass jede Form einer unspezifischen Immunstimulation (wenn man unterstellt, dass eine Eigenblutbehandlung so wirkt) auch zu einer Aktivierung der rheumatoiden Arthritis führen kann.

 

Speziell zur Frage der Eigenblutbehandlung im Zusammenhang mit einer Enbrel-Therapie gibt es keine Daten oder publizierten Erfahrungen. Sie könnten dazu aber Ihre Frage auch ruhig einmal im TIZ-Forum posten; vielleicht gibt es User, die hier weiterhelfen können.

 

Hinsichtlich des Grundproblems: Es ist nicht selbstverständlich und bei jedem Enbrel-Patienten so, dass diese Therapie zwangsläufig zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führt.

 

In Ihrem speziellen Fall stellt sich aber – vor dem Hintergrund der guten Wirksamkeit – die Frage, ob Sie u.U. mit etwas weniger Enbrel auskommen und ob sich das nicht bereits positiv auf Ihre Infektanfälligkeit auswirkt. Dazu könnte man ausprobieren, ob Sie Enbrel vielleicht nicht mehr zweimal in der Woche spritzen, sondern die Injektionsintervalle vorsichtig verlängern, z.B. zunächst alle 4 Tage, dann u.U. alle 5 Tage, u.U. sogar nur alle 6 oder alle 7 Tage. Dies sollten Sie keinesfalls alleine entscheiden, sondern mit Ihrem behandelnden Rheumatologen besprechen, da nur vor Ort und in genauer Kenntnis aller Befunde entschieden werden kann, ob dieser Weg bei Ihnen überhaupt gangbar ist.

 

Eine andere Frage ist, ob man u.U. auch oder alternativ ganz vorsichtig die derzeitige (allerdings mit 2 mg pro Tag ohnehin schon sehr niedrige) Cortison reduzieren könnte, denn das Cortison trägt ein Stück auch zu der erhöhten Infektanfälligkeit bei.

 

Ansonsten: Die alten Hausmittel wie sehr hochdosiertes Vitamin C sind gar nicht so schlecht. Wäre mir persönlich als flankierende Maßnahme sympathischer und unproblematischer als die Eigenblutinjektionen.

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