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Fragen und Antworten

Eine Frage von Katrin B.:

Bei mir ist seit Mai 1985 ein M. Bechterew bekannt. Erste Symptome traten schon mehr als 2 Jahre vorher auf. Seit Sommer 2003 werde ich mit Arava behandelt, nachdem Sulfasalazin, Chloroquin und MTX unverträglich waren oder die Wirkung zu gering war.

 

Leider bin ich auch mit Arava nicht beschwerdefrei und muß noch 8 mg Cortison einnehmen.

 

Daraufhin habe ich noch eine Osteoporose dazubekommen.

 

Meine Frage lautet nun: Kann man Arava mit TNF-Blockern kombinieren?

Was würden Sie mir für eine weitere Behandlung empfehlen?

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 7.07.2004:

Die Kombination von Leflunomid (Arava) mit TNF-alpha-Blockern wird meines Wissens zwar gegenwärtig in einer klinischen Studie für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis (chronischen Polyarthritis) getestet; entsprechende Studienergebnisse zur Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit dieser Kombination wurden nach meiner Kenntnis bislang aber noch nicht publiziert. Allerdings wissen wir aus Anwendungsbeobachtungen und den TNF-Registern, in denen die Verläufe von Patienten mit einer TNF-alpha-Blocker-Therapie dokumentiert werden, daß eine solche Kombination aus Arava mit TNF-Blockern in der Praxis anscheinend doch in einem gar nicht einmal so geringen Ausmaß eingesetzt wird. Offensichtlich gibt es dabei wohl auch keine größeren Verträglichkeits- oder Sicherheitsprobleme. Allerdings muß man diese Aussage mit großer Vorsicht machen.

Für die Behandlung eines M. Bechterew ist die Kombination von Arava mit einem TNF-Blocker sehr ungewöhnlich. Ich selber behandele allerdings einen einzigen Bechterew-Patienten mit einer solchen Kombination, da ich bei ihm wegen eines gewissen, wenn auch nicht sonderlich befriedigenden Ansprechens auf Arava seinerzeit die laufende Therapie mit Arava um Enbrel erweitert habe. Diese Behandlung wird nun seit November 2000 durchgehend durchgeführt und völlig ohne Probleme vertragen. Die Wirksamkeit ist absolut excellent; ich habe diesen Patienten gerade erst zu einer Kontrolluntersuchung gesehen und noch seine Bemerkung im Ohr: „Der Bechterew ist für mich nicht mehr existent“. Bereits kurz nach Therapiebeginn von Enbrel konnte Cortison von vorher 20 mg Prednisolon pro Tag reduziert und im weiteren Verlauf völlig abgesetzt werden. Ob sich derselbe Effekt auch durch eine Monotherapie mit Enbrel, d.h. ohne die Kombination mit Arava, hätte erzielen lassen, kann nicht beurteilt werden. Da der Behandlungsverlauf aber so hervorragend war und es keine Nebenwirkungen gab, habe ich mich – wie im übrigen auch der Patient - bislang nicht getraut, Arava abzusetzen.

Mehr Erfahrung besitze ich für die Kombination von Arava mit Enbrel bei der Therapie der Psoriasis-Arthritis. Hier ist allerdings die Situation etwas anders gelagert, da für beide Substanzen gute klinische Daten zur Wirksamkeit bei dieser Erkrankung vorliegen und damit theoretisch ein Synergieeffekt zu erwarten ist, d.h. daß sich beide Substanzen günstig in ihrer Wirkung ergänzen und verstärken. Meine Erfahrung hinsichtich der Wirksamkeit und der Sicherheit und Verträglichkeit dieser Kombination bei der Psoriasis-Arthritis ist gut. Man kann diese Beobachtungen aber nur mit Einschränkung auf den M. Bechterew übertragen.

Ob in Ihrem speziellen Fall eine solche Kombinationstherapie von Arava mit Enbrel sinnvoll wäre, kann aus der Ferne nicht beurteilt werden. Dies muß in genauer Kenntnis des individuellen Befundes von Ihrem behandelnden Rheumatologen entschieden werden.

 

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