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Fragen und Antworten

Eine Frage von Elisabeth K.:

Sehr geehrter Herr Dr. Langer,

unser Sohn, (betrifft auch die eingetragenen Daten) ist 15 Jahre alt und bekam die Diagnose MB. Er hatte vor einigen Wochen eine Entzündung der Hüftgelenke und ISG, durch MRT belegt. Wird z.Zt. mit Piroxicam behandelt (seit 6 Wochen), die Beschwerden sind auch besser geworden, aber er ist noch nicht schmerzfrei. Hauptsächliche Beschwerden sind Leistenschmerzen auf beiden Seiten und Schmerzen in den Oberschenkeln, bzw. Beinen, vor allem nach körperlicher Belastung (er ist Fußballspieler, quält sich aber schon seit geraumer Zeit

vor allem aufgrund der Leistenschmerzen, will aber nicht aufhören).

 

Unser Rheumatologe hat uns eine Basistherapie mit Sulfasalazin

vorgeschlagen, aber auch geäußert, dass man es vor Beginn mit einer Cortisoninjektion in die ISG versuchen könnte, da die Entzündung nur auf diese Gelenke beschränkt ist und ansonsten noch keine weitere Beteiligung vorliegt.

Unser Sohn ist HLA B27 positiv, seine Mutter (das bin ich) hat chronische Polyarthritis seit 21 Jahren, ebenfalls vom Vater vererbt.

Sehr geehrter Herr Dr. Langer, bitte teilen Sie mir doch mit, ob solch eine Injektion in diesem Fall angeraten ist, bzw. wo man diese durchführen lassen kann, da das Verfahren ja sicher nicht so einfach ist.

Wir würden gerne erst einmal alles versuchen, was nötig ist, um unseren Sohn wieder schmerzfrei zu bekommen, ehe wir an eine Basistherapie herangehen. Für Ihre Antwort schön vorab herzlichen Dank.

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 23.06.2005:

Sie wissen, daß wir aus der Ferne keine Empfehlungen und Ratschläge zu einer individuellen Diagnose oder Therapie geben können, wollen und dürfen.

Allgemein kann man jedoch sagen, daß ich persönlich die Strategie verfolge, bei einer aktiven seronegativen  Spondarthritis grundsätzlich eine langwirksame antirheumatische Therapie durchzuführen. Diese Auffassung wird von sehr vielen Kollegen geteilt und bildet im wesentlichen auch die internationalen Empfehlungen ab.

Sulfasalazin ist dabei eine gute und gut wirksame, zugleich gut verträgliche Behandlungsmöglichkeit (nähere Informationen zu Sulfasalazin: http://www.rheuma-online.de/medikamente/sulfasalazin.html). Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten und auch immer wieder publizierten Meinung ist Sulfasalazin dabei nicht nur wirksam bei peripherer Gelenkbeteiligung, sondern auch bei einer Beteiligung des Achsenskeletts und der Kreuz-Darmbein-Gelenke (Ileosakralgelenke, ISG). Zumindest gilt dies für einen Teil der Patienten. Deshalb ist ein Therapieversuch mit Sulfasalazin auf jeden Fall gerechtfertigt, bevor andere Substanzen, insbesondere TNF-alpha-Blocker, zum Einsatz kommen sollten.

Der Therapieversuch mit Sulfasalazin sollte dabei zeitlich begrenzt werden. So beurteile ich die Wirksamkeit nach drei, maximal sechs Monaten. Ist es bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu einer ausreichenden Wirkung gekommen, wechsele ich auf einen TNF-alpha-Blocker.

Der Zeitrahmen von 3-6 Monaten ist im übrigen so kurz, daß nach allen Daten, die man zur Progression einer Spondarthritis im Bereich der Wirbelsäule kennt, durch eine solche Behandlungsstrategie eine therapeutische Option kaum verpasst werden dürfte. Wobei man einschränkend sagen muß, daß durch den späteren Einsatz von TNF-alpha-Blockern u.U. die Phase von starken Schmerzen und funktioneller Beeinträchtigung verlängert wird. Andererseits wird Sulfasalazin von den meisten Patienten sehr gut vertragen und ist ein sehr sicheres, unproblematisches Medikament, so daß es für den Patienten in jedem Fall von Vorteil ist, wenn er therapeutisch darauf anspricht und nicht mit den zwar hochwirksamen, aber im Handling doch schwierigeren TNF-alpha-Blockern behandelt werden muß. In vielen Ländern spielen daneben auch Kostenargumente eine  Rolle, so daß allein schon von daher alles für einen befristeten Therapieversuch mit Sulfasalsazin und erst dann den Einsatz von TNF-alpha-Blockern spricht, wenn Sulfasalazin unwirksam oder nicht ausreichend wirksam sein sollte.

Eine lokale (örtliche) Injektion in die ISG ist ein guter therapeutischer Ansatz, wenn die Erkrankung wirklich nur auf diese Gelenke beschränkt ist. In den meisten Fällen ist dies jedoch nicht der Fall.

Technisch ist die Injektion nicht ganz einfach, andererseits für den geübten kein Problem. Wer bei Ihnen in Ihrer Gegend diese Technik beherrscht, kann und darf ich Ihnen nicht sagen. Dies wird aber vor Ort zu klären sein.

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