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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ursula F.:

Bei mir wurde eine Hypogammaglobulinämie diagnostiziert (bei seronegativer cP).

Daher schickte man mich zu einem Hämatologen, nach einigen Untersuchungen, u.a. auch einer Beckenkammbiopsie, bestätigte sich die Diagnose.

Der Hämatologe vermutet nun, daß dieser ausgeprägte IgG- und IgA-Mangel durch die Therapie mit MTX und Kortison ausgelöst wurde. Daher rät er mir jetzt dringend, die Rheumamedikamente soweit wie möglich abzusetzen bzw. ganz darauf zu verzichten.

Meine Frage jetzt:

Wird so ein Immunglobulinmangel durch Antirheumatika hervorgerufen, wenn ja, gibt es Medis, die nicht zu stark im Bereich der Immunglobuline wirken?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 28.06.2004:

Die Frage ist, ob der Immunglobulin-Mangel schon vor der Therapie mit Methotrexat und Cortison bestand, oder ob er sich darunter entwickelt hat. Bei einem Teil der Patienten wird im Verlauf einer Behandlung ein solcher Befund erhoben und vermutet, daß dies die Folge der Behandlung ist. Wenn man dann aber genau in früheren Unterlagen nachschaut, findet sich eine Hypogammaglobulinämie schon länger. Bei anderen Patienten liegen keine Vorbefunde vor, so daß ein möglicherweise fehlender Zusammenhang mit der Therapie nicht mehr zu klären ist.

Andererseits kommt es unter einer längerdauernden Cortisontherapie bei einem großen Teil der Patienten zu einer Verminderung der Immunglobuline, insbesondere von IgG. Dies ist sogar ein gewünschter Effekt, der auf die Wirksamkeit der Behandlung hindeutet, da ja eine chronische Entzündung mit erhöhten IgG-Werten im Blut einhergeht.

Bei einer stärkeren Immunsuppression kann es zu einem Abfall der Immunglobulin-Werte unterhalb des Normalwertes kommen. Ob in einem solchen Fall die antirheumatische Behandlung abgesetzt oder modifiziert werden muß, hängt sehr von der individuellen Situation und den Begleitumständen ab. Grundsätzlich kann man aber sagen, daß eine Hypogammaglobulinämie zwar mit einem erhöhten Risiko für Infektionen verbunden ist. Dies ist aber nicht gleichbedeutend damit, daß ein einzelner Patient dann auch wirklich häufiger Infektionen erleidet. Deshalb ist in einer solchen Situation ein Absetzen der Therapie nicht zwingend notwendig. Außerdem stellt sich die weitere Frage, welche therapeutischen Alternativen bestehen, da der größte Teil der langwirksamen Antirheumatika („Basismedikamente“) in einem mehr oder weniger starken Ausmaß zu einer Immunsuppression führt.

Keywords: langwirksame Antirheumatika, Methotrexat, Mtx, Cortison, Hypogammaglobulinämie, IgG-Mangel, IgA-Mangel, Nebenwirkungen

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