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Fragen und Antworten

Eine Frage von Wolfgang B.:

Wegen einer M. Bechterew habe ich seit September 2003 Remicade bekommen. Meine Krankheitssymptome haben sich zu 90% verbessert. Bei der letzten Infusion habe ich allerdings nach der ersten Minute ein Luftproblem bekommen (das Lungenvolumen hat sich rasend schnell verkleinert), und so wurde ich nun auf Enbrel umgestellt.

 

Ich bin wiederum von der Wirkung begeistert, habe eine Injektion vor 6 Tagen bekommen. Heute fühle ich mich noch ganz gut, und möchte mir morgen die nächste Injektion spritzen.

 

Meine Frage an Sie, da ich momentan meine Ärztin nicht erreichen kann und im Internet keine genauere Auskunft finde:

 

Ich habe den Auftrag bekommen 2 mal pro Woche Enbrel selbst zu spritzen. Da es mir so gut gegangen ist, möchte ich es allerdings nur alle 7 Tage spritzen. Von meinen Gefühl her reicht es.

 

Meine Frage: Macht dies medizinisch Sinn?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 18.07.2004:

Auf diese Frage gibt es derzeit noch keine abschließende und insbesondere auch noch keine wissenschaftlich abgesicherte Antwort.

Die vorliegenden klinischen Studien zur Behandlung der ankylosierenden Spondylitis / des M. Bechterew mit Etanercept (Enbrel) wurden mit einer Dosierung von 2 x 25 mg pro Woche durchgeführt. Von dieser Dosierung kennt man die Wirksamkeit; entsprechend erfolgte auch die behördliche Zulassung für diese Dosierung.

Standardmäßig sollte deshalb zunächst, insbesondere auch bei Therapie-Einleitung, die Behandlung mit dieser Dosierung erfolgen. Wenn darunter die Verträglichkeit gut ist, gibt es im weiteren dann auch zunächst keinen Grund, dieses Dosisintervall zu ändern.

Andererseits stellt sich natürlich die Frage, ob bei jedem Patienten diese in den klinischen Studien eingesetzte Dosierung richtig und notwendig ist. Aus eigener Erfahrung kenne ich Patienten, bei denen – zumindest für einen gewissen Zeitraum – wegen einer hohen Krankheitsaktivität auch eine höhere Dosierung erforderlich ist, d.h. im Einzelfall ist dann auch die Gabe von 3 Spritzen Enbrel pro Woche nötig. Umgekehrt sind eine ganze Reihe von Patienten auch dann völlig oder weitgehend beschwerdefrei, wenn Enbrel nicht zweimal pro Woche gespritzt wird, sondern beispielsweise nur alle 5 Tage, alle 6 Tage oder gar nur alle 7 Tage. Im Einzelfall können die Injektionsintervalle sogar noch viel länger sein, teilweise nur alle 3 Wochen oder sogar noch länger.

Wenn man wegen des guten klinischen Ansprechens die Injektionsintervalle verlängert, ist dies im Hinblick auf die Kontrolle der Symptome sicherlich eine sinnvolle Therapiemaßnahme. Allerdings hängen die spürbaren Symptome und die sonstige Krankheitsaktivität des M. Bechterew nicht unmittelbar zusammen, d.h. es ist möglich, daß ein Patient völlig oder weitgehend beschwerdefrei ist, bei Blutuntersuchungen aber noch eine deutlich erhöhte Blutsenkung oder ein deutlich erhöhtes c-reaktives Protein (CRP) besteht und damit eine sogenannte systemische Krankheitsaktivität vorliegt. Mit der vollständigen Symptomkontrolle beispielsweise hinsichtlich der Schmerzen kann deshalb nicht unmittelbar und sicher geschlossen werden, daß die Erkrankung nicht doch weiter fortschreitet und im weiteren Krankheitsverlauf dann im Röntgenbild ein Progress zu verzeichnen ist, den es unter einer intensiveren medikamentösen Behandlung nicht gegeben hätte. Dieses mögliche Risiko sollte man ansprechen, wenn man über eine Dosisreduktion bzw. eine Verlängerung der Dosisintervalle nachdenkt. Ob ein solches Risiko auch wirklich besteht, ist ebenso nicht gesichert. Insofern gibt es auch unter meinen Enbrel-Patienten eine ganze Anzahl, die mit längeren Dosis-Intervallen als zwei Injektionen Enbrel pro Woche behandelt werden. Um das angesprochene Risiko zu begrenzen, führen wir in solchen Fällen, in denen wir von der Standardtherapie abweichen, entsprechend engmaschige Kontrollen einschließlich Kontrollen der im Blut messbaren systemischen Krankheitsaktivität durch. Selbstverständlich ist, daß der Patient darüber informiert sein muß, daß die Therapie vom normalen Vorgehen abweicht.

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