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Fragen und Antworten

Eine Frage von Christiane G.:

Ich habe seit 10 Jahren cP. Mittlerweile sind meine Gelenke ziemlich zerstört. Zuletzt habe ich MTX probiert, hatte aber sehr starke Nebenwirkungen. Da ich erst 27 Jahre bin, möchte ich auch nicht so "heftige" Medikamente nehmen. Nun habe ich auf Ihrer Homepage einige Informationen zu Infliximab gelesen. Können Sie mir hierzu weitere Infos geben bitte? Mein Arzt hat mir dieses Medikament nun auch empfohlen.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.11.2003:

Remicade (Wirksubstanz: Infliximab) ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der biologischen Medikamente („biologicals“).

 

Biologische Medikamente sind Arzneimittel aus einer ganz neuen Medikamentenklasse. Diese Medikamentenklasse der biologicals unterscheidet sich vollkommen von allen bislang in der Rheumatologie zum Einsatz kommenden Therapieformen.

 

Es handelt sich dabei um Substanzen, die mit modernster Biotechnologie unter sehr hohem technischen Aufwand und unter Einsatz aufwendigster Entwicklungs- und Fertigungsmethoden hergestellt werden.

 

Ihre Bezeichnung haben biologische Therapien daher, daß sie durch die medikamentöse Verabreichung von biotechnologisch hergestellten Kopien körpereigener Substanzen oder durch die zielgerichtete Blockade von körpereigenen Substanzen gezielt in biologische Mechanismen der Krankheitsentstehung und Krankheitsausbreitung im Körper eingreifen.

 

Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis (chronischen Polyarthritis), der Psoriasis-Arthritis (Gelenk- und Wirbelsäulenbeteiligung bei der Schuppenflechte) oder der ankylosierenden Spondylitis (M. Bechterew) spielt der körpereigene Botenstoff TNF-alpha eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Ausbreitung der rheumatischen Entzündung sowie bei der entzündlichen Zerstörung der Gelenke.

 

Infliximab (Remicade) ist ein sogenannter monoklonaler Antikörper gegen TNF-alpha. Ein solcher Antikörper setzt sich gezielt auf TNF-alpha, das von den TNF-alpha-produzierenden Zellen im Körper freigesetzt wird, und verhindert damit, daß TNF-alpha als Botenstoff an anderen Zellen eine Entzündungsreaktion auslöst. Der TNF-alpha-Antikörper unterbindet auf diese Weise die biologische Wirkung von TNF-alpha, d.h. durch Infliximab wird zielgerichtet die Entzündung und die weitere Gelenkschädigung verhindert.

 

Remicade ist in Deutschland für die Therapie der rheumatoiden Arthritis und der ankylosierenden Spondylitis zugelassen, außerhalb der Rheumatologie für die Behandlung des M. Crohn, einer entzündlichen Darmerkrankung. Klinische Studien zeigen eine Wirksamkeit von Remicade auch bei der Psoriasis-Arthritis.

 

Erste Erfahrungen liegen darüber hinaus mit dem Einsatz von Remicade bei anderen entzündlich-rheumatischen und immunologischen Erkrankungen vor, beispielsweise bei Vaskulitiden, der Polymyalgia rheumatica, dem M. Behcet oder der Uveitis, einer entzündlich-rheumatischen Augenerkrankung.

 

Remicade wird als intravenöse Infusion verabreicht. Diese Infusion in die Vene dauert etwa 2 Stunden. Dabei erfolgt zunächst eine Aufsättigung mit dem Antikörper durch eine Start-Infusion und folgende Infusionen nach 2 und 6 Wochen. Anschließend werden die Infusionen in der Regel im Abstand von 8 Woche verabreicht.

 

Bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis wird Remicade mit Methotrexat kombiniert.

 

Die überragende Wirksamkeit von Remicade bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis ist durch umfangreiche klinische Studien überzeugend belegt. Die Therapie mit Infliximab zeigt dabei in einem hohen Ausmaß auch bei solchen Patienten eine Wirkung, die zuvor auf konventionelle Behandlungen nicht oder nicht ausreichend angesprochen haben.

 

Remicade wirkt dabei nicht nur auf die Symptome der Erkrankung, wie Schmerzen, Gelenkschwellung, Morgensteifigkeit, schnelle Ermüdung oder ausgeprägte Erschöpfung, sondern verbessert auch nachhaltig die funktionelle Kapazität, d.h. die Fähigkeit, mit den Anforderungen und Belastungen im täglichen Leben zurechtzukommen. Für die rheumatoide Arthritis konnte in klinischen Studien gezeigt werden, daß es unter der Therapie mit Infliximab in Kombination mit Methotrexat zu einem völligen Stop der radiologischen Progression kommt, d.h. zu einem Stillstand der im Röntgenbild sichtbaren Gelenkveränderungen.

 

Die Wirkung von Remicade tritt sehr schnell ein. Einige Patienten berichten über eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome schon innerhalb eines Tages nach der Infusion. Bei der Mehrzahl der Patienten liegt der Wirkungseintritt in einem Zeitraum von 2-3 Wochen nach Therapiebeginn. Wenn innerhalb der ersten drei Monate kein therapeutisches Ansprechen zu verzeichnen ist, ist durch eine Fortsetzung der Therapie keine wesentliche weitere Verbesserung zu erwarten.

 

In den klinischen Studien konnte die anhaltende Wirkung einer kontinuierlichen Therapie mit Remicade über Beobachtungszeiträume bis zu 102 Wochen gezeigt werden. Dabei erreichten etwa 10% der Patienten innerhalb von 6 Monaten weitgehende Remissionen, d.h. ein Rückgang der klinischen Symptome, der im Blut messbaren Entzündungswerte und der Einschränkung im täglichen Leben um mindestens 70% mit einer weiteren Verbesserung im weiteren Behandlungsverlauf.

 

Zur Sicherheit und Verträglichkeit der Therapie mit Remicade liegen mittlerweile umfangreiche Erfahrungen aus der Behandlung von weltweit mehr als 430.000 Patienten mit Autoimmunerkrankungen und aus den klinischen Studien vor, die im Zeitraum der letzten 10 Jahre durchgeführt wurden.

 

Insgesamt ist die Verträglichkeit von Remicade gut. Mögliche Nebenwirkungen sind vorübergehende Reaktionen auf die Infusion. Dazu gehören ein Anstieg des Blutdrucks oder der Herzfrequenz, Hautreaktionen oder andere Symptome, die an eine Allergie erinnern.

 

Aus den klinischen Studien sind als weitere etwas häufigere mögliche Nebenwirkungen außerdem Übelkeit und Kopfschmerzen, Husten, Hitzewallungen, daneben auch Durchfälle und Juckreiz bekannt.

 

Im Therapieverlauf ist vor allem eine erhöhte Infektionsrate eine wichtige mögliche Nebenwirkung von Remicade. Meistens handelt es sich um banale Infekte der oberen Luftwege wie normale Erkältungen, weiterhin auch Bronchitis, Halsschmerzen oder Nebenhöhlenentzündungen. In den klinischen Studien wurde auch eine erhöhte Rate an Harnwegsinfekten beobachtet.

 

Allerdings kann es im Einzelfall auch zu schweren Infektionen kommen, die eine antibiotische Therapie erforderlich machen, in seltenen Fällen sogar eine Krankenhausbehandlung.

 

Schwere Infektionen sind glücklicherweise selten.

 

Ein spezieller Warnhinweis bei der Remicade-Therapie betrifft die erhöhte Rate von Tuberkulosen. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Reaktivierung bereits vorhandener, latenter (verborgener) Tuberkulosen. Deshalb muss vor Beginn der Remicade-Therapie ein Test auf Tuberkulose durchgeführt werden.

 

Bei diesem Test, in der Regel einem Hauttest, handelt es sich um eine einfache diagnostische Maßnahme, durch die das Risiko einer Tuberkulose-Komplikation unter einer Therapie mit Infliximab ganz erheblich verringert werden kann.

 

Damit eine hohe Therapiesicherheit unter einer Remicade-Therapie sichergestellt ist, sollte die Behandlung mit Infliximab (Remicade) nur durch Spezialisten durchgeführt werden, die mit dieser Therapie eine ausreichende Erfahrung haben. Dies sind in der Regel internistische Rheumatologen.

 

Unter der Therapie werden im Rahmen des Sicherheitsmonitorings regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt, deren Art und Umfang sich u.a. nach dem Behandlungszeitpunkt (z.B. Therapieeinleitung, stabile laufende Therapie), der genauen Diagnose, der Art und Schwere der Erkrankung sowie möglichen Begleiterkrankungen richten.

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