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Fragen und Antworten

Eine Frage von Silke:

mein Sohn (16) hat Rheuma und ist in Remission. Nach Absprache mit der behandelnden Rheumaklink ... wird das MTX schrittweise herunterdosiert. Nachdem er jetzt von ursprünglich 20 mg auf 10 mg subcutan gespritzt herunter ist, wurde jetzt von der Klinik vorgeschlagen, statt auf 7,5 mg subcutan auf 10 mg Tablette zu gehen.

Angeblich entspräche dieses einer Dosierung von ca. 7,5 mg subcutan. Über diese Art der Herunterdosierung habe ich noch nichts gehört und leider auch im Forum niemanden gefunden, der damit Erfahrung hat.

Uli hatte anfangs MTX-Tabletten, die aber von der Wirkung her gleich null waren, weswegen dann auf Spritze umgestellt wurde. Ich frage mich daher, warum jetzt die Umstellung auf Tablette erfolgen soll, zumal er mit dem Spritzen prima klar kommt und ob dann wirklich sicher ist, das er zumindest noch 7,5 mg aufnimmt - gerade wo in der Vorgeschichte die Tabletten nicht angeschlagen haben.

Von meiner Warte aus wären mir eigentlich 7,5 mg als Spritze lieber, und ich möchte gerade jetzt kein Risiko eingehen. Uli ist die Sache mit den Tabletten auch nicht so geheuer und so bitte ich Sie um Rat, was Sie an unserer Stelle tun würden.

Glücklicherweise haben wir einen Hausarzt, der noch verordnet, was Uli braucht und der ihm sicher auch weiterhin Spritzen aufschreiben würde - auch wenn die Tabletten günstiger wären ;o).

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.01.1970:

Das Problem bei Mtx ist, dass es bei verschiedenen Personen ganz unterschiedliche Resorptionsraten gibt, wenn es als Tablette gegeben wird. Anders ausgedrückt: Von der Mtx-Tablette mit beispielsweise 15 mg pro Woche werden bei dem einen Menschen vielleicht 90% aus dem Darm aufgenommen, d.h. 13.5 mg kommen im Blut und damit letztendlich im Körper an, und bei dem anderen Menschen nur 10% oder sogar nur 5%, d.h. nur eine Dosis von vielleicht 1,5 mg oder sogar nur 0.75 mg.

Dieses „interindividuell“, d.h. zwischen verschiedenen Personen völlig unterschiedliche Resorptionsverhalten von Mtx ist der Grund, warum bei manchen Patienten Mtx als Tablette überhaupt nicht oder nur sehr unzureichend wirkt, andererseits aber wunderbar, wenn es in Spritzenform gegeben wird.

Deshalb mache ich es oft so, dass ich bei Einleitung einer Mtx-Therapie mit der Spritzenform beginne, damit ich nach einer Zeit von 6 bis max. 12 Wochen auch sicher sagen kann, dass Mtx wirkt oder auch nicht. Wenn es dann zu einer Remission gekommen ist, gehe ich im Grundsatz dann genauso vor, wie es von der Klinik aus auch vorgeschlagen wurde, nämlich Reduktion der Dosis in kleinen Schritten. Dabei kann entweder die Dosis in der Spritze reduziert werden oder versucht werden, auf Tabletten umzustellen, wobei man dann beim Vergleich der Dosen die Dosis der Tabletten gegenüber der Spritze um etwa ein Drittel hochrechnen muß (entspräche dem Wert von 10 mg als Tablette gegenüber 7,5 mg als Spritze). Wenn der Patient zu den „schlechten Resorbierern“ gehört, merkt man das im übrigen dann sehr schnell, oft schon nach 2-3 Wochen. Die Patienten kommen dann und sagen, dass sie doch wieder mit der Spritze weitermachen wollen.

Wenn es in der Vergangenheit bei einem Patienten Hinweise darauf gibt, dass er zu den Menschen mit geringer Mtx-Resorption gehört, spricht vieles dafür, anfangs die Verringerung der Mtx-Dosis so durchzuführen, dass erst noch die Spritze weitergegeben wird. Allerdings ist es nicht unverantwortlich, in einer solchen Situation versuchsweise auch auf Tabletten umzustellen. Allerdings muß man dann sehr auf der Hut sein und sofort wieder auf die Spritzenform zurückgehen, wenn man erste Anzeichen der nachlassenden Mtx-Wirkung bemerkt.

 

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