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Fragen und Antworten

Eine Frage von Doreen, 24 Jahre:

Ich nehme seit etwas mehr als einem Jahr Enbrel; anfangs erst zweimal pro Woche, seit etwas mehr als einem halben Jahr nur noch einmal pro Woche. Ich vertrage Enbrel sehr gut, mein Befinden ist sehr gut, ich habe keine Probleme, keine Schmerzen oder Einschränkungen im Alltag. Ich habe aber Angst vor Nebenwirkungen bei langer Einnahme. Ich bin aber erst 24 Jahre alt und möchte auch mal Kinder haben.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.06.2001:

Das Absetzen einer gut wirksamen langwirksamen antirheumatischen und remissionsinduzierenden Therapie ist eines der schwierigsten Aufgaben in der Rheumatologie. Vielleicht hilft der von mir gerne gewählte Vergleich zwischen der Entzündung bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung und einem Feuer zum Verständnis des Problems. Hat man nämlich beim Löschen eines Brandes das Feuer nicht komplett gelöscht und gibt es irgendwo noch ein kleines Brandnest oder einen kleinen Schwelbrand, den man vielleicht auf den ersten Blick gar nicht mehr sieht, kann von dort aus natürlich sofort wieder ein neuer Brand losgehen. Dies gilt in ähnlicher Weise für die Kontrolle der Entzündung bei der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen. Für uns gilt deshalb die Regel, daß wir eine langwirksame antirheumatische Behandlung erst dann beenden, wenn wir uns so sicher wie möglich sind, daß die Entzündung vollständig kontrolliert ist. Eine solche komplette Remission ist durch folgende Elemente gekennzeichnet:

  1. Das Fehlen von Symptomen, insbesondere von Schwellungen, Gelenkschmerzen oder Morgensteifigkeit
  2. Normale Entzündungswerte im Blut, vor allem Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG, BKS) und c-reaktives Protein (CRP).

Eine solche komplette Remission sollte sicherheitshalber für einen längeren Zeitraum bestehen, bevor man sich zum Absetzen einer langwirksamen antirheumatischen Therapie entschließt. Über die Länge dieses Zeitraums kann man diskutieren. Es hängt auch von den im Einzelfall verwendeten Medikamenten ab. Relativ sicher ist man, wenn die komplette Remission ein ganzes Jahr besteht. Wir selber setzen dann im Regelfall die langwirksame Therapie nicht sofort ganz ab, sondern reduzieren z.B. bei einer Methotrexat-Therapie zunächst die Dosis oder verlängern bei einer Goldtherapie die Zeit zwischen den einzelnen Spritzen. Wenn es darunter nicht wieder zu einem Aufflackern der Entzündung kommt, kann man das Absetzen der Therapie versuchen. Wichtig ist, daß man sofort wieder beginnt, wenn sich dann wieder Symptome bemerkbar machen, damit man das Erreichte nicht aufs Spiel setzt.

Zur Sicherheit der gängigsten langwirksamen antirheumatischen Therapien liegen inzwischen gute Daten vor. Für Methotrexat weiß man beispielsweise, daß im Regelfall auch eine Therapie über einige Jahre nicht zu Schäden führt. Die neuen TNF-alpha-Hemmer sind noch nicht solange in der Anwendung, so daß zu ihrer Langzeitsicherheit derzeit noch nicht so gute Daten vorhanden sind. Bislang gibt es aber auch bei diesen Substanzen keinen Anhalt für Folgeschäden auch nach einer längerdauernden Behandlung.

 

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