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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ulrich:

Gibt es mittlerweile irgendwelche Untersuchungen darüber, ob man unter der Behandlung mit ENBREL Kinder zeugen kann?

 

Ich kenne die Empfehlung auf dem Beipackzettel, wonach man 6 Monate nach dem Absetzen der Behandlung mit ENBREL Kinder zeugen darf. Ich fürchte aber für diesen Fall erhebliche Beschwerden und weiß nicht, wie ich die 6 Monate überstehen soll.

 

Vor der Behandlung mit ENBREL hatte ich Psoriasis mit 80% Hautbefall und konnte kaum laufen, sitzen, schlafen. Jetzt sind meine Beschwerden fast weg, ein ganz anderes Leben. Wir sind uns der Risiken der Vererbung auf eventuelle Kinder bewusst. Wir wollen trotzdem Kinder, es muss ja nichts vererbt werden. Kann man die 6 Monate irgendwie verkürzen oder evtl. weiter Enbrel nehmen? Kann ein Arzt eventuell feststellen, ob die Spermien irgendwelche Schäden haben?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 15.09.2004:

Die Empfehlung oder Vorschrift, daß unter einer laufenden Enbrel-Therapie keine Kinder gezeugt werden dürfen und ein Sicherheitsabstand von 6 Monaten zwischen der Enbrel-Therapie und der Zeugung eingehalten werden sollte, beruht in erster Linie auf Produkthaftungsgesichtspunkten und nicht auf medizinischen Daten, nach denen unter einer Therapie mit Enbrel bei dem Kind Schäden zu befürchten sind. Allerdings gibt es umgekehrt auch keine Daten, die das Gegenteil belegen, d.h. daß eine Therapie mit Enbrel im Hinblick auf die anstehende Schwangerschaft sicher ist, und damit muß unter juristischen Aspekten die derzeitige Empfehlung sein, unter Enbrel keine Kinder zu zeugen.

Von einer theoretischen Warte her ist ein Einfluß der Enbrel-Therapie auf die Spermien nicht zu erwarten. Allerdings wäre mir diese Aussage zu unsicher, um einem Mann mit gutem Gewissen raten zu können, unter einer laufenden Enbrel-Therapie ein Kind zu zeugen.

Die Frage ist, ob wirklich ein Sicherheitsabstand von 6 Monaten eingehalten werden muß. Die Halbwertszeit von Enbrel ist sehr kurz, und der Körper produziert die Spermien kontinuierlich, so daß nach Absetzen der Therapie schon sehr bald keine Spermien mehr produziert werden, die unter dem Einfluß von Enbrel gebildet wurden. Nach menschlichem Ermessen sollte eigentlich ein Sicherheitsabstand von 2-3 Monaten völlig ausreichend sein. Allerdings kann man diese Aussage nur unter Ausschluß jeglicher Haftung machen.

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