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Fragen und Antworten

Eine Frage von Gisela R.:

Ich spritze seit Januar 2005 Humira mit dem Resultat, daß meine CP sich so gut wie nicht mehr bemerkbar macht, ein großer Rheumaknoten und Kapselschwellungen sind stark zurückgegangen. Innerhalb von 4 Wochen hatte bzw. habe ich jetzt zwei starke Infekte mit Beteiligung der Nasennebenhöhlen. Seit ca. 10 Tagen habe ich Hautausschlag am ganzen Körper, der morgens recht blass ist und sich im Laufe des Tages verschlimmert (großflächig rote Quaddeln, starker Juckreiz). Seit drei Tagen nehme ich abends ein Antihistaminikum und eine cortisonhaltige Salbe, bis jetzt hat sich noch kein Erfolg eingestellt. Mein Rheumatologe geht davon aus, daß dies keine Reaktion auf Humira sei (der Ausschlag trat 10 Tage nach der letzten Humira-Spritze ein) oder zumindest eine sehr ungewöhnliche Reaktion; ich habe bis jetzt auch keine Reaktionen an der Einstichstelle. Der Hautarzt bat mich, ihm nach der nächsten Spritze für einen Test die leere Spritze vorbeizubringen. Sind Ihnen solche Hautreaktionen bekannt? Was kann ich tun, damit ich Humira nicht absetzen muß?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 17.02.2005:

Hautreaktionen sind unter einer Therapie mit Adalimumab (Humira) relativ häufig. Dabei handelt es sich aber in der Regel um vollkommen harmlose Reaktionen an der Einstichstelle der Injektion. Diese Hautreaktionen treten unmittelbar im Anschluß an die Injektion auf, machen meist keine oder nur geringe Beschwerden und verschwinden im Normalfall bald wieder von alleine.

Bei den von Ihnen beschriebenen Hautreaktionen handelt es sich ganz offensichtlich um etwas anderes. Dabei stellt sich für mich als erstes die Frage, ob überhaupt ein Zusammenhang mit der Humira-Therapie besteht, oder ob es u.U. auch eine ganz andere Problematik sein könnte.

Aus der Ferne können, dürfen und wollen wir keine Informationen und Ratschläge zu einer individuellen Diagnose oder Therapie geben. Allgemein kann man aber sagen, daß sich die von Ihnen beschriebenen Hautreaktionen ein wenig nach einer Urtikaria-Vaskulitis anhören. Allerdings kann ich mich dabei auch vollständig irren. Sehr hilfreich wäre es, wenn sie diese Hautreaktionen einmal fotographieren könnten (zum einen zur Dokumentation für die behandelnden Ärzte vor Ort, zum anderen aber auch zur Erweiterung unserer Wissensbasis bei TIZ und als Hilfe für andere User; ideal wäre es, wenn Sie ein digitales Foto machen und es mir zumailen könnten).

Wenn es eine Urtikaria-Vaskulitis wäre, müsste man u.a. auch an einen Zusammenhang mit den abgelaufenen Infekten denken. Es gibt eine ganz Reihe von viralen Infekten, u.a. mit Ebstein-Barr-Virus (EBV), Humanem Herpes-Virus 6 (HHV-6) und anderen sogenannten lymphotropen Viren, die zum einen Infekte im Bereich der oberen Luftwege (d.h. auch im Bereich der Nebenhöhlen) machen können und bei denen es anschließend zu einer solchen Urtikaria-Vaskulitis kommt. Humira wäre dann vollkommen außen vor bzw. nur sehr indirekt an dieser Reaktion beteiligt (indem man spekulieren könnte, ob die Infektionen durch die Humira-Therapie begünstigt waren. Allerdings ist z.Z. Grippezeit und Erkältungszeit, und auch vollkommen gesunde Menschen haben augenblicklich auch ohne eine Therapie mit Humira oder anderen TNF-alpha-Blockern Grippe und Erkältungen).

Es ist allerdings auch nicht vollständig auszuschließen, daß es sich bei den von Ihnen beschriebenen Hautreaktionen um eine sehr ungewöhnliche und sehr seltene Nebenwirkung von Humira handelt. In diesem Fall handelt es sich um eine Art „allergische“ Reaktion, die aber nicht der klassischen Allergie vom Soforttyp mit sofortiger Reaktion unmittelbar im Anschluß an die Injektion entspricht, sondern nach einem anderen Mechanismus verläuft. Dabei besteht die grundsätzliche Möglichkeit, daß es sich dabei um eine Reaktion auf den in Humira enthaltenden Antikörper handelt; denkbar ist aber auch, daß es sich um eine Reaktion auf andere, in der Lösung enthaltene Stoffe handelt. Dies kann der Hautarzt in der Tat testen.

Eine Möglichkeit, mehr Klarheit über die Ursache der Hautreaktionen zu bekommen, ist ein Auslaßversuch. Wenn die Hautreaktionen unter einer Therapiepause mit Humira abklingen, man dann wieder mit den Injektionen beginnt und die Hautreaktionen erneut auftreten, spricht alles für einen Zusammenhang mit der Humira-Therapie. Bleiben die Hautreaktionen allerdings unter der Humira-Pause bestehen, ist ein Zusammenhang mit der Humira-Behandlung eher unwahrscheinlich, und man muß intensiv nach einer anderen Ursache suchen.

Zugehörige Links:

http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/396/
http://www.tiz-info.de/tnf-blocker/fua/antwort/frage/338/
http://rheuma-online.de/service/rheuma-news/single/news/121/

 

Ergänzung im Verlauf:

Zwischenzeitlich haben wir ein Feedback über den weiteren Verlauf bekommen. Danach kann man fast sicher annehmen, daß es sich bei der Urtikaria nicht um eine Nebenwirkung von Humira gehandelt hat. Da diese Rückmeldung auch für andere User sehr wichtig ist, geben wir sie im folgenden als Ergänzung zu der obigen Anfrage wieder.

„ … Sehr geehrter Herr Dr. Langer,
haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort auf meine Anfrage.
Mittlerweile ist die Urtikaria vollständig abgeklungen, so daß ein Photo leider nicht mehr öglich ist.  Ich bin - nachdem der Hautausschlag circa eine Woche bestand - zum Hautarzt gegangen, der mir zunächst eine leicht cortisonhaltige Salbe verschrieben hat. Unter der Anwendung dieser Salbe war nach circa 6 Tagen "Ruhe" auf der Haut. Nachdem ich dann das nächste Mal Humira gespritzt hatte, bin ich am selben Vormittag mit der "Restspritze" wieder zum Hautarzt gegangen, der mit einem Tropfen Humira auf dem Arm einen Allergietest vorgenommen hat. Ich wurde auch noch auf diverse andere Stoffe, unter anderem hatte ich in den Wochen zuvor Bromelain und ein Antibiotikum genommen, getestet.  Gegen keinen dieser Stoffe bin ich allergisch. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich über dieses Ergebnis bin, denn unter Humira geht es mir so gut wie noch nie in den letzten 5 Jahren.  Der mich behandelnde Hautarzt ist zu dem Schluß gekommen, daß die Urtikaria - wie auch Sie es schreiben - mit zwei aufeinander folgenden Nebenhöhlenentzündungen, die ich im Januar und Februar 05 hatte, zusammenhängt.  Er sagte mir, daß mein Körper wohl allergisch auf diese intensiven Infekte reagiert hätte. Mittlerweile habe ich die nächste Ration Humira gespritzt - ohne irgendwelche Reaktionen. Reaktionen an der Einstichstelle selbst hatte ich bis jetzt übrigens auch nicht.
Mit nochmals herzlichem Dank für Ihre Nachricht und besten Grüßen
Gisela P.

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