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Fragen und Antworten

Eine Frage von Lieselotte G.:

Ich muss seit September 2001 MTX in die Vene gespritzt bekommen, da ich außerdem ein blutgerinnungshemmendes Medikament nehmen muss. Mein Arzt meint, dass MTX nicht subcutan gespritzt werden kann. Nun würde mich Ihre Antwort sehr interessieren.

 

Die Antwort gibt Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer, 1.06.2002:

Grundsätzlich kann Methotrexat (Mtx, z.B. Lantarel) in Form von Tabletten oder als Spritze gegeben werden. Wenn man Methotrexat als Tabletten gibt, wird es von den einzelnen Patienten sehr unterschiedlich resorbiert, d.h. in den Körper aufgenommen. Da man deshalb bei dieser Verabreichungsform nicht sicher ist, ob ein genügend hoher Wirkspiegel im Blut erzielt wird, setzt man in bestimmten Situationen lieber eine "parenterale" Form ein, d.h. eine Verabreichungsform "am Magen vorbei" (parenteral von para = griech. an, vorbei; enter = lat. Magen, Darm).

Parenterale Verabreichungsformen sind die intravenöse Gabe (i.v., Spritze in die Vene), die intramuskuläre Gabe (i.m., Spritze in den Gesäßmuskel) oder die subcutane Gabe (s.c., Spritze unter die Haut). Bei allen drei Formen stellt sich die Frage der unterschiedlichen Medikamentenaufnahme durch den Magen-Darm-Trakt nicht, d.h. man ist sicher, daß soviel Methotrexat im Körper ankommt, wieviel auch ankommen soll. Generell gilt die grobe Regel, daß Mtx bei parenteraler Gabe etwa ein Drittel stärker wirkt als bei der Tablettengabe. Ein weiterer Vorteil der parenteralen Gabe liegt darin, daß es von vielen Patienten besser vertragen wird als die Tabletten.

Die übliche Form der parenteralen Gabe von Mtx ist die intravenöse Gabe. Der Nachteil dieser Verabreichungsform ist die erhebliche Abhängigkeit des Patienten vom Arzt, da man dazu in der Regel einmal pro Woche in die Praxis muß. Deshalb wären andere Verabreichungsformen, bei denen der Patient nicht auf den wöchentlichen Arztbesuch angewiesen ist, angenehmer, abgesehen davon, daß bei Patienten mit schlechten Venen die intravenöse Gabe nicht nur für den Patienten, sondern auch für den Arzt eine Qual ist. Am attraktivsten ist bei den Alternativen die subcutane Gabe, da sich der Patient dabei das Methotrexat selber unter die Haut spritzen kann (ähnlich wie sich ein Zuckerkranker auch selber die Insulinspritzen gibt).

Unseres Wissens gibt es keine Studie, die die intravenöse Gabe von Mtx mit der subkutanen Gabe oder der intramuskulären Gabe vergleicht. Wir selber führen in letzter Zeit wegen des oben genannten Vorteils immer häufiger die s.c.-Gabe durch. Unsere Erfahrungen damit sind sehr gut und die Patienten sind sehr zufrieden. Die Patienten lernen bei uns in der Praxis die Selbstinjektion und spritzen sich dann das Methotrexat einmal in der Woche selber. Natürlich bleiben die regelmäßigen notwendigen Kontrolluntersuchungen im Rahmen des Therapiemonitorings und Sicherheitsprogramms für Mtx genauso bestehen wie bei der intravenösen Gabe.

Sowohl aus theoretischen Überlegungen als auf Grund der eigenen praktischen Erfahrung dürfte die subcutane Gabe von Methotrexat in der Wirksamkeit ähnlich gut sein wie die intravenöse Gabe. Die Verträglichkeit ist ebenfalls vergleichbar gut.

Zur Frage der Sicherheit von Mtx-Selbstinjektionen durch die Patienten haben wir in den rheuma-news vom April 2002 über eine interessante Studie berichtet, nachdem auch im Forum von rheuma-online schon länger über dieses Thema diskutiert wird:

In dieser kanadischen Studie aus Vancouver wurden 40 Patienten trainiert, sich Methotrexat (und auch Gold) selber zu spritzen. Anschließend wurde über 3 Jahre die Sicherheit dieser Behandlungsmaßnahme überwacht.

65% der Patienten spritzten sich selbst; bei 35% wurden die Injektionen durch Angehörige vorgenommen, die vorher ebenfalls entsprechend trainiert worden waren.

Während einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 34 Monaten kam es bei 2 der 40 Patienten zu einer oberflächlichen Reizung im Bereich der Injektionsstellen. 2 Patienten unterlief ein Dosierungsfehler, der aber glücklicherweise ohne Folgen blieb. Insgesamt war die Rate an Nebenwirkungen nicht höher als in einer Gruppe von Patienten, die die Injektionen im Rahmen einer klinischen Betreuung durch Krankenschwestern erhielten (Arthur AB, Klinkhoff AV, Teufel A. (Mary Pack Arthritis Centre and the University of British Columbia, Vancouver, Canada): Safety of self-injection of gold and methotrexate, J Rheumatol. 1999;26:302-5)

Einschränkend muss man zu subcutanen Verabreichung von Mtx allerdings sagen, dass es dafür nicht offiziell zugelassen ist. Insofern hat Ihr Arzt recht, wenn er sagt, dass Methotrexat (unter Sicht auf die offizielle Arzneimittelzulassung) nur intravenös oder intramuskulär verabreicht werden darf.

Da man bei gleichzeitiger Anwendung von bestimmten Medikamenten zur "Blutverdünnung" (insbesondere Marcumar) keine intramuskulären Spritzen (i.m.-Injektionen) geben darf, kommt insofern bei strikter Beachtung der Anwendungsbestimmungen für Methotrexat bei Ihnen in der Tat nur die intravenöse Gabe in Betracht, wenn man Mtx nicht subcutan einsetzen möchte (was grundsätzlich auch bei einer Marcumar-Therapie möglich wäre).

 

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