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Fragen und Antworten

Eine Frage von Christina B.:

Ich bekomme seit 6 Monaten Remicade. Nun wollte ich mich gegen Hepatitis impfen lassen, da ich im Januar eine Reise nach Kenya geplant hatte. Ich nahm meinen letzten Infusionstermin zum Anlaß, mich über etwaige Komplikationen aufklären zu lassen. Man teilte mir mit, daß unter einer Remicade-Therapie keine Schutzimpfungen vorgenommen werden dürfen, da dies zu erheblichen Reaktionen führen kann. Zudem wäre mir von einer Reise nach Kenya dringend abzuraten, da ich ebenfalls keine Malariaprophylaxe erhalten dürfe. Da ich aus familiären Gründen mind. 2x im Jahr in Kenya war und zukünftig auch wieder dorthin reisen möchte, kam und kommt für mich eine

Malariaprophylaxe sowieso nicht in Frage. Nun meine Fragen:

 

1. Ist für mich eine Infektion mit Malariaparasiten durch die Behandlung mit Remicade mit einem höheren Risiko verbunden?

 

2. Ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich mit TBC, Hepatitis, Typhus oder ähnlichem während der Remicadetherapie infiziere höher?

 

3. Wie wirkt sich eine Infektion mit TBC, Hepatitis, Typhus, oder ähnlichem bei mir aus?

 

4. Wie können derartige Krankheiten während einer Remicadetherapie behandelt werden?

 

5. Nach wieviel Wochen ist für mich, nach Absetzen von Remicade, die Einreise nach Kenya wieder möglich?

 

6. Gibt es weitere Länder in die ich nicht reisen sollte?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 31.12.2003:

- Ist für mich eine Infektion mit Malariaparasiten durch die Behandlung mit Remicade mit einem höheren Risiko verbunden?

 

Die Malaria wird durch Mückenstiche übertragen. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß eine Remicade-Therapie mit einem erhöhten Risiko einhergeht, von Mücken gestochen zu werden. Insofern ist das Risiko, eine Malaria zu bekommen, unter Remicade genauso hoch wie ohne eine solche Therapie. Im Fall einer Malaria-Infektion ist der Krankheitsverlauf unter einer immunsuppressiven Therapie, d.h. einer Therapie, die die Immunabwehr beeinträchtigt, u.U. schwerer. Dies gilt wahrscheinlich auch für eine Malaria-Infektion.

 

- Ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich mit TBC, Hepatitis, Typhus oder ähnlichem während der Remicadetherapie infiziere höher?

 

Unter Remicade ist das Infektionsrisiko im allgemeinen und für Tuberkulose im speziellen erhöht. Dabei ist das Risiko, sich eine Hepatitis oder Typhus zuzuziehen, durch geeignete hygienische Vorsichtsmaßnahmen, z.B. bei der Nahrungsaufnahme etc. stark beeinflussbar = reduzierbar. Dies gilt in eingeschränkter Weise auch für die Tuberkulose, die heute aber in der Regel von Mensch zu Mensch übertragen wird und nicht mehr wie früher hauptsächlich durch die Milch von Kühen, die mit Tuberkulose infiziert waren und die nicht pasteurisiert wurde.

 

- Wie wirkt sich eine Infektion mit TBC, Hepatitis, Typhus, oder ähnlichem bei mir aus?

 

Speziell eine Tuberkulose-Infektion kann unter einer Therapie mit Remicade fatal verlaufen, d.h. im ungünstigsten Fall sogar tödlich, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und gezielt behandelt wird. Auch im Fall der anderen Infektionen ist das Risiko erhöht, daß die Erkrankung schwerer verläuft als bei Gesunden oder bei Patienten, die nicht mit einer immunsuppressiven Therapie behandelt werden.

 

- Wie können derartige Krankheiten während einer Remicadetherapie behandelt werden?

 

Diese Erkrankungen werden unter einer Therapie mit Remicade genauso behandelt wie sonst auch.

 

- Nach wieviel Wochen ist für mich, nach Absetzen von Remicade, die Einreise nach Kenya wieder möglich?

 

Es gibt keine feste Regel, wie lange die immunsuppressive Wirkung von Remicade anhält, da sich dies von Patient zu Patient und in Abhängigkeit von der sonstigen Situation (Begleiterkrankungen, andere Medikamente) stark unterscheidet. Als grobe Orientierung kann man davon ausgehen, da die Immunabwehr, gerechnet vom Zeitpunkt der letzten Infusion, für etwa 8-12 Wochen, u.U. sogar für 3-6 Monate beeinträchtigt ist.

 

- Gibt es weitere Länder in die ich nicht reisen sollte?

 

Grundsätzlich sollte man unter einer Therapie mit Remicade zurückhaltend mit Reisen in Länder mit schlechten Hygienestandards und einem unterentwickelten Gesundheitssystem sein.

 

Eine Schlussbemerkung:

 

Impfungen sind unter einer Therapie mit Remicade möglich und sogar empfehlenswert. Wir haben zu dieser Frage auf der TIZ-Homepage schon mehrfach Stellung genommen.

 

Erlaubt sind dabei alle Impfungen mit sogenannten Totimpfstoffen. Verboten oder nur in sehr speziellen Einzelfällen und nach genauer Abwägung von Nutzen und Risiken sind Impfungen mit Lebendimpfstoffen.

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