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Fragen und Antworten

Eine Frage von Yvonne F.:

Ich leide seit 12 Jahren an einer chronischen Polyarthritis, die derzeit mit Methotrexat und Cortison behandelt wird. Darunter bin ich nicht beschwerdefrei. Könnten Sie mir bitte Informationen über Humira zusenden?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 31.12.2003:

Humira (Wirkstoff Adalimumab) ist ein neuer, seit September 2003 in Deutschland zugelassener Antikörper gegen TNF-alpha.

 

Adalimumab ist ein vollständig humanisierter monoklonaler Antikörper gegen TNF-alpha.

 

Als monoklonaler Antikörper ist die Substanz damit vergleichbar mit dem ersten in Deutschland zugelassenen monoklonalen Antikörper gegen TNF-alpha, dem TNF-Blocker Infliximab (Remicade). Als weitere TNF-alpha-blockierende Substanz ist in Deutschland derzeit der lösliche Rezeptor Etanercept (Enbrel) zugelassen, bei dem die TNF-alpha-Blockade durch einen ganz anderen Wirkungsmechanismus erfolgt.

 

Von Remicade unterscheidet sich Humira dadurch, dass bei der biotechnologischen Herstellung des Präparates nun auf den in Remicade noch vorhandenen Maus-Anteil verzichtet werden konnte. Mit der Entwicklung des humanisierten Antikörpers verbindet sich die Hoffnung, dass es bei der Therapie mit dieser Substanz in geringerem Ausmaß zu einer immunologischen Reaktion des Körpers auf den Antikörper und zu einer weniger häufigen Bildung von Antikörpern gegen den Antikörper kommt (da es sich bei Remicade um einen sogenannten „chimären“ Antikörper handelt (eine Chimäre ist in der griechischen Sage eine Mischung aus Tier und Mensch), nennt man diese Antikörper HACA´s = humane antichimäre Antikörper). Die Antikörper gegen den Antikörper können neutralisierend wirken, d.h. sie schwächen in einem solchen Fall die Wirkung des therapeutisch eingesetzten Antikörpers ab oder heben im ungünstigsten Fall seine Wirkung sogar ganz auf. Neben solchen neutralisierenden Antikörpern kennt man noch nicht-neutralisierende Antikörper, die die Wirkung des Medikaments nicht beeinträchtigen. Ob die nicht-neutralisierenden Antikörper dennoch zu unerwünschten biologischen Effekten führen, ist derzeit noch nicht ausreichend bekannt.

 

Adalimumab kann als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat eingesetzt werden und unterscheidet sich dadurch ebenfalls von Infliximab, das in Kombination mit Methotrexat eingesetzt werden muss. Ebenfalls für die Monotherapie zugelassen ist Etanercept. Etanercept kann darüber hinaus auch in Kombination mit Methotrexat gegeben werden.

 

Ein weiterer Unterschied zwischen den monoklonalen Antikörpern Adalimumab und Infliximab besteht in der unterschiedlichen Verabreichungsweise. Während Infliximab als Infusion gegeben wird, nach einer Startphase mit einer häufigeren Abfolge von Infusionen, dann im weiteren Verlauf in der Regel im Abstand von 2 Monaten, wird Adalimumab wie Etanercept unter die Haut gespritzt (subkutane Injektion). In den Studien wurde Adalimumab als subkutane Injektion einmal pro Woche sowie in einer höheren Dosierung einmal alle 14 Tage eingesetzt. In der praktischen Anwendung wird derzeit die Injektion alle 14 Tage favorisiert. Für diese 14-tägige Anwendung ist Humira auch in Deutschland offiziell zugelassen.

 

Die Wirksamkeit von Humira bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis durch eine ganze Reihe von klinischen Studien sehr gut belegt. Dabei ist Humira auch bei solchen Patienten wirksam, die auf eine vorhergehende Therapie mit konventionellen langwirksamen Antirheumatika, speziell auch Methotrexat, nicht oder nicht ausreichend angesprochen haben.

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