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Fragen und Antworten

Eine Frage von Martina:

Ich habe seit ca. 33 Jahren aggressive Polyarthritis mit schweren Gelenkschaedigungen, die z.T. operiert worden sind (Halswirbelsaeulenversteifung HWS 1-3, beidseitig kuenstliche Kniegelenke, mehrere Synovektomien an Ellbogen, Fingern, Vorfussoperation beidseitig, rechte Handgelenksversteifung).

 

Seit 2.5 Jahren habe ich Enbrel bekommen und bin damit sehr gut zurechtgekommen. Seit der Enbrel-Einnahme waren die BSG-Werte so gut wie noch nie (durchschnittlich zwischen 10-20). Zweimalig in der Behandlungszeit mit Enbrel, konnte beobachtet werden, dass die Leukozytenzahlen abgesunken sind (einmal bis auf 2400 und einmal bis auf 2600). Jedes Mal sind die Blutwerte dann bei Behandlungspause mit dem Medikament wieder auf ueber 4000 angestiegen).

 

In den letzten Monaten sind jedoch die Leukozytenzahlen wieder bis auf 2700 abgesunken. Nach 2 Wochen Behandlungspause sind sie nun wieder auf 3700 angestiegen. Hierbei ist aufgefallen, dass, bevor die Leukozytenzahlen abgesunken sind, ich ganz ueberraschend eine BSG von 68 hatte (ohne mehr Schmerzen zu haben). Danach sank die BSG wieder, aber auch die Leukos.

 

Leider haben die Schmerzen in allen Gelenken auch wieder deutlich zugenommen.

 

Meine Frage ist nun: Wuerden Sie mir raten, nach einer laengeren Behandlungspause mit Enbrel wieder mit diesem Medikament anzufangen oder vielleicht lieber auf HUMIRA umzusteigen ?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 14.11.2004:

Eine in der Regel milde Leukopenie, d.h. eine Verringerung der Zahl der weißen Blutkörperchen, ist eine bekannte mögliche Nebenwirkung von (allen) TNF-alpha-Blockern. Ein Wechsel auf ein anderes Präparat wird das Problem deshalb vermutlich nicht lösen, allerdings ist nur ein entsprechender Versuch der alleinige endgültige Beweis.

Die andere Frage ist, ob Leukozytenzahlen um 3.000/ul überhaupt ein größeres Problem sind. Die Frage ist, wie genau das Differential-Blutbild aussieht, d.h. ob es sich um eine Abnahme aller Unterformen der weißen Blutkörperchen handelt, oder um eine Abnahme vor allem der sogenannten Lymphozyten (was ich eher vermuten würde). Wichtig ist, dass die Zahl der sogenannten Granulozyten nicht zu niedrig wird, da es dann zu einer weiteren Zunahme des bei einer rheumatoiden Arthritis ohnehin schon erhöhten Infektionsrisikos gegenüber bakteriellen Infektionen kommt (die absolute Zahl der Granulozyten sollte auf keinen Fall unter 1.000/ul liegen).

Was man außerdem berücksichtigen sollte: Bei Patienten mit einer sehr lange bestehenden chronischen Polyarthritis (rheumatoiden Arthritis) kann sich auch ein Felty-Syndrom entwickeln (nähreres dazu in „Rheuma von A-Z“ bei rheuma-online unter dem Stichwort „Felty-Syndrom“. Dabei handelt es sich um eine Sonderform der rheumatoiden Arthritis, die insbesondere durch eine Leukopenie, daneben eine Vergrößerung der Leber (Hepatomegalie) und / oder der Milz (Splenomegalie, Hepatosplenomegalie) gekennzeichnet ist.

Ich selber behandele eine Patientin mit einem Felty-Syndrom, bei der die Leukozytenzahlen zwischen 2.000 und 3.000 schwanken. Anfänglich erfolgte eine Therapie mit Methotrexat, die zu keiner Änderung der Leukozytenwerte führte, anschließend wegen einer unzureichenden Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Methotrexat in der Folge mit Leflunomid (Arava), ebenfalls ohne Einfluß auf die Leukozytenwerte. Die Arava-Therapie war zunächst über einen längeren Zeitraum sehr wirkungsvoll. Vor etwa einem Jahr kam es dann aber zu einer Schubsituation, so daß die laufende Arava-Therapie um Enbrel im Sinne einer Kombinationstherapie ergänzt wurde. Auch in der Kombination blieb die Leukopenie bestehen, verschlechterte sich aber nicht. Zu Infektionskomplikationen ist es bislang auch unter dieser Kombinationstherapie glücklicherweise nicht gekommen.

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