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Fragen und Antworten

Eine Frage von Thomas:

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Epstein-Virus und Arthritis?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.09.2001:

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ruft bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen üblicherweise das Pfeiffer´sche Drüsenfieber hervor. Es kann sich aber auch anders äußern, so gibt es Verläufe, die nicht mit hochakuten Symptomen wie Lymphknotenschwellungen oder hohem Fieber einhergehen, sondern zu eher chronisch verlaufenden Krankheitsbildern führen, die oft über eine lange nicht einer EBV-Infektion zugeordnet werden. Ich persönlich vermute, dass eine Reihe von Patienten mit einer Fibromyalgie-artigen Symptomatik nicht das bei ihnen diagnostizierte Fibromyalgie-Syndrom haben, sondern in Wirklichkeit an einer chronischen EBV-Infektion leiden. Daneben kann eine chronische EBV-Infektion mit lange anhaltenden Erschöpfungszuständen einhergehen; beim sogenannten chronischen Erschöpfungssyndrom oder englisch chronic fatigue syndrome wird Epstein-Barr-Virus als eine der möglichen Ursachen angenommen.

In der Rheumatologie wurde das Epstein-Barr-Virus lange als ein möglicher Kandidat für die Ursache der chronischen Polyarthritis gehandelt. Es gibt auch gegenwärtig immer wieder wissenschaftliche Untersuchungen, die in diese Richtung gehen. Ein sicherer Beweis für einen Zusammenhang zwischen EBV und chronischer Polyarthritis steht aber auch heute mit Einsatz der neuesten Methoden aus. Mehr Evidenz gibt es für einen Zusammenhang zwischen einer chronischen EBV-Infektion und dem Sjögren-Syndrom (das ja auch mit einer Polyarthritis einhergehen kann). Ich selber kenne einige wenige Patienten mit einer chronischen Arthritis in der Folge einer EBV-Infektion. Zur Behandlung einer solchen EBV-ausgelösten Arthritis gibt es keine einheitlichen Empfehlungen, nicht zuletzt, da das Krankheitsbild als solches noch nicht genau definiert ist. Bei einer Patientin mit einer nahezu sicher EBV-induzierten, chronisch verlaufenden Oligoarthritis (= Arthritis weniger Gelenke, bei ihr waren es große Gelenke der unteren Körperpartie, vor allem Sprunggelenke, z.T. auch Kniegelenke) habe ich in Anlehnung an die Therapie einer chronischen Polyarthritis eine remissionsinduzierende Therapie mit Chloroquin (Resochin) eingeleitet und eine komplette Remission erzielen können. Leider habe ich sie jetzt viele Jahre nicht mehr wiedergesehen und weiß deshalb nicht, ob dieser Erfolg auch langfristig geblieben ist.

 

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