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Fragen und Antworten

Eine Frage von Manuela Sch.:

Kann man die neuen Medikamente auch bei Fibromyalgie verwenden? Ich habe eine chronische Polyarthritis.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.06.2003:

Die neuen Substanzen aus der Gruppe der TNF-alpha-Blocker greifen gezielt in das Entzündungsgeschehen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der chronischen Polyarthritis (rheumatoiden Arthritis), der Psoriasisarthritis (Arthritis bei Schuppenflechte) oder den seronegativen Spondarthritiden (Spondyloarthritiden, z.B. M. Bechterew oder verwandten Erkrankungen) ein.

 

Die Fibromyalgie ist eine Erkrankung, die nicht durch entzündliche Prozesse verursacht wird. Deshalb helfen TNF-alpha-Blocker wie Etanercept (Enbrel) oder Infliximab (Remicade) nicht bei der „primären“ Fibromyalgie, d.h. dem Fibromyalgie-Syndrom, das ohne andere Erkrankungen besteht und sich nicht in der Folge anderer Grunderkrankungen entwickelt hat.

 

Ihre Frage geht im Kern dahin, ob sich auch die Symptome einer sekundären Fibromyalgie bei einer chronischen Polyarthritis zurückbilden, wenn es durch die Therapie mit wirksamen Medikamenten, z.B. TNF-alpha-Blocker, gelingt, die Entzündung bei der chronischen Polyarthritis zu beseitigen und die eigentliche Grunderkrankung zu stoppen.

 

Leider ist dies oft nicht der Fall. Im Gegenteil sehen wir es in der Rheumatologie immer häufiger, dass es uns inzwischen sehr häufig ganz excellent gelingt, die chronische Polyarthritis zu therapien und im günstigsten Fall sogar zum Stillstand zu bringen, dass dann aber das zwischenzeitlich dazugekommene Fibromyalgie-Syndrom dadurch überhaupt nicht beeinflusst wird.

 

Es scheint bei diesen Patienten fast so auszusehen, als ob sich das Fibromyalgie-Syndrom quasi verselbständigt hat und nun losgelöst von der eigentlichen, auslösenden Grunderkrankung eigenständig seinen weiteren Weg nimmt. Man könnte diese Form des Fibromyalgie-Syndroms – in Anlehnung an einige Erkrankungen aus der Endokrinologie – ein „tertiäres“ Fibromyalgie-Syndrom nennen.

 

In einem solchen Fall muß die Therapie des Fibromyalgie-Syndroms genauso erfolgen wie bei der primären“ Fibromyalgie, d.h. völlig unabhängig von der chronischen Polyarthritis.

 

Allerdings ist die Fibromyalgie auch bei dem sekundären oder „tertiären“ Fibromyalgie-Syndrom nicht ganz losgelöst von der Grunderkrankung zu denken. Gerade da bei Patienten mit Fibromyalgie die Schmerzschwelle und die Schmerzverarbeitung verändert ist, muß bei ihnen mit Nachdruck dafür gesorgt werden, dass alle Faktoren beseitigt werden, die bei ihnen Schmerzen hervorrufen oder chronifizieren. Dazu gehört natürlich bei der chronischen Polyarthritis eine wirksame Kontrolle der Krankheitsaktivität.

 

Außerdem kann man sich vorstellen, dass das Risiko einer sekundären Fibromyalgie bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der chronischen Polyarthritis / rheumatoiden Arthritis, Psoriasisarthritis oder M. Bechterew verringert wird, wenn diese Erkrankungen so früh wie möglich wirksam behandelt werden und es durch eine angemessene Therapie erst gar nicht zu dauerhaften Schmerzen und einer Chronifizierung des Schmerzes im Sinne eines Fibromyalgie-Syndroms kommt.

 

Studien dazu sind mir allerdings nicht bekannt.

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