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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ramona K.:

Ich bin 39 Jahre alt. Schon seit einigen Tagen verschlinge ich diese Internetseite auf Antworten zu meinen Problemen, aber ohne Erfolg leider.

Es sind wundervolle Möglichkeiten, sich zu informieren, aber auch viel Leid der Betroffenen zu lesen, was mich ganz schön betroffen macht.

Da bin ich mit meinen Problem eigentlich gut dran: 1993 habe ich eine Gichtzehe bekommen, was im Röntgenbild zu sehen war, die Harnsäure war aber in Ordnung, man sagte mir damals, keine Gicht. Ich habe aber Piroxicam bekommen, was geholfen hat. Hatte bis dahin auch keine Schmerzen mehr gehabt.

Seit April 2002 habe ich Schmerzen in beiden Händen gehabt. Am rechten Mittelfinger ist mir am Gelenk etwas gewachsen, was ein vermeintlicher Rheumaknoten sein sollte (gott sei Dank nicht). Man vermutete vor der Op eine cP. Meine Laborbefunde waren immer in Ordnung alle!!!.

Ein Hautarzt machte aber trotzdem einen Test wegen einer möglichen Autoimmunerkrankung, war auch mäßig erhöht, und meinte, das ist noch nicht abgeschlossen, da kommt noch was.

Im Juli 02 bin ich dann die Treppe hochgefallen und habe mir das linke Knie verletzt, keine Brüche, nur blaue Flecke links vom Knie. Ist auch alles gut verheilt.

Im Feb.2003 bin ich an einer Virusgrippe erkrankt und hatte eine Woche später höllische Schmerzen im ganzen Körper, ganz plötzlich von den Zehen anfangend bis zum Kopf. Diagnose: reaktive Arthritis infolge Influenza.

Im Mai bekam ich wieder Schmerzen vor allem im Knie. Die Laboruntersuchungen waren wieder o.k., ich bekam Spritzen in Handgelenke und Sprunggelenke.

Seit 2 Wochen habe ich wieder höllische Schmerzen, aber speziell in den Gelenken. Das Labor ist wieder o.k., aber Schleimbeutelentzündung im linken Knie. Ich habe meine Rheumatologin gebeten, diesen Autoimmuntest zu wiederholen, war negativ, aber ANA positiv bei 10, eine Differenzierung sei noch in Arbeit.

Ich habe überall in den Gelenken Schmerzen, auch in der Hüfte, leicht geschwollene Sprungelenke, Schulter, Ellenbogen, Handgelenke leicht geschwollener Handrücken und an der linken Hand schmerzt besonders der Daumen. Ich habe auch das Gefühl, dass wieder was wächst, aber solange es noch klein ist, ist es für die Ärzte uninteressant (meine Erfahrung leider). Ich habe aber keine Morgensteifigkeit, sondern mittags und abends.

Ich hatte Diclac, dann ibuprofen 800 und jetzt Vioxx bekommen, was etwas hilft.

Gestern habe ich beim Arzt von dieser wunderbaren Internetseite erzählt, auch den Beitrag Rheuma ohne Rheuma im Blut genannt. Er meinte, seronegative Arthritis, das ist eine reaktive Arthritis. Ich bin nun völlig verzweifelt, denn ich habe Schmerzen, und mein Arzt weiss nicht warum. Ich bin doch kein Hypochonder. Können Sie mir weiterhelfen? Ich muss am 6. Oktober wieder zum Arzt. Ich stehe voll im Berufsleben. Kann ich an Rheuma erkrankt sein?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 25.05.2004:

Aus der Ferne dürfen und können und wollen wir keine Empfehlungen zu einer individuellen Diagnose oder Therapie geben. Allerdings kann man allgemein sagen, daß die Art Gichtanfall bei einer jungen Frau immer an eine sogenannte pseudoguttöse Attacke denken läßt, daß ist eine Gelenkentzündung (Arthritis), die fast so aussieht wie eine Gicht, aber keine Gicht ist. Bekanntlich bekommen Frauen praktisch nie eine Gicht, und wenn, dann erst im höheren Lebensalter.

Pseudoguttöse Attacken sind typisch für Erkrankungen aus der Gruppe der seronegativen Spondarthritiden. Eine reaktive Arthritis gehört auch in diese Gruppe.

Klassischerweise treten reaktive Arthritiden in der Folge von bakteriellen Infektionen auf. Bei einer Virusinfektion darf man im engeren Sinne nicht von einer infektreaktiven Arthritis reden, besser sollte man es eine infektgetriggerte oder infektassoziierte Arthritis nennen.

Denkbar ist auch, daß eine vorbestehende Arthritis durch den Virusinfekt verstärkt wurde bzw. ein Schub ausgelöst wurde.

Bei pseudoguttösen Attacken sollte man immer auch an die Möglichkeit einer Psoriasis-Arthritis denken (Gelenk- und Wirbelsäulenbeteiligung bei Schuppenflechte). Manchmal gibt es die Psoriasis-Arthritis auch ohne eine Psoriasis an der Haut.

Bei Psoriasis-Arthritis ist es bekannt, daß Schübe durch Infekte ausgelöst werden können.

Die Therapie richtet sich nach der Diagnose und den genauen Symptomen und Befunden im individuellen Einzelfall.

Weitere Informationen zur Gicht finden Sie unter Krankheitsbilder - Gicht.

 

 

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