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Fragen und Antworten

Eine Frage von Monka B.:

Ich habe bis vor kurzem Arava mit 7,5 mg MTX genommen, diese

wurden jetzt abgesetzt, da eine Therapie mit Enbrel beginnen soll. Mein Problem ist, daß ich im Jahr 2000 eine Tuberkulose hatte und Enbrel mit INH-Gabe zur Vorbeugung gegeben werden soll. Gibt dafür schon Erfahrungswerte? Leider ist meine Entzündungsaktivität so hoch, daß meine Ärzte keine andere Möglichkeit sehen.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 4.08.2003:

Im Vergleich zu dem anderen in Deutschland zugelassenen TNF-alpha-Blocker Infliximab (Remicade) ist bei Etanercept (Enbrel) das Tuberkulose-Risiko sehr niedrig.

 

In einer Analyse der Post-Marketing-Daten aus mehr als 117.000 mit Enbrel behandelten Patienten traten schwere Infektionen mit einer Häufigkeit von 4.1 pro 100 Patientenjahren auf. Dies ist innerhalb der Rate, die aus der Literatur für die Zeit vor Einführung der TNF-Blocker in die Therapie der rheumatoiden Arthritis bekannt ist (3.0 bis 9.5 auf 100 Patientenjahre, Culy und Keating 2002). Eine Tuberkulose wurde bei dieser Zahl von mehr als 117.000 Enbrelpatienten bei 13 Personen beobachtet.

 

Wenn in der Vorgeschichte, speziell aus noch nicht lange zurückliegender Zeit, eine Tuberkulose-Infektion bekannt ist, ist auch bei einer Enbrel-Therapie erhöhte Vorsicht geboten. Wenn es wegen der hohen Krankheitsaktivität der Arthritis / Spondarthritis keine Behandlungsalternative gibt, ist eine sogenannte Prophylaxe (Vorbeugungsmaßnahme) mit INH eine angemessene Sicherheitsmaßnahme.

 

Eine solche Therapie wird auch bei anderen Medikamenten, die in der Rheumatologie und klinischen Immunologie eingesetzt werden, durchgeführt (insbesondere bei einer vorausgegangenen Tuberkulose und Therapie mit hochdosiertem Cortison und / oder Immunsuppressiva wie Azathioprin = z.B. Imurek oder Cyclophosphamid = z.B. Endoxan). Insofern gibt es für diese Vorgehensweise in der Rheumatologie allgemein umfangreiche Erfahrungswerte schon über einen langen Zeitraum.

 

Im Fall von Enbrel liegen zur Tuberkuloseprophylaxe mit INH geringere Erfahrungen vor. Schwerwiegende Unverträglichkeitsreaktionen zwischen beiden Medikamenten sind aber nicht zu erwarten. Unter der INH-Prophylaxe ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es nicht zu einer Reaktivierung der Tuberkulose kommt. Allerdings sind gerade bei Therapiebeginn regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen notwendig. Außerdem sollte der behandelnde Rheumatologe über alle unklaren Symptome informiert werden, insbesondere natürlich über Fieber, unklare Allgemeinsymptome wie allgemeine Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Nachtschweißigkeit o.ä..

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