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Fragen und Antworten

Eine Frage von Eva-Maria W.:

Darf ich anfragen, ob Sie bei Auftreten eines Carcinoma lobulare in situ nach lokal operativer Entfernung desselben im Gesunden mit der seit > 1 Jahr erfolgreich laufenden Behandlung mit Enbrel bei RA fortfahren würden? Es handelt sich um ein Mamma-Carcinom (in situ, zusaetzlich atypische duktale Hyperplasie).

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 14.12.2002:

Wir haben Ihre Anfrage auch an die Experten aus unserem Beirat weitergeleitet. Zusammenfassend sind wir übereinstimmend der Meinung, dass bei Ihnen - mit einem überschaubaren, d.h. sehr niedrigen oder wahrscheinlich sogar eher noch gar keinem erhöhten Risiko - die gut wirksame Therapie mit Enbrel fortgeführt werden kann.

 

Alle bisherigen Daten aus den vorliegenden klinischen Studien und der laufenden Langzeitdokumentation zur Therapiesicherheit von Enbrel, auch im Hinblick auf das Auftreten von Tumoren, deuten darauf hin, dass eine Therapie mit Enbrel nicht mit einem erhöhten Tumorrisiko verbunden ist.

 

Es bestehen und bestanden zwar, vor allem in der Vergangenheit, theoretische Bedenken, dass eine Therapie mit TNF-alpha-Blockern bei Patienten mit Tumoren ein mögliches Risiko für eine Verschlimmerung der Tumorerkrankung bzw. nach der Behandlung eines Tumors möglicherweise ein Risiko für ein Rezidiv, d.h. ein Wiederauftreten des Tumors, beinhalten könnte. Diese theoretischen Bedenken haben sich bislang in den Studien und bei der Langzeitbeobachtung glücklicherweise allerdings nicht bestätigt.

 

Eine ganz aktuell auf dem amerikanischen Rheumatologenkongress in New Orleans vorgestellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Carcinomrate bei einer Therapie mit Etanercept (Enbrel) nicht erhöht ist (ACR 2002, Abstr. 1424, ca. 5.500 Patientenjahre, Carcinomrate 49 in der Etanerceptgruppe gegenüber 47,5 statistisch zu erwartenden Ereignissen; amerikanische Bundesstatistik).

 

In Ihrem Fall liegt die Situation ohnehin noch etwas günstiger, als es sich bei dem von Ihnen dargestellten Befund nur um eine sogenannte Präkanzerose handelt, also eine Vorstufe zu einer bösartigen Krebserkrankung, nicht jedoch um eine Krebserkrankung selbst.

 

Unser Beiratsmitglied Dr. Hübner hat uns freundlicherweise einen Passus aus einer östereichischen Pathologenseite übermittelt, den ich hier zitieren möchte:

 

„Das Carcinoma lobulare in situ (CLIS) ist lediglich eine Präkanzerose. Es sind daher bei einem Carcinoma lobulare in situ lediglich genaue klinische Kontrolluntersuchungen angezeigt. Beim Carcinoma lobulare in situ ist das Risiko, ein invasives Karzinom zu entwickeln, 10 bis 11 mal größer als in einer altersentsprechenden Vergleichspopulation. Das Karzinomrisiko besteht hier gleich häufig für die ipsilaterale und kontralaterale Brustdrüse. Das Intervall bis zur Entwicklung eines invasiven Karzinoms ist sehr unterschiedlich und kann sich von wenigen Jahren bis zu mehr als 20 Jahren erstrecken.“

 

Allgemein muß natürlich in einer wie von Ihnen beschriebenen Situtation unbedingt sichergestellt sein, dass eine Therapie mit TNF-alpha-Blockern auf jeden Fall notwendig ist und dass keine Alternativen zur Verfügung stehen. Ausserdem ist es klar, dass die Therapie ausreichend wirksam sein muss. Beide Voraussetzungen liegen nach Ihrer Schilderung in Ihrem speziellen Fall vor.

 

Grundsätzlich erfordert eine wie von Ihnen dargestellte Sachlage eine enge Kooperation zwischen den bei der Therapie beteiligten Spezialisten, d.h. beispielsweise den behandelnden Onkologen/Gynäkologen und internistischen Rheumatologen.

 

Es versteht sich von selbst, dass die ohnehin notwendigen regelmäßigen Kontrollen der Brust, z.B. Mammographien, strikt eingehalten werden. Die Intervalle sollten dabei von den Onkologen / Gynäkologen festgelegt werden.

 

Experte: Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer unter Mitwirkung der Beiratsmitglieder Prof. Dr. med. J. Kekow, Klinik Vogelsang / Universität Magdeburg und Dr. med. Hübner, Rheumaklinik Ratingen

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