Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Michaela-Andrea:

Seit ca. 11 Jahren leide ich an einer chronischen Polyarthritis. Eine 3-jährige Behandlung mit Tauredon hat ab 10. 2002 nicht mehr gewirkt, die neue Behandlung seit 02.2003 mit Cortison , Vioxx und Arava ist auch nicht sehr viel besser, nach wie vor habe ich große Schmerzen , Probleme mit dem Magen (Übelkeit , Durchfall , Kopfschmerzen ect.) . Bin schon recht verzweifelt , weil ein normales Leben kaum noch möglich ist. Welche Therapie könnte mir noch helfen ? Würden Enbrel oder Anakinra vielleicht

helfen ?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.06.2003:

Aus der Ferne können und dürfen wir verständlicherweise keine individuellen Therapieempfehlungen geben.

 

Allgemein kann man sagen, dass die neuen Substanzen aus der Klasse der biologischen Medikamente eine z.T. überwältigende Wirksamkeit auch bei solchen Patienten haben, bei denen die konventionellen langwirksamen Antirheumatika nicht ausreichend helfen.

 

Grundsätzlich besteht eine medizinische Indikation zum Einsatz der modernen Substanzen immer dann, wenn die konventionelle Therapie nicht oder nicht mehr ausreichend wirkt.

 

Wegen der hohen Kosten der biologischen Medikamente sind allerdings bei Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung einige Voraussetzungen zu erfüllen, damit diese Medikamente verordnet werden können.

 

Nach internationalen Empfehlungen, die im wesentlichen in Deutschland auch den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie entsprechen, können danach TNF-alpha-Blocker bei schweren, hochaktiven Verlaufsformen einer rheumatoiden Arthritis dann eingesetzt werden, wenn die Erkrankung durch die konventionelle Therapie mit den traditionellen langwirksamen Antirheumatika („Basistherapeutika“) innerhalb einer angemessenen Zeit nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Üblicherweise sollten dabei vor dem Einsatz von TNF-alpha-Blockern mindestens zwei der traditionellen langwirksamen Antirheumatika eingesetzt worden sein, darunter Methrotrexat über einen ausreichend langen Zeitraum (mindestens 3 Monate) und in einer ausreichend hohen Dosierung (mindestens 15 mg pro Woche). Außerdem sollte im Regelfall vor dem Einsatz von TNF-alpha-Blockern mindestens für einen Zeitraum von 6 Monaten eine Therapie mit den traditionellen langwirksamen Antirheumatika durchgeführt worden sein. Diese Voraussetzung gilt im Grundsatz, d.h. im begründeten Einzelfall ist ein Einsatz von TNF-alpha-Blockern auch schon früher möglich. So ist in den USA Enbrel bei schweren Formen einer rheumatoiden Arthritis auch als Ersttherapie ohne vorherige Behandlung mit traditionellen Basismedikamenten zugelassen.

 

In Ihrem speziellen Fall wurde Methotrexat bislang noch nicht eingesetzt. Wenn dies deshalb nicht passierte, weil Kontraindikationen vorlagen, d.h. Methotrexat aus medizinischen Gründen nicht gegeben werden konnte, sind formal alle Voraussetzungen für den Einsatz von biologischen Medikamenten erfüllt.

 

Da Anakinra (Kineret) vorzugsweise zusammen in der Kombination mit Methotrexat eingesetzt werden sollte (so ist die Zulassung in Europa), käme in diesem Fall aus der Gruppe der „Biologicals“ nur Enbrel in Frage, da auch Infliximab (Remicade) in Kombination mit Methotrexat gegeben werden muß.

 

Sollte Methotrexat bei Ihnen bislang noch nicht eingesetzt worden sein, ohne daß zwingende medzinische Gründe dagegen gesprochen hätten, sollte diese Substanz vor Gabe der Biologicals eingesetzt worden sein.

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.