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Fragen und Antworten

Eine Frage von Isolde G.:

Seit Anfang Mai diesen Jahres werde ich mit Remicade-Infusionen behandelt, zur Zeit ist meine Medikation 7,5 mg Methotrexat wöchentlich und täglich 5 mg Decortin zusätzlich. Inwieweit muss ich weiterhin Decortin nehmen, und ist die Infusionstherapie lebenslang?

 

Unter Arava habe ich eine Leukopenie entwickelt (Leukos 1.700). Welche Alternativen habe ich? Besteht ein Anrecht auf eine Eingruppierung in die Schwerbehinderung?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 20.07.2005:

TNF-alpha-Hemmer wie Remicade sind hochwirksame Medikamente, die bei der Mehrzahl der Patienten auch dann zu einer guten bis sehr guten Kontrolle der Krankheitsaktivität führen, selbst wenn eine vorhergehende Therapie mit konventionellen Basismedikamenten wie Methotrexat oder Arava und Cortison nicht oder nicht ausreichend wirksam war.

Im günstigsten Fall ist es mit dem zunehmenden Wirkungseintritt der TNF-alpha-blockierenden Therapie möglich, das Cortison im Verlauf vorsichtig und langsam zu reduzieren und u.U. dann zuletzt ganz abzusetzen, ohne dass es zu einer Verschlimmerung der Symptome und Befunde kommt. Allerdings sollte man die Cortisondosis mit Beginn der TNF-alpha-Blocker-Therapie nicht sofort und im weiteren Verlauf dann nicht zu schnell senken, da es sonst zu einer zunehmenden Krankheitsaktivität bis hin zu einer kleinen Schubsituation kommen kann.

Wenn eine Therapie mit Remicade unproblematisch verläuft und gut wirkt, sollte man sie ohne Not nicht beenden. Andererseits bedeutet dies nicht automatisch eine lebenslange Therapie. Im günstigsten Fall kommt es im Verlauf der Therapie zu einer kompletten Remission, d.h. die Erkrankung ist bei der rheumatologischen Untersuchung der Gelenke und bei den Blutuntersuchungen nicht mehr nachweisbar und der Patient ist auch selber der Meinung, dass die Arthritis nicht mehr vorhanden ist. In einem solchen Fall kann man versuchen, zunächst sehr vorsichtig und unter genauer Beobachtung und Kontrolle des Verlaufs die Abstände zwischen den Remicade-Infusionen zu verlängern. Wenn dies gut funktioniert, kann man im nächsten Schritt versuchen, mit den Infusionen ganz zu pausieren. Bei einem Teil der Patienten kommt die Erkrankung dann nicht wieder. Allerdings wissen wir aus den klinischen Studien, dass bei der Mehrzahl der Patienten die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis wieder zunimmt, wenn die TNF-alpha-blockierende Therapie abgesetzt wird.

Hinsichtlich des Schwerbehindertenausweises: Bei dem von Ihnen ermittelten HAQ-Wert von 1.125 liegt eine manifeste Behinderung vor. Damit kann man schon aus der Ferne sagen, dass ein Antrag auf Schwerbehinderung gerechtfertigt ist. Wie dann genau entschieden wird, d.h. welcher Grad der Behinderung Ihnen genau zuerteilt wird, kann man allerdings von hier aus nicht sagen.

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