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Fragen und Antworten

Eine Frage von Christiane:

Können TNF-alpha-Blocker bei einer Leukopenie von 2.500/ul gegeben werden?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 6.08.2004:

Eine mögliche Nebenwirkung von TNF-alpha-Blockern ist eine in der Regel leichte Verringerung von weißen Blutkörperchen im Blutbild (sogenannte Leukopenie). Wenn schon vor Beginn einer TNF-alpha-Blocker-Therapie eine Leukopenie besteht, kann diese u.U. in einen kritischen Bereich kommen.

Ob eine vorbestehende Leukopenie eine absolute Kontraindikation für eine Therapie mit TNF-alpha-Blockern darstellt, d.h. diese überhaupt nicht und unter gar keinen Umständen gegeben werden sollten, hängt zum einen vom Ausmaß der Leukopenie ab, zum anderen vom genauen Befund im Differentialblutbild. 

Besteht eine ausgeprägte Granulozytopenie (zu wenige der sogenannten Granulozyten, einer speziellen Sorte von weißen Blutkörperchen, die für die Abwehr von bakteriellen Infekten eine wichtige Rolle spielen), erhöht sich unter der Therapie mit TNF-alpha-Blockern das Infektionsrisiko noch einmal zusätzlich. Je nach Ausmaß der Granulozytopenie kann deshalb der Einsatz von TNF-alpha-Blockern auch schon dann in Frage stehen, wenn die absolute Leukozytenzahl u.U. gar nicht so ausgeprägt vermindert ist.

Eine milde Leukopenie sollte bei der Indikation zu TNF-alpha-Blockern keine entscheidende Rolle spielen. Allerdings ist dann eine besonders engmaschige Kontrolle des Blutbildes einschließlich des Differentialblutbildes notwendig.

Bei einer höhergradigen Leukopenie sollten TNF-alpha-Blocker nicht zum Einsatz kommen.

Bei 2.500 Leukozyten /ul liegt ein Befund im Grenzbereich vor. Wenn es keine echte Alternative zu TNF-alpha-Blockern gibt, würde ich allerdings in 2.500 Leukozyten/ul nicht grundsätzlich eine absolute Kontraindikation sehen. Ob sie zum Einsatz kommen können, hängt in einer solchen Situation ganz vom individuellen Einzelfall ab. Dabei muß insbesondere abgewogen werden, ob therapeutische Alternativen zur Verfügung stehen. Außerdem müssen individuelle Faktoren wie Lebensalter, Krankheitsdauer, Begleiterkrankungen und Ko-Medikation berücksichtigt werden, z.B. auch eine hohe Cortisondosis etc.

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