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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ulrich S.:

Eine Bekannte, die nicht über einen eigenen Internet-Zugang verfügt, nimmt wegen einer chronischen Polyarthritis seit ca. 5 Monaten Enbrel und stellt nun fest, dass ihr seit etwa 3 Monaten die Haare ausfallen. Kann hier ein Zusammenhang bestehen, und wie stellt man das fest?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 7.08.2003:

Aus meiner täglichen rheumatologischen Praxis ist mir innerhalb des Erfahrungszeitraum mit Enbrel von mittlerweile fast 5 Jahren das Problem eines verstärkten Haarausfalls in der Folge einer Enbrel-Therapie von meinen Patientinnen bislang noch nicht vorgetragen worden. Damit dürfte es sich um eine vergleichsweise eher seltene Nebenwirkung handeln.

 

Aus den klinischen Studien zu Etanercept (Enbrel) kennen wir die Zahlen zu den möglichen Nebenwirkungen, wobei in Studien alle berichteten Ereignisse unabhängig davon erfaßt werden, ob ein Zusammenhang mit der laufenden Therapie vermutet wird oder nicht. Deshalb kommt es auch in der Placebo-Gruppe zu teilweise hohen Nebenwirkungsraten. Für verstärkten Haarausfall wird für Enbrel eine Prozentangabe von 5% gemacht:

 

Reaktionen an der Einstichstelle: ca. 35%

 

Infektionen insgesamt (alle Infektionen über den gesamten Therapiezeitraum): ca. 65 %

 

Kopfschmerzen: ca. 25 %

 

Unwohlsein, Übelkeit: ca. 15 %

 

Schnupfen: ca. 15 %

 

Schwindel, Benommenheit: ca. 7 %

 

Halsentzündung: ca. 5 %

 

Husten: ca. 5 %

 

Bauchschmerzen: ca. 10 %

 

Nebenhöhlenentzündungen: ca. 5 %

 

Brechreiz, Erbrechen: ca. 5 %

 

Verstärkter Haarausfall: ca. 5 %

 

 

Mit Ausnahme der Reaktionen an der Einstichstelle und von Infektionen der oberen Luftwege waren dabei alle Nebenwirkungen unter Enbrel vergleichbar mit Placebo (Methotrexat), bei den meisten Nebenwirkungen sogar niedriger als die Nebenwirkungen unter einer Therapie mit Methotrexat.

 

Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Beginn der Enbrel-Therapie und dem Auftreten des verstärkten Haarausfalls lässt eine ursächliche Beziehung annehmen. Letztendlich beweisen kann man den Zusammenhang jedoch nicht. Insbesondere gibt es keine spezifischen Untersuchungsmethoden / Laboruntersuchungen, mit denen ein solcher Zusammenhang zu belegen wäre.

 

Sicherheitshalber sollten andere Ursachen, die für den verstärkten Haarausfall verantwortlich sein könnten (z.B. hormonelle Umstellungen, Eisenmangel, Zinkmangel, Schilddrüsenerkrankungen, andere Stoffwechselerkrankungen, aber auch immunologische Probleme, z.B. Autoantikörper-Bildung etc.) ausgeschlossen werden.

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