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Fragen und Antworten

Eine Frage von Sabine V.:

Wie auch von anderen beschrieben, kommt es an den Einstrichstellen zu

Hautrötungen (Nesselsucht)und anfangs starkem Juckreiz.

 

Kann man darauf hoffen, dass dies nach längerer Verabreichung nachläßt?

 

Kann / muss man dagegen etwas unternehmen / einnehmen z.B. Zyrtec?

 

Ich habe gelesen, dies würde vielleicht auch am Konservierungsstoff liegen (bei den amerikanischen Produkten). Ist dies richtig? (Ich habe Enbrel "für Europa produziert").

 

Kann bzw. muss ich dann in der Apotheke extra "Europäisches" Enbrel

verlangen???

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 20.04.2004:

Ich habe am 1. April 2004 eine ganz ähnliche Frage gestellt bekommen. Meine Antwort von damals:

 

„… Enbrel wird derzeit weltweit nur in Deutschland (in Biberach a.d.Riß als Auftragsproduktion von Boehringer Ingelheim) und in den USA (in Rhode Island von AMGEN) hergestellt; in Bau ist für den europäischen Markt eine Produktionsstätte von Wyeth in Irland, die aber noch nicht in Betrieb ist. Bei der dort hergestellten Ware gibt es Unterschiede, so enthält die für die USA hergestellte Handelsware einen Konservierungsstoff, der in der Ware, die in Biberach für den deutschen Markt hergestellt wird, nicht enthalten ist.

 

Unabhängig davon stehen auf der Packung und in der Packungsbeilage unterschiedliche pharmazeutische Hersteller. Dies hängt u.a. mit länderspezifischen Vorschriften zusammen (unterschiedliches Arzneimittelrecht z.B. in den USA oder in Europa etc.), aber auch damit, daß Enbrel in den einzelnen Ländern durch unterschiedliche pharmazeutische Hersteller vertrieben wird (z.B. in den USA durch AMGEN und Wyeth, in Europa und speziell auch in Deutschland nur durch Wyeth). Deshalb sind auf den Packungen entweder AMGEN (Firmensitz in Thousand Oaks in Kalifornien) oder Wyeth (hier offensichtlich mit der europäischen Division mit Sitz in Irland) aufgeführt.

 

Es ist möglich, daß es zu allergischen Reaktionen auf diesen Konservierungsstoff kommt. Deshalb macht es in jedem Fall Sinn, hier in Deutschland grundsätzlich auf der Auslieferung von deutscher Ware zu bestehen. Da gegenwärtig genügend Ware für Deutschland zur Verfügung steht, gibt es keinen Grund, warum dies nicht auch geschehen sollte. Allerdings weiß ich von meinen Patienten, daß die Apotheker gerne ausländische Ware verkaufen. Über den Grund kann man nur spekulieren.

 

Bei Präparaten, die aus dem Ausland nach Deutschland importiert wurden, sollte man davon ausgehen dürfen, daß die Kühlkette immer eingehalten wurde, die Herkunft des Präparates bekannt ist und auch das Verfallsdatum nicht kurz vor dem Ablauf steht.

 

Die beste Gewähr für optimale Ware für deutsche Patientinnen und Patienten bietet natürlich ein Präparat, das hier bei uns für den deutschen Markt hergestellt wurde und ohne Umwege vom Herstellungsort zum Verbraucher gelangt.

 

Wenn es auch unter optimalen Bedingungen nach der Enbrel-Spritze zu den beschriebenen Hautreaktionen kommt, ist es möglich, daß eine Unverträglichkeitsreaktion auf den Wirkstoff selber vorliegt. So eine Reaktion habe ich bei den von mir behandelten Patienten allerdings in den letzten 5 Jahren, in denen ich Enbrel einsetze, noch nie gesehen, so daß ich diese Möglichkeit für extrem unwahrscheinlich halte. …“

 

Zwischenzeitlich habe ich von der Patientin, die diese Frage an mich gestellt hatte und die auf die Enbrel-Spritzen stark reagiert hatte, eine Rückmeldung bekommen. Danach hat sie die Enbrel-Therapie fortgeführt. Mit Anbruch einer neuen Packung traten dann die beschriebenen Hautreaktionen nicht mehr auf. Dies ist nahezu ein Beweis dafür, daß die Reaktion an der Charge (d.h. dem Produkt aus einer bestimmten Herstellungsserie) oder aber am Konservierungsstoff oder an anderen, Wirkstoff-unabhängigen Faktoren wie u.U. auch fehlerhafte Lagerung oder nicht optimalen Transportbedingungen gelegen haben muß. Wenn es eine Reaktion auf Etanercept als den Wirkstoff selber gewesen wäre, hätte diese Reaktion bei der Fortsetzung der Therapie natürlich weiter auftreten müssen.

 

Wenn es zu Hautreaktionen auf die Enbrel-Spritzen kommt, kann man zunächst versuchen, lokal zu kühlen; wenn Juckreiz dazukommt oder die Reaktion sehr stark ist, hilft u.U. ein Antiallergikum (Medikament gegen allergische Reaktionen); u.U. kann man bei sehr starken Hautreaktionen auch den Einsatz einer cortisonhaltigen Salbe oder Lotion versuchen.

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