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Fragen und Antworten

Eine Frage von Ulrike K.:

Bestehen Zusammenhänge zwischen einem M. Still im Erwachsenenalter und der Ernährung? Die Infos von Rheuma-online hinsichtlich Ernährung habe ich gelesen, weiß aber nicht, inwieweit sie auch für M. Still zutreffen.

Ich selbst habe eine Kuhmilchunverträglichkeit (schon als ganz kleines Baby). Es hat sich aber weitestgehend beruhigt, nur reine Kuhmilch und Quark machen mir Beschwerden (Bauchschmerzen, Durchfall). Bei einem Test wurde auch eine Beifußallergie festgestellt. Ansonsten bestehen noch Nickel-(Kontakt), Katzenhaar- (bei freilaufenden Katzen!!!) und Pollenallergie.

Gibt es Zusammenhänge zwischen den Allergien / der Unverträglichkeit und M. Still? Muss ich meine Ernährung umstellen oder eine Diät einhalten?

Welche Rolle spielen tierisches Eiweiße?

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.02.2002:

Nach allem, was ich zum M. Still des Erwachsenen weiss (das ist allerdings nicht sehr viel, da man insgesamt nicht sehr viel über den M. Still des Erwachsenen weiss), gibt es keine Zusammenhänge zu Allergien, ebenso nicht zur Ernährung. Anders gesagt, es gibt keine Hinweise darauf, dass ein M. Still im Erwachsenenalter eine Art Allergie ist oder dadurch getriggert / ausgelöst würde; ebenso gibt es keine Hinweise darauf, dass er durch eine falsche Ernährung ausgelöst würde oder aber auch nicht darauf, dass er eine Art Nahrungsmittelallergie ist.

Was die Frage auch noch beinhaltet, nämlich ob man den M. Still durch eine bestimmte Ernährung oder durch Ernährungsumstellung günstig beeinflussen könnte: Dazu gibt es nach meiner Kenntnis überhaupt keine Literatur (was u.a. auch damit zusammenhängt, dass der M. Still des Adulten so selten ist und systematische Daten an größeren Patientengruppen dadurch nur extrem schwer zu erheben sind). Vom theoretischen Ansatz her dürfte allerdings eine Umstellung der Ernährung oder eine spezielle Ernährung beim M. Still auf Dauer wenig bringen, da sich leider das Immunsystem auf Dauer durch solche Maßnahmen nur sehr wenig beeindrucken läßt. Kurzfristig kann man spekulieren, ob z.B. eine Fastenkur einen kurzdauernden Effekt hat (wie z.B. bei der chronischen Polyarthritis), da Fasten eine Immunsuppression mit sich bringt. Man weiss aber von den anderen entzündlich-rheumatischen und immunologischen Erkrankungen, dass die Krankheitsaktivität danach wiederkehrt und manchmal sogar höher ist als vorher bis hin zu Beobachtungen, die mir Patienten berichtet haben, dass es durch die Fastenkur im Anschluss zu einem Rheuma-Schub gekommen ist.

Ebenfalls bei anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wird diskutiert, ob eine sehr große Zufuhr an tierischen Eiweißen die Krankheitsaktivität erhöhen könnte. Der theoretische Hintergrund dazu ist, dass tierische Eiweiße im Wege ihrer Verstoffwechselung auch zur Bildung von Arachidonsäure führen, die eine Substanz ist, die bei der Entzündung eine Rolle spielt. Genaue, gute wissenschaftliche Daten, die diese theoretische Vorstellung auch in der Lebensrealität belegen, gibt es aber nicht. Andererseits sollte es aus vielerlei Gründen allerdings nicht schaden, wenn man auf eine exzessive Zufuhr von tierischen Eiweißen verzichtet. Für einen vollständigen Verzicht auf tierische Eiweiße bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen besteht allerdings aus meiner Sicht keine Notwendigkeit.

 

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