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Fragen und Antworten

Eine Frage von Dr. U. W.:

Meine Gattin hat seit 4 Jahren chronische Polyarthritis. Nach Einsatz konventioneller Medikamente hat unser Rheumatologe vor ca. 3 Monaten auf eine Arava Mono-Basistherapie gewechselt. Meine Gattin konnte damit anfangs in Kombination mit einem Durchfallmedikament (Bioflorin) gut leben, und die tägliche Cortisondosis konnte bis auf 3 mg heruntergefahren werden. Leider hat sich dann relativ plötzlich ein starker Haarausfall eingestellt, so dass meine Gattin befürchten musste, alle Haare zu verlieren.

 

Der Arzt hat daraufhin vor 2 Wochen auf eine Kombi-Therapie mit 3 Tabletten Salazopyrin 500 mg und zuerst 10, dann 15 mg Methotrexat gewechselt. Dadurch konnte der Haarausfall gestoppt werden. Leider ist jedoch die Uebelkeit am Morgen nach Frühstück und Einnahme der ersten Tablette Salazopyrin (mit Agopton) sehr schlimm.

 

Ich wäre Ihnen im Sinne einer kompetenten Zweitmeinung um Beantwortung folgender Fragen ausserordentlich dankbar:

 

- Von welchem Medikament kommt die Uebelheit, vom Methotrexat oder vom Salazopyrin ? Je nachdem könnte, evtl. leider mit Einnahme von mehr Cortison oder dem Schmerzmittel Codol, die Dosis noch etwas reduziert werden (wobei meine Gattin vom Cortison bereits über 10 Kilo zugenommen hat).

 

-Würden Sie auf Grund Ihrer umfassenderen Erfahrungen eher einen Wechsel der Basis-Therapie auf Humira (Nebenwirkungen gemäss Ihren Informationen problematisch, muss mit Methotrexat kombiniert werden) oder auf Enbrel (muss zweimal wöchentlich gespritzt werden) sehen?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 6.08.2004:

Aus der Ferne können, dürfen und wollen wir keine Empfehlungen und Ratschläge zu einer individuellen Diagnose oder Therapie geben.

Allgemein kann man aber sagen, daß es sowohl unter einer Therapie mit Methotrexat als auch mit Sulfasalazin (Salazopyrin) zu Übelkeit kommen kann, wobei nach der Wahrscheinlichkeit Methotrexat eher als Ursache von Übelkeit in Frage kommt als Salazopyrin.

Wenn man es genau wissen will, muß man einen sogenannten Auslaßversuch machen, d.h. eines der beiden Medikamente weglassen und schauen, ob die Übelkeit verschwindet. Da Salazopyrin nur kurz im Körper bleibt, würde man diese Substanz versuchsweise als erste weglassen. Verschwindet die Übelkeit, kann man den endgültigen Beweis führen und wieder mit diesem Medikament beginnen. Tritt dann erneut Übelkeit auf, dürfte die Sache klar sein; in diesem Fall kann Methotrexat weiter gegeben werden, ggf. in Kombination mit einem anderen langwirksamen Antirheumatikum.

Bleibt die Übelkeit unter Weglassen von Salazopyrin bestehen, kommt man nicht darum herum, auch mit Methotrexat zu pausieren.

Verschwindet die Übelkeit (was im Fall von Mtx u.U. auch etwas länger, d.h. einige Tage bis hin zu mehr als einer Woche dauern kann, würde ich auch in diesem Fall eine Re-Exposition machen, um sicher zu sein, daß Mtx wirklich der „Übeltäter“ ist. Wenn es so ist, kann man versuchen, die Verträglichkeit von Mtx durch Gabe von Folsäure (48 Stunden nach Einnahme bzw. Spritze) zu steigern. Gelingt dies nicht und ist die Übelkeit stark und anhaltend und durch eine entsprechende Begleitmedikation zu Mtx nicht zu beherrschen, steht der Wechsel auf ein anderes langwirksames Antirheumatikum an.

Wenn die Frage nach einem TNF-alpha-Blocker im Raum steht, wird man in diesem Fall vorzugsweise Etanercept (Enbrel) wählen, da es bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis auch in der Monotherapie eingesetzt werden kann. Adalimumab (Humira) kann zwar auch in der Monotherapie gegeben werden. Allerdings sieht die Zulassung in Europa die Anwendung in der Kombinationstherapie mit Methotrexat vor.

Bleibt die Übelkeit auch nach Absetzen von Salazopyrin und Mtx bestehen, sind u.U. bzw. sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit beide Substanzen „unschuldig“. In diesem Fall sollte an eine Magenspiegelung und ggf. auch eine sonstige weiterführende Diagnostik gedacht werden.

 

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