Sie sind hier: rheuma-online » Archiv » Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

Eine Frage von Bettina S.:

Gibt es neben einer möglicherweise verbesserten Wirksamkeit einer Kombinationstherapie von Humira mit MTX weitere Gründe, diese beiden Medikamente zu kombinieren (wie z.B. bei Remicade)?

 

Bei mir wirkt Humira allein sehr gut, allerdings bin ich jetzt relativ infektanfällig. Anfangs habe ich Humira mit MTX kombiniert (allein hat das Medikament bei mir bei mehrfachen Versuchen nicht gewirkt); die Wirkung war dieselbe, allerdings hatte ich subjektiv den Eindruck, daß die Infektanfälligkeit noch höher war, weshalb ich zur Zeit kein MTX spritze.

 

Meine Ärztin empfiehlt, Humira trotzdem mit MTX zu kombinieren. Wie sind Ihre Erfahrungen, was empfehlen Sie in solchen Fällen?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 18.07.2005:

Schwierige Frage, die man nur in genauer Kenntnis aller Krankheits- und Behandlungsdaten und des bisherigen Verlaufs halbwegs vernünftig beantworten kann.

Grundsätzlich gilt, dass die Kombination von HUMIRA mit Methotrexat nicht nur zu einer verbesserten klinischen Wirksamkeit führt, d.h. zu einer besseren Kontrolle der Symptome und Befunde, sondern auch zu einer besseren Hemmung der Röntgenprogression, d.h. im günstigsten Fall zu einem kompletten Stop der im Röntgenbild sichtbaren Gelenkzerstörung.

Das Problem dabei ist, dass die Röntgenprogression zwar einerseits eng mit der Krankheitsaktivität korreliert, d.h. es ist mit einem Fortschreiten der Röntgenveränderungen immer dann zu rechnen, wenn die klinische Aktivität der Erkrankung nicht ausreichend kontrolliert ist, dass aber andererseits eine gute Kontrolle der klinischen Aktivität nicht in jedem Fall auch die komplette Kontrolle der Röntgenprogression bedeutet. Zumindest zeigen dies die klinischen Studien.

Es kann allerdings sein, dass in diesen Studien die Krankheitsaktivität mit den dort verwendeten Meßmethoden kontrolliert erschien, dies aber bei einer hochdifferenzierten individuellen Untersuchung dann doch nicht der Fall war (so bedeutet ein DAS28 von unter 2,6 zwar eine komplette Remssion und „alles im grünen Bereich“; bei einem DAS28 von 2,6 kann aber bei der klinischen Untersuchung noch das eine oder andere Gelenk geschwollen sein oder eine minimale Entzündung in einzelnen Gelenken vorliegen, die man für die Messung der klinischen Krankheitsaktivität nicht bewerten darf, die aber auf Dauer für die Frage der Röntgenprogression doch eine Rolle spielen können).

Wenn man deshalb ganz sicher gehen will, ist man mit der Kombination von HUMIRA mit MTX im Hinblick auf die Röntgenprogression besser aufgehoben als mit einer HUMIRA-Therapie alleine. Dazu gibt es in Kürze im TNF-Ticker auch einen Beitrag mit den  zugehörigen Studiendaten vom EULAR-Kongreß vom Juni 2005 in Wien.

Andererseits sagt meine persönliche Erfahrung aus der täglichen rheumatologischen Praxis, dass eine Arthritis im Röntgenbild nicht fortschreitet, wenn die Erkrankungsaktivität wirklich vollständig kontrolliert ist. Dies setzt aber voraus, dass diese Aussage auf der Grundlage einer sehr sorgfältigen und eingehenden Untersuchung getroffen wurde und wird.

In einem solchen Fall besteht in der Tat die Option, über Vor- und Nachteile der Kombinationstherapie nachzudenken, insbesondere auch im Hinblick auf die erhöhte Infektanfälligkeit, und in einer Nutzen-Risiko-Abwägung – unter Umständen auch zunächst befristet – mit dem Patienten gemeinsam die Entscheidung zu treffen, auf eine HUMIRA-Monotherapie umzustellen.

Ein kleiner Hinweis sei zusätzlich erlaubt: Eine erhöhte Infektanfälligkeit ist oft auch durch eine zusätzliche Cortisontherapie bedingt. In Ihrem Fall ist die Dosis mit 5 mg sehr niedrig. Dennoch sollte man mit der Rheumatologin überlegen, ob nicht ein sehr vorsichtiges Reduzieren der Cortisondosis nicht denselben Effekt oder vielleicht sogar noch einen günstigeren Effekt auf die Infektanfälligkeit hätte als der Verzicht auf die HUMIRA-MTX-Kombination.

Copyright © 1997-2022 rheuma-online
rheuma-online Österreich
 
Alle Texte und Beiträge in rheuma-online wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Irrtümer sind jedoch vorbehalten. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Jegliche Haftungsansprüche, insbesondere auch solche, die sich aus den Angaben zu Krankheitsbildern, Diagnosen und Therapien ergeben könnten, sind ausgeschlossen.