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Fragen und Antworten

Eine Frage von Thomas K.:

Ich bin 26 Jahre und leide seit 12 Jahren an chronischer Polyarthritis. Es ging mal auf, mal ab. Seit ca. 2 Jahren nehme ich Enbrel (TNF-alpha-Blocker) kombiniert mit 20mg MTX (Lantarel) pro Woche. Mir ging es danach auch für ca. 1,5 Jahre recht gut. Seit einem guten halben Jahr macht meine rechte Hüfte aber wieder große Probleme. Trotz guter Rheumawerte (CRP um 3, RF um 20) treten immer wieder Ergüsse (gelbes Sekret) in diesem Gelenk auf. Vor 8 Wochen bekam ich auch schon eine nuklearmedizinische Behandlung an diesem Gelenk, leider hielt die Wirkung nur für 5 Wochen. Danach musste wieder punktiert und wie immer Cortison eingespritzt werden. Das kann doch nicht die Lösung sein. Sicherlich ist es für Sie schwierig eine Diagnose auf die Entfernung zu stellen, aber vielleicht können Sie mir einen Rat geben, was ich machen kann. Ich vertraue meinem Rheumatologen eigentlich, aber irgendwie kommen mir seit kurzem doch ein paar Zweifel. Ist die Therapie richtig für mich oder kann ich noch was anderes machen?. Denn langsam wirkt das Cortison auch schon nicht mehr. Die Abstände werden immer kürzer, trotz guter Werte. Gibt es eventuell schon neue Medikamente, die man ausprobieren kann? Könnte evtl. auch ein mechanischer Fehler in der Hüfte ausgelöst worden sein? Wie könnte man den herausfinden? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 31.12.2003:

Leider gibt es bei jeder krankheitsmodifizierenden oder krankheitskontrollierenden Therapie die Situation, daß ein einzelnes Gelenk auf die ansonsten wirksame oder sogar sehr gut wirksame Behandlung nicht anspricht. Warum dies so ist, ist bis heute ungeklärt. Möglich sind, wie Sie es auch schon angesprochen haben, örtliche Faktoren, u.a. z.B. Vorschädigungen eines Gelenks oder mechanische Faktoren.

 

Die Vorgehensweise ist in einem solchen Fall so, wie es bei Ihnen gemacht wurde. Man behandelt das betroffene Gelenk lokal, in erster Linie mit Cortisonspritzen ins Gelenk. Sind diese nicht auf Dauer wirksam, ist eine Radiosynoviorthese die Behandlungsmethode der Wahl. Wenn auch diese nicht oder nur kurz wirkt, wird es schwierig. Zum einen muß man sich dann in der Tat überlegen, ob die Beschwerden durch die Entzündung allein oder andere Faktoren bedingt sind. Meist ist es aber die rheumatische Entzündung, die oft speziell im Hüftgelenk sehr hartnäckig bestehen kann und oft auch in ganz kurzer Zeit zu erheblichen Veränderungen in diesem Gelenk führen kann.

 

Rheumachirurgen, d.h. rheumatologisch ausgerichtete Orthopäden würden in einem wie von Ihnen geschilderten Fall vermutlich eine operative Synovialektomie empfehlen, d.h. die operative Entfernung der Gelenkinnenhaut.

 

Ob man wegen der anhaltenden Symptome auf einen anderen TNF-alpha-Blocker, z.B. Infliximab oder Adalimumab, wechseln sollte, ist eine Frage, die nur in Kenntnis aller Befunde und nach einer eigenen Untersuchung entschieden werden kann. Generell ist eine Wirksamkeit eines anderen Präparates möglich, wenn der erste TNF-alpha-Blocker nur noch unbefriedigend wirkt. Wir kennen dies mittlerweile von einer Reihe von Patienten, wobei dies sowohl für den Wechsel von Enbrel auf Remicade als auch umgekehrt für den Wechsel von Remicade auf Enbrel gilt. Da Humira in Deutschland erst seit September 2003 zugelassen ist, verfügen wir zu dieser neuen Substanz für den „Therapie-switch“ noch nicht über so viele Daten wie für die beiden anderen Präparate.

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