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Fragen und Antworten

Eine Frage von Olaf B.:

Ich habe seit 20 Jahren chronische Polyarthritis mit allen Tiefen und Höhen durchlaufen. Seit 2 Jahren bekomme ich Enbrel in Kombination mit Arava, der Erfolg ist überwältigend. Schon unter Arava ging es mir sehr gut, die Wirkung hat aber nach ½ Jahr nachgelassen. Seit dieser Zeit betreibe ich sehr viel Sport. Seit 3 Jahren jogge ich, mittlerweile täglich 1 - 1 ½ Stunden. Zusätzlich betreibe ich ein Muskelaufbautraining. Nun habe ich trotz dieser sportlichen Tätigkeiten seit der Behandlung mit Enbrel 5 kg zugenommen (nicht nur Muskeln sondern auch Fett). Zusätzlich habe ich seitdem eine ganz trockene, schuppige Haut (im Sommer bekomme ich Pigmentstörungen) und Rheumaknoten an Fingern, Füßen und Ellenbogen. Mein ganzer Körper ist ständig kalt, ich friere erheblich und gleichzeitig kann ich zuviel Wärme nicht vertragen. Oft bin ich antriebsarm und kurze Zeit später ganz hibbelig.

 

Mein Rheumatologe sagte mir, dass es unter Enbrel häufiger zu diesen Nebenwirkungen kommt. Ich habe mich daraufhin mit der Firma in Verbindung gesetzt, die mir mitteilte, dass diese Nebenwirkungen nicht bekannt seien. Welche Erfahrungen haben sie bezüglich meiner Fragen?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 6.04.2003:

Es ist sehr erfreulich, dass es bei Ihnen unter der Kombination von Enbrel mit Arava zu diesem überwältigenden Erfolg gekommen ist. Zu den von Ihnen beschriebenen Symptomen:

 

Bei hochaktiven entzündlich-rheumatischen und immunologischen Systemerkrankungen sehen wir bei vielen Patienten im Rahmen der Krankheitsaktivität zum Teil sehr erhebliche Gewichtsverluste. Diese Gewichtsabnahme wird wesentlich durch TNF-alpha hervorgerufen, das bekanntlich bei hoher Krankheitsaktivität stark erhöht ist. Wenn die Krankheitsaktivität gut kontrolliert ist, kommt es bei vielen Patienten zu einer Gewichtszunahme. Wenn durch die TNF-alpha-Blockade durch Enbrel die Effekte von TNF-alpha wirksam gehemmt werden und es zu einer suffizienten Hemmung der Krankheitsaktivität kommt, ist eine Gewichtszunahme nicht ungewöhnlich. Eigentlich ist dies ein gutes Zeichen, da es ein Hinweis auf eine wirksame Therapie ist. Dass diese Gewichtszunahme im Einzelfall unerwünscht sein kann, ist eine andere Frage.

 

Hautveränderungen, wie Sie von Ihnen beschrieben werden, habe ich von meinen Enbrel-Patienten noch nicht berichtet bekommen und selber auch noch nicht bemerkt. Bei uns im TNF-alpha-Informationszentrum waren solche Hautveränderungen bislang auch noch kein Thema. Aus den klinischen Studien zu Enbrel sind mir diese Symptome auch nicht bekannt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Enbrel nicht im Einzelfall solche Symptome auslösen kann.

 

Zu der Rheumaknotenbildung: Bislang habe ich selber eine solche Beobachtung bei einer Patientin mit einer schweren chronischen Polyarthritis gemacht. Bei ihr kam es unter einer Therapie mit Enbrel zum Auftreten von Rheumaknoten. Aus der Literatur kenne ich zwei weitere, vergleichbare Beobachtungen. Die Frage ist bei Rheumaknoten natürlich immer, ob es sich bei ihnen um eine unerwünschte Nebenwirkung der Therapie handelt oder um eine Folge der Grunderkrankung. Von Methotrexat (Mtx) wissen wir, dass es unter dieser Therapie zu der paradoxen Situation kommen kann, dass die Krankheitsaktivität gut zurückgeht, gleichzeitig aber Rheumaknoten entstehen können. Ob dies bei Enbrel auch in Einzelfällen passieren kann, ist derzeit noch nicht sicher. Bei meiner Patientin habe ich Enbrel abgesetzt und auf eine Kombinationstherapie mit Methotrexat und Leflunomid (Arava) gewechselt. Darunter bildeten sich die Rheumaknoten erheblich zurück.

 

Zu den übrigen Symptomen: Bei einigen Patienten kann es unter Enbrel zu sogenannten zentralnervösen Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören u.a. auch Stimmungsschwankungen. Oft verschwinden diese, wenn man die Injektionsintervalle von Enbrel für eine gewisse Zeit verlängert, z.B. auf Zeiträume von 5 oder 6 oder auch 7 Tagen. Bei einer Patientin von mir verschwanden diese Symptome daraufhin sehr rasch, allerdings kam es im weiteren Verlauf wieder zu einer erhöhten Krankheitsaktivität. Die Patientin hat daraufhin die Abstände zwischen den Injektionen wieder verkürzt. Interessanterweise traten dabei die vorherigen zentralnervösen Nebenwirkungen nicht mehr auf. Sie hat heute mit der Standardtherapie von 2 Injektionen von Enbrel pro Woche eine gute Kontrolle der Krankheitsaktivität bei guter Verträglichkeit und fühlt sich wohl.

 

Bei allen diesen Symptomen muss natürlich im Auge behalten werden, dass auch ganz andere Ursachen dahinterstecken können. So sollten insbesondere auch hormonelle Veränderungen wie eine Schilddrüsenfunktionsstörung (Unterfunktion, Überfunktion) nicht übersehen werden, da z.B. Autoimmunthyreopathien, wie sie manchmal im Nebengleis zu einer rheumatoiden Arthritis auftreten können, auch einen Teil der beschriebenen Symptome hervorrufen können.

 

Nicht zuletzt liegen auch noch keine unfangreichen Erfahrungen mit einer Kombination von Enbrel mit Leflunomid (Arava) vor, so dass letztendlich auch noch die Möglichkeit besteht, dass die Symptome nicht von Enbrel, sondern durch die Kombination der beiden Substanzen hervorgerufen worden sein könnten.

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