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Fragen und Antworten

Eine Frage von Dr. Jutta K.:

Bestünde prinzipiell die Möglichkeit, bei einer schweren Polyarthrose Kineret im Rahmen eines compassionate use als Einzelfallstudie einzusetzen, um die Wirksamkeit bei Systemarthrose zu prüfen? Mit den Kosten ist das so eine Sache. Ein Pflegeplatz kostet bei schwerer Systemarthrose ca. 50.000 Euro im Jahr. Der Therapieversuch kostete vermutich um die 10.000 Euro.

 

Studien mit systemischer Anwendung von Kineret sind wohl in den USA im August 2004 begonnen worden und zwar bei symptomatischer Knie- und Hüftarthrose im Vergleich zu Placebo (University of Pennsylvania). Irgendwie gibt es Möglichkeiten, aber ich habe keinen Zugang dazu. Es ist zum Verzweifeln.

 

Gibt es überhaupt Rheumazentren, die sich für so etwas interessierten in Deutschland?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 6.02.2005:

Es steht zu befürchten, daß sich derzeit in Deutschland angesichts der angespannten Finanzlage keine gesetzliche Krankenversicherung dazu bereitfinden wird, die Kosten für eine solche Therapie auch bei einer schweren Arthrose zu übernehmen. Im übrigen läßt das BGH-Urteil zum sogenannten off-label-use die Kostenübernahme für diese Therapie aus meiner Sicht gegenwärtig auch noch nicht zu, da es zu wenig Evidenz dafür gibt, daß eine solche Therapie nicht nur vom theoretischen Gesichtspunkt her sinnvoll und ein interessanter Ansatz ist, sondern auch in der praktischen Anwendung wirkt.

Was die angeführte Kostenkalkulation angeht, ist diese zwar vom Grundsatz her richtig, trifft aber – zumindest aus der Sicht der Kostenträger – für die Situation in Deutschland nicht zu. Da wir ein strikt gegliedertes System der sozialen Sicherungssysteme haben mit Trennung von Akutmedizin, Rehablitiation und Pflege und daneben noch von ambulanter und stationärer Medizin, kann man potentielle Einsparungen in dem einen Sektor nicht einfach gegen Einsparungen in einem anderen Sektor rechnen, da ein entsprechender Budget-Ausgleich nicht vorgesehen ist. Im Klartext: Die Kineret-Therapie müsste von der gesetzlichen Krankenversicherung aus dem Topf der Akutversorgung (GKV) bezahlt werden und fiele unter das Arzneimittelbudget der niedergelassenen Ärzte. Mögliche Einsparungen fielen aber im Bereich der Pflegeversicherung an, die sich darüber zwar sehr freuen würde, der GKV aber nichts zahlen müsste. Da nun die GKV kein Geld hat, wird sie mit Sicherheit nicht Geld dafür ausgeben, um einen anderen Sektor von den Kosten zu entlasten.

Hinsichtlich der Frage nach den Rheumazentren: Meines Wissens wird in den Rheumazentren in Deutschland keine Studie zur Anwendung von Kineret bei der systemischen Arthrose durchgeführt. Da die wissenschaftliche Ausrichtung der Rheumazentren gegenwärtig auch in eine andere Richtung geht, fürchte ich zudem, daß sich z.Z. für diese Frage kein überschäumendes Interesse finden wird.

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