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Fragen und Antworten

Eine Frage von J.H.:

Bei mir wurden wiederholt sehr hohe ANA-Titer (1:3200) festgestellt, es zeigen sich jedoch keine Entzündungszeichen. Nach einem mehrtägigen Kollagenosescreening in einer Rheumaklinik steht man vor einem Rätsel, da sich dort nur dieser ANA-Titer objektivieren ließ. Beschwerden / Veränderungen sind Abgeschlagenheit; wiederkehrende Glenkschmerzen (Knie, Hüfte); Trigeminusschmerz bei windigem, feuchten Wetter; häufig entzündete und lichtempfindliche Augen; dunkle, symmetrische Pigmentstörungen im Gesicht (Chloasmen - die Pille nehme ich aber nicht), stecknadelkopfgrosse Hauteinblutungen an den Armen. Vor einigen Jahren litt ich an einer Amenorrhoe, und auch jetzt kommt es wieder zu ausbleibenden Blutungen (bin aber definitiv nicht schwanger). Einige dieser Beschwerden habe ich schon seit sehr langer Zeit ( > 10 Jahre; bin Mitte 30). Autoimmunerkrankungen kommen bei Frauen auf beiden Seiten der Familie vor (rheumatoide Arthritis bzw. Autoimmun-Thyreoiditis).

Meine Fragen sind:

1.) Könnte es sein, dass ich diesen ANA-Wert nur deswegen habe weil Autoimmunerkrankungen in der Familie liegen, ohne dass sie bei mir zu einer Krankheit führen? (Anders gefragt: Kann dieser hohe ANA-Wert auch ohne Folgen bleiben?)

2.) Ist es überhaupt sinnvoll, die Sache weiter zu ergründen?

3.) Wenn Frage 2. mit "ja" zu beantworten ist: In welcher Richtung sollte dann weiter nachgeforscht werden?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.04.2002:

Aus der Ferne ist natürlich weder eine Diagnosestellung oder individuelle Beratung möglich noch erlaubt.

Was man aber allgemein zu den Fragen sagen kann:

Zu 1: Es gibt ANA´s, auch ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich ~Dnur~S um einen Laborwert ohne weitere Bedeutung handelt, nimmt mit der Höhe der Werte ab. So sind Werte von 1: 40 in der Regel als völlig unproblematisch und noch innerhalb der normalen biologischen Variationsbreite anzusehen, dies gilt auch noch (je nach verwendeter Methode) für Werte von 1: 80 und mit Einschränkung auch noch für 1: 160 bei Verwendung von Hep-2-Zellen). Wenn allerdings hohe ANA-Werte, z.B. mit Titern über 1: 1.280 oder 1: 2.560 oder noch höher, mit Symptomen einhergehen, insbesondere auch dann noch, wenn diese selber schon an die Möglichkeit einer Autoimmunerkrankung oder einer verwandten Problematik denken lassen, wie Gelenkschmerzen, allgemeine Leistungsminderung, Abgeschlagenheit, Hautblutungen, neurologische Symptome, Amenorrhoe, sind sie nach der Wahrscheinlichkeit mehr als ein sogenanntes Epiphänomen oder ein Laborwert oder wie auch immer man es bezeichnen will, sondern haben wahrscheinlich eine diagnostische Bedeutung, wobei man bei ANA´s halt als erstes immer an die Möglichkeit einer wie auch immer gearteteten Autoimmunerkrankung oder Autoimmunreaktion denken muss (letzteres beinhaltet die Möglichkeit von Autoimmunreaktionen in der Folge einer Infektion mit sogenannten lymphotropen Viren wie beispielsweise EBV = Epstein-Barr-Virus; wird viel zu selten dran gedacht!).

Zu 2: Ergibt sich aus Antwort zu Frage 1.

Zu 3: ANA´s können bei einer ganzen Reihe von Autoimmunerkrankungen auftreten. Pathognomonisch = richtungsweisend sind sie für Erkrankungen aus der Gruppe der Kollagenosen einschließlich systemischem Lupus erythematodes (SLE), Sklerodermie und dem damit verwandten CREST-Syndrom sowie selteneren Erkrankungen wie dem Jo-1-Antikörper-Syndrom. Aus der Gruppe der sonst noch in die Rheumatologie und Immunologie fallenden Erkrankungen gibt es ANA´s darüber hinaus noch relativ häufig bei der chronischen Polyarthritis (rheumatoiden Arthritis), vor allem wenn sie eine starke ~Dautoimmune~S Prägung aufweist und schon Überlappungstendenzen zu den Kollagenosen zeigt, weiterhin bei einigen Vaskulitiden, die sich allerdings eher durch ANCA´s kennzeichnen. Im Bereich der Gastroenterologie sieht man ANA´s bei den entzündlichen Darmerkrankungen, insbesondere dem M. Crohn, weiterhin bei Autoimmunerkrankungen der Leber (Autoimmunhepatitiden, die dann zum Teil auch als ~Dlupoide~S Hepatitiden in Analogie zum systemischen Lupus erythematodes bezeichnet werden). In der Endokrinologie sieht man ANA´s vor allem im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (~DAutoimmunthyreopathien~S). Nicht so bekannt ist, dass es auch bei einer Reihe von Infektionskrankheiten zur Entwicklung von ANA´s kommen kann. Besonders zu nennen sind Infektionen mit sogenannten lymphotropen Erregern, insbesondere mit Epstein-Barr-Virus (EBV), humanem Herpes-Virus 6 (HHV-6) und Cytomegalie-Virus (CMV), weiterhin auch bei chronischer Hepatitis B und C. Dies macht dann die Abgrenzung zu Autoimmunhepatitiden manchmal etwas schwierig.

 

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